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| 24.09.1998

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Aus IZ20/1998, S. 14

Von am

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesverfassungsgericht
  • Personen:
    Hans Dehmer

Acht Beispiele, die Erbschaftsteuerbelastung zu optimieren

Beispiel

Die Großmutter (G) hat festverzinsliche Wertpapiere in ihremWertpapierdepot mit einem Wert von 250.000DM Ferner besitzt sie einZweifamilienhaus in Freiburg mit einem Grundbesitzwert [...]

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Beispiel

Die Großmutter (G) hat festverzinsliche Wertpapiere in ihrem Wertpapierdepot mit einem Wert von 250.000DM Ferner besitzt sie ein Zweifamilienhaus in Freiburg mit einem Grundbesitzwert von 720.000DM. Über ihre Tochter (T) hat G einen Enkel (E). Unter der Annahme, daß ein weiterer Erbgang in zwölf Jahren stattfinden könnte, würden sich folgende steuerliche Unterschiede ergeben, wenn zum einen zunächst auf die Tochter und von ihr dann auf den Enkel übertragen wird (Variante 1), alternativ dazu unmittelbar von der Großmutter auf den Enkel:

Variante 1: Übertragung Großmutter auf Tochter und im Jahr 2009 von Tochter auf Enkel

(1) Steuerliche Folgen 1997

Wertpapiere 250.000DM

Grundbesitzwert 720.000DM

Nachlaßwert 970.000DM

abzüglich Freibetrag Tochter 400.000DM

Bemessungsgrundlage 570.000DM

von Tochter 1997 zu zahlende Erbschaftsteuer (15%) 85.500DM

(2) Steuerliche Folgen 2009

Folgeübertragung im Jahr 2009 von Tochter auf Enkel. Die angenommene Werterhöhung des Grundstücks beträgt etwa 25%, so daß der Grundstückswert/Verkehrswert im Jahr 2009 auf 1,5 Mio. DM angestiegen ist.

Grundbesitzwert (Annahme 60% des Verkehrswertes) 900.000DM

Wertpapiere 250.000DM

Bruttonachlaßwert 1.150.000DM

abzüglich persönlicher Freibetrag des Enkels 400.000DM

von Enkel 2009 zu versteuernder Wert 750.000DM

Erbschaftsteuer 15% 112.500DM

Die gesamte Steuerlast für beide Vermögensübergänge beliefe sich damit auf 198.000DM (85.500DM + 112.500DM).

Variante 2: Übertragung unmittelbar von der Großmutter auf den Enkel

Die Steuerlast läßt sich deutlich vermindern, wenn die Schenkung unmittelbar von der Großmutter an den Enkel durchgeführt wird. Es ergeben sich dann nämlich folgende Werte:

Steuerlicher Nachlaßwert 970.000DM

abzüglich Freibetrag (Enkel nach Großmutter) 100.000DM

zu versteuernder Nachlaßwert 870.000DM

Erbschaftsteuer 1997 (15%) 130.500DM

Es ergibt sich mithin eine Differenz zu Variante 1 von 67.500DM zugunsten des Generationensprungs.

Beispiel

Ein bebautes Grundstück mit einem Verkehrswert von 1,2 Mio. DM und einem für steuerliche Zwecke heranzuziehenden Grundbesitzwert von 720.000DM wird mit einer Barschenkung von 1,2 Mio. DM verglichen. In den einzelnen Steuerklassen ergeben sich - ohne Berücksichtigung bzw. nach Abzug der persönlichen Freibeträge - folgende unterschiedlichen Steuerbelastungen:

Barvermögen Immobilienvermögen

Steuerklasse I

Bereicherung 1.200.000DM 720.000DM

persönlicher Freibetrag 400.000DM 400.000DM

800.000DM 320.000DM

Schenkungsteuer 15% = 120.000DM 11% = 35.200DM

Steuerklasse II

Bereicherung 1.200.000DM 720.000DM

persönlicher Freibetrag 20.000DM 20.000DM

1.180.000DM 700.000DM

Schenkungsteuer 27% = 318.000DM 22% = 154.000DM

Steuerklasse III

Bereicherung 1.200.000DM 720.000DM

persönlicher Freibetrag 10.000DM 10.000DM

1.190.000DM 710.000DM

Schenkungsteuer 35% = 416.000DM 29% = 205.900DM

Beispiel

Schenkung eines Geldbetrages von jeweils 1,2 Mio. DM an den Sohn zur freien Verfügung und an die Tochter mit der Auflage, von dem geschenkten Geld eine genau bezeichnete Eigentumswohnung zu kaufen.

