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| 29.01.1998

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Aus IZ03/1998, S. 10

Von mu

In diesem Artikel:

Flucht in harte Währungen sorgt für Rekordtief der Hypothekenzinsen Einführung des Euro wird die Zinsentwicklung kaum belasten / Zinsen um 0,19 Prozentpunkte gesunken

Wiesbaden (mu) - Nahezu alle baufinanzierenden Institute haben ihre Konditionen in den vergangenen 14 Tagen deutlich nach unten korrigiert. Durchschnittlich sind die Hypothekenzinsen der Banken und Ve [...]

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Die Zinsprognose

von

Dr. Jürgen Parchmann,

Mitglied des Vorstandes der

Nürnberger Hypothekenbank AG, Nürnberg

Wer etwas verspätet aus dem Weihnachtsurlaub zurückkehrte, rieb sich die Augen: War er bei einem Zinsniveau in den Urlaub gestartet, das allgemein als "historisch tief" angesehen wurde, so konnte er Mitte Januar 1998 feststellen, daß die bisherige Marke nochmals deutlich unterschritten worden war. Der Zinssatz für 10jährige Bundestitel streifte die Marke von 5,0%, Pfandbriefe gleicher Laufzeit rentieren bei 5,40%. Ursache sind in erster Linie die aus den ostasiatischen Krisenmärkten in die "sicheren Häfen" von DM und Dollar fließenden Kapitalströme, aber auch ein erheblicher Betrag fällig werdender DM-Titel, die neu disponiert werden mußten.

Wie geht es weiter? Die Fundamentaldaten sind sehr stabil. Die Preissteigerungsrate mit 1,8% für 1997 in Deutschland (übrigens auch in der EWU!) wird im laufenden Jahr sehr moderat bleiben und trotz Mehrwertsteuererhöhung im April die 2% nur vorübergehend überschreiten. Das Geldmengenziel der Bundesbank ist eingehalten. Unsere Konjunktur zeigt eher ein schwächelndes Wachstum, das wenig Besserung für den Arbeitsmarkt verspricht. Entspannt auch die USA; Überhitzungserscheinungen, die die FED durch eine Zinserhöhung bremsen müßte, sind momentan nicht aktuell.

Die Einführung des Euro, die am Wochenende des 1. Mai 1998 beschlossen werden wird, belastet die Zinsentwicklung kaum. Für den langfristigen Bereich haben die Märkte die Teilnahme von elf Ländern einschließlich des "Club Med" mit Italien akzeptiert. Das Zinsniveau ist in den einzelnen Ländern nahezu identisch. Im kurzfristigen Bereich mag eine leichte Erhöhung der deutschen Zinsen in Anpassung an das Gesamtniveau noch zum Tragen kommen. - Der Verfassungsbeschwerde der vier deutschen Professoren gebe ich keine Chance.

Also vielleicht sogar noch niedrigere Zinsen? Ich glaube nicht. Einmal abgesehen von dem Fall, daß weitere erhebliche Fluchtgelder aus Ostasien in den deutschen Markt fließen, was man nicht einkalkulieren kann, zeigt der niedrige Realzins (Kapitalzins ./. Preissteigerung), daß der Zins unten ist. Mit weniger werden sich die Kapitalanleger nicht abspeisen lassen.

Für den Immobilieninvestor, ob in ein Eigenheim oder Großobjekt, heißt es, jetzt abzuschließen, um diese für ihn außergewöhnlich günstige Situation zu nutzen. Denn die Märkte sind rasch veränderlich ("volatil") und können aus plötzlichem Anlaß auch schnell wieder umschlagen.