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Veranstaltungen | 16.10.2008

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Aus IZ41/2008, S. 1

Von IZ

In diesem Artikel:

Branche stochert im Nebel

Seit dem Fall der Hypo Real Estate (HRE) herrscht auf dem deutschen Immobilienmarkt große Ungewissheit. Man hört viele Stimmen, aber jede sagt etwas anderes. Bedenklich: Selbst die alten Männer sch [...]

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MEINUNG

zu "Die Branche stochert im Nebel"

Es war ja auch zu schön gewesen, damals, auf dem Höhepunkt des Immobilienzyklus. 2005 und 2006 erlebten Deutschlands Immobilienprofis ihren ersten internationalen Boom. Der Kapitalmarkt hielt Einzug und mit ihm so aufregende Dinge wie die 90%-Hypothek, Aufwertungsgewinne und Milliarden-Börsengänge von Immobilien-AGs. Es war so schön gewesen, und der Absturz erscheint so unfair - ist der deutsche Immobilienmarkt etwa nicht fundamental gesund? Ja, könnte man sagen, ziemlich genau so gesund wie vor zwei Jahren, als die offenen Fonds ihren Portfolio-Schrott für gutes Geld an hoch fremdfinanzierte Ausländer entsorgten.

Der Zyklus-Virus hat die Deutschen infiziert und verführt zu kurzfristigen Hoffnungen. Viele hoffen, dass die Krise bald wieder einer "Normalisierung" Platz macht. Aber welcher "Normalzustand" wäre das? Etwa die Glanzzeit der Private-Equity-Großeinkäufer? Oder die Langeweile der Jahre davor, als die deutschen offenen und geschlossenen Fonds den Markt unter sich aufteilten? Beides erscheint recht unglaubwürdig.

Wer jetzt nicht viel mehr tut, als auf einen erneuten Aufschwung zu warten, der könnte Gefahr laufen, dass er ziemlich lange wartet. Erinnern Sie sich lieber an die Vor-Private-Equity-Ära. Damals waren Immobilien langweilig, weil sie jahrelang immer die gleichen Erträge brachten. Es gab weder große Preissprünge noch spektakuläre Börsengänge mit Kursen 50% oberhalb Net Asset Value. Stabilität war jene Eigenschaft, die damals, in der Zeit vor der großen Kreditblase, die Qualität der Asset-Klasse ausmachte. Kann eine Geldanlage derzeit eine verlockendere Eigenschaft besitzen als Stabilität? Vielleicht ist das der Weg, mit dem Immobilienprofis auch in der Kreditkrise erfolgreich Geschäfte machen können. Aber nur, wenn man sich die Hoffnungen auf den nächsten Zyklus erst Mal aus dem Kopf schlägt. (mol)

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie an leserbrief@immobilienzeitung.de.

Gewinner

. Die Fondsgesellschaft Union Investement will trotz Kreditkrise für das nationale und internationale Asset-Management 25 Leute einstellen.

. Der offene Fonds KanAm grundinvest, bisher ausschließlich international investiert, nutzt die "verbesserten Rahmenbedingungen am deutschen Immobilienmarkt" und kauft den im Bau befindlichen Frankfurter Opernturm.

. Das auf virtuelle Datenräume spezialisierte Unternehmen Data Room Services rechnet mit einer Vervielfachung seines Umsatzes bis zum Jahre 2011 auf 20 Mio. Euro. CEO Alexandre Grellier: "Als Firma ist die Krise für uns gut."

. Das Hamburger Emissionshaus United Investors legt einen Fonds auf, der seine Immobilien vornehmlich bei Zwangsversteigerungen kauft. Drei bis vier ähnliche Fonds, so ein Experte, seien in Deutschland geplant.