Sohn Tochter

Steuerklasse I

Bereicherung 1.200.000DM Bargeld 720.000DM Grundbesitzwert

Freibetrag 400.000DM 400.000DM

800.000DM 320.000DM

zu bezahlende

Schenkungsteuer 15% = 120.000DM 11% = 35.200DM

Obwohl der Vater in beiden Fällen denselben Betrag zuwendet, sind die steuerlichen Folgen völlig unterschiedlich. Die Zuwendung an die Tochter wird mit dem deutlich günstigeren Grundbesitzwert zur Ermittlung der Schenkungsteuer angesetzt, so daß die Tochter im Ergebnis 84.800DM weniger Steuern bezahlt.

Beispiel

Die Eltern schenken den beiden Kindern Vermögen von je 25%, behalten sich aber das Sagen in der Gesellschaft dadurch vor, daß sie zusammen über 90% der Stimmen verfügen. Ein Gewinn- bzw. Verlustanteil von zusammen 80% genügt den Eltern als "Altersrente". Es ergeben sich folgende Parameter:

Vermögen Stimmen Gewinn/Verlust

Vater 20 70 60

Mutter 30 20 20

Sohn 25 5 10

Tochter 25 5 10

Beispiel: Übernahme der Schenkungsteuer durch den Schenker

Ein Junggeselle (J) möchte seiner Lebensgefährtin (L) einen Betrag von 440.000DM in bar zukommen lassen.

Variante 1: Die Beschenkte L muß die Schenkungsteuer selbst bezahlen

Berechnung der Schenkungsteuer bei der Beschenkten L

Steuerwert der Schenkung 440.000DM

abzüglich Freibetrag Steuerklasse III 10.000DM

Bemessungsgrundlage 430.000DM

Schenkungsteuer 23% 98.900DM

L verbleiben damit effektiv 331.100DM

Variante 2: Der Schenker J bezahlt auch die Schenkungsteuer

In diesem Fall übernimmt der Junggeselle gemäß § 10 II Erbschaftsteuergesetz die Schenkungsteuer und wendet seiner Lebensgefährtin von vornherein nur den Betrag in Höhe von 331.100DM zu. L selbst muß in diesem Fall keine Steuer mehr bezahlen.

(1) Berechnung der Steuer beim Schenker

Steuerwert der Schenkung 331.100DM

Freibetrag Steuerklasse III 10.000DM

Bemessungsgrundlage (1) 321.100DM

zuzüglich vom Schenker

übernommene Schenkungsteuer 23% x 321.100DM = 73.853DM

Bemessungsgrundlage (2) 394.953DM

Schenkungsteuer (Steuerklasse III; 23%) 90.839DM

(2) Die vom Schenker insgesamt aufgewendeten Beträge sind somit:

Zuwendungen an die Beschenkte L 331.100DM

von J zu zahlende Schenkungsteuer 90.839DM

Aufwand von J insgesamt 421.939DM

Obwohl also der identische Betrag dem Beschenkten zufließt, muß der Schenker insgesamt weniger aufwenden:

Aufwand Variante 1 440.000DM

Aufwand Variante 2 421.939DM

Ersparnis 18.061DM

Beispiel

Zuwendung eines für jährlich 40.000DM vermieteten Grundstücks von Schenker A an den Neffen N (Beschenkter) unter Vorbehalt des lebenslänglichen Nießbrauchsrechts zugunsten des A. Es findet die Steuerklasse II Anwendung. Der Grundbesitzwert der Immobilie beträgt 450.000DM. A ist 65 Jahre alt.

(1) Steuerpflichtiger Erwerb des Neffen

Grundbesitzwert 450.000DM

abzüglich Freibetrag Steuerklasse II 20.000DM

Bemessungsgrundlage 430.000DM

Schenkungsteuer 17% 73.100DM

(2) Berechnungen der gemäß § 25 I Erbschaftsteuergesetz gestundeten Steuer

Grundbesitzwert 450.000DM

abzüglich persönlicher Freibetrag 20.000DM

abzüglich Kapitalwert des Nießbrauchs 218.196DM

Nettoerwerb (unter Berücksichtigung der Belastung) 211.804DM

Bemessungsgrundlage (abgerundet, § 10 I 4 Erbschaftsteuergesetz) 211.804DM

sofort vom Neffen zu bezahlende Schenkungsteuer (17%) 36.006DM

Zinslos gestundete Steuer (§ 25 Erbschaftsteuergesetz)

(DM 73.100 ./. 36.006DM) 37.094DM

(3) Ablösung der gestundeten Steuer, § 25 I 3 Erbschaftsteuergesetz

Maßgeblich sind die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Entstehung der Steuerschuld. Wird der Antrag erst später gestellt, sind die Verhältnisse vom Zeitpunkt der Antragstellung maßgebend.

Lebenserwartung des Berechtigten A (männlich): 14 Jahre

Gegenwartswert (Ablösebetrag): 17.545DM

Im vorliegenden Fall würde der Beschenkte also 19.549DM weniger Schenkungsteuer bezahlen (37.094DM ./. 17.545DM), wenn er die ansonsten zinslos gestundete Steuer sofort ablöst.