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| 05.06.1998

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Aus IZ12/1998, S. 8

Von hl

In diesem Artikel:

Baugeld bleibt auf absehbare Zeit so günstig wie selten zuvor Banken fordern etwas weniger, Versicherungen drehen Zinsschraube etwas fester

Wiesbaden (hl) - Die Zinskonditionen von Hypothekenbanken und Versicherungen haben sich in den vergangenen vierzehn Tagen gegenläufig entwickelt. Bei den Banken wurde Baugeld geringfügig billiger, bei [...]

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Die Zinsprognose

von

Dr. Jochen Schober

Chefvolkswirt der

Landesbank Hessen-Thüringen

(Helaba)

Frankfurt am Main

Baufinanzierungen sind günstig wie selten zuvor. Baugeld mit einer zehnjähriger Zinsbindung kostet heute rund 6%. Auf absehbare Zeit wird sich daran nichts ändern. Die Teuerung verläuft weiter in ruhigen Bahnen, für die Bundesbank gibt es daher derzeit keinen zinspolitischen Handlungsbedarf. Zwar erfordert die Vereinheitlichung der Geldmarktzinsen im Vorfeld der Währungsunion eine Anhebung der deutschen Notenbankzinsen, wegen ihres geringen Ausmaßes dürfte das weder das Konjunktur- noch das Rentenmarktklima beeinträchtigen. Von der etwas lebhafteren Konjunktur in Deutschland gehen keine preistreibenden Impulse aus, weil sich die Binnennachfrage zu schleppend entwickelt. In Deutschland und Europa gibt es daher derzeit keine zyklisch bedingten Zinsauftriebstendenzen, zumal auch die öffentlichen Haushalte die Konsolidierungspolitik über das Jahr 1998 hinaus fortführen wollen.

Allerdings könnten währungspolitische Verunsicherungen beim Übergang zur Währungsunion das Zinsniveau korrigieren. Die künftige geldpolitische Strategie und ihre praktische Umsetzung haben bisher kaum Konturen angenommen. Belastungen für die Renditeentwicklung können auch von der robusten Konjunktur und dem dynamischen Beschäftigungsaufbau in den USA ausgehen, zumal sich derzeit keine merkliche Beruhigung der binnenwirtschaftlich getragenen Aufwärtsentwicklung abzeichnet. Die US-Wirtschaft expandiert an der Vollbeschäftigungsgrenze, und wegen des niedrigen Stands der Arbeitslosigkeit von 4,3% nimmt der Lohndruck merklich zu. Sollte sich der Produktivitätsfortschritt nachhaltig verlangsamen und zudem der US-Dollar wieder an Stärke verlieren, dürfte sich der Preisanstieg beschleunigen. In diesem Falle wird die amerikanische Notenbank die Zinszügel vorausschauend straffen, um das inflationsfreie Wirtschaftswachstum in den USA zu erhalten und um dadurch einen Anstieg der Renditen am amerikanischen Anleihenmarkt und damit auch in Europa zu verhindern.