. Durch die Insolvenz von Hertie kommen etwa 75 potenzielle Standorte für innerstädtische Einkaufszentren auf den Markt. ECE prüft 20% davon "intensiv". Allerdings kommen ECE durch die Filial-Schließungen von SinnLeffers und Wehmeyer in fünf Centern Mieter abhanden.

. Der Mannheimer Wohnungsverwalter Treureal nimmt im Auftrag des Insolvenzverwalters des Bestandshalters Level One rund 13.000 Wohneinheiten unter seine Fittiche.

. Der Investor Activum SG kündigt gezielt Käufe in Deutschland an. Der erste Kauf soll ein Bürohaus in Berlin aus einer Insolvenz sein. ( cvs)

Verlierer

. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steigt wegen "globaler Erwägungen" aus der Finanzierung des Neubaus des Bahnhofs von Münster aus.

. Die Investmentgesellschaft Dawnay, Day Treveria sagt den Kauf des gerade eröffneten Einkaufszentrums BlechenCarré in Cottbus ab. Vorgesehener Kaufpreis: 75,5 Mio. Euro. Der Entwickler Gepro Bau braucht einen neuen Investor.

. Der Verkauf eines Immobilienpakets (Tristar) von Westfonds verzögert sich und bringt weniger Geld.

. Der Fondsinitiator MPC Capital wird 2008 sein geplantes Platzierungsvolumen von 1,1 Mrd. Euro verfehlen. Der Jahresüberschuss sinkt wohl von 38/40 Mio. Euro auf 18/20 Mio. Euro.

. Der Arcandor-Konzern kündigt einen weiteren Stellenabbau bei Karstadt an. Der geplante Verkauf schwächerer Filialen (Portfolio-Filialen) scheitert.

. Die Deutsche Annington streicht 400 Stellen. Insider sprechen davon, dies sei die Vorstufe für ein komplettes Outsourcing der Wohnungsverwaltung.

. Beschäftigungslosen Investmentmaklern bei Jones Lang LaSalle wird ein Wechsel in Auslandsbüros nahegelegt. Im Angebot seien u.a. Russland, Dubai und die Türkei, war auf der Expo Real zu hören.

. Makler sagen für das vierte Quartal 2008 und das Jahr 2009 deutliche geringere Vermietungsumsätze auf den Büromärkten voraus. Berlin meldet für das dritte Quartal ein Minus von 18%. ( cvs)

Expo-Zitate

"Es gibt noch zentralere Fragen, die eine Stadt lösen muss."

Regina Lüscher, Senatsbaudirektorin Berlin, über die Finanzkrise

"Mandanten mit eigenem Cash sind sehr zuversichtlich."

Robin Fritz, Kanzlei Fritze Paul Seelig

"Zentralbanken und Staatsfonds werden auch riskantere Investments in Betracht ziehen."

Georg Schuh, DB Advisors, über die Bedeutung der Schwellenländer

"Gehen Sie davon aus, dass jemand, der bei 75% bis 90% Fremdkapitalanteil jetzt refinanzieren muss, schon unter Wasser ist."

Kevin Lynch, The Townsend Group

"Die schnell rein und wieder raus wollten, haben jetzt Probleme."

Dennis Rossing, Rosco-Gruppe

"So eine große Veranstaltung und so wenig Geld."

Waldemar Weiss, Accent Real Estate, über die Expo Real 2008

"Ich habe mich vom Fernsehschirm weggerissen, um nach München zu kommen."

Greg Clark, Urban Land Institute

"Ich gehe davon aus, dass Geld, das bisher nicht da war, auch in Zukunft nicht da sein wird."

Angelika Volquartz, Oberbürgermeisterin von Kiel

"Die Welt war vorher nicht so rosarot, wie sie gemacht wurde, und ist jetzt nicht so schwarz, wie sie gemalt wird."

Gerhard Dunstheimer, ECE

"Kein Kredit, keine Märkte." Rod Jones, Drivers Jonas

"Man soll nie alles auf eine Karte setzen." Jürgen Schneider