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| 17.07.2008

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Aus IZ28/2008, S. 6

Von IZ

In diesem Artikel:

Jetzt beginnt das große Rosinenpicken

Drei Jahre nach dem Verkauf an Finanzinvestoren ist die ehemalige Karstadt-Tochter Wehmeyer mit 1.000 Mitarbeitern in die Insolvenz gegangen. Der Insolvenzverwalter ist guten Mutes, jemanden zu finden [...]

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Was aus den anderen früheren Karstadt-Töchtern wurde:

SinnLeffers und Hertie weiter unprofitabel

Bei Beginn der Sanierung 2004/2005 veräußerte KarstadtQuelle die meisten seiner formschwachen Töchter an Finanzinvestoren. Von den abgetrennten Teilen scheint bisher Runners Point am besten voranzukommen.

Nach dem Rückzug des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Urban im Mai 2004 begann bei KarstadtQuelle (heute Arcandor) der große Ausverkauf. Innerhalb kürzester Zeit trennte sich der Konzern von seinen Beteiligungen an Starbucks und den Fernsehsendern DSF und Home Shopping Europe. Die Fachhandelsketten GolfHouse, Wehmeyer, Runners Point und SinnLeffers sowie die Karstadt-Kompakt-Häuser (später Hertie) gingen an Finanzinvestoren bzw. Beteiligungsgesellschaften.

Im Jahr drei nach der Trennung von der Karstadt-Mutter scheint die auf Sport- und Laufschuhe sowie Sporttextilien spezialisierte Kette Runners Point (116 Filialen) am besten aufgestellt zu sein. Der Umsatz ist 2007 auch flächenbereinigt auf 103,4 Mio. Euro gestiegen. Neueröffnungen sind geplant. Runners Point gehört zu 75% Hannover Finanz und zu je 12,5% den Geschäftsführern Otto Hurler und Harald Wittig.

SinnLeffers wurde im August 2005 an eine Investorengruppe bestehend aus der Deutschen Industrie Holding (DIH), Frankfurt am Main, HMD Partners (USA) und dem Immobilieninvestor Curzon Global Partners/Ixis AEW Europe verkauft. HMD hat seine Anteile inzwischen an DIH abgegeben, Curzon/Ixis reichten 16 SinnLeffers-Filialen zusammen mit 35 Praktiker-Märkten 2007 an die Investmentgesellschaft Active Investment Management (AIM) weiter. Offizielle Zahlen zum operativen Geschäft in den 47 Filialen fehlen. "Die Umsätze haben sich stabilisiert", sagte Sinn-Leffers-Geschäftsführer Patrick Feller Anfang des Jahres. 2009 bis 2012 wolle man in die Gewinnzone zurückkehren. Das Konzept von SinnLeffers beschreibt Feller als "Modehaus mit Stil". Man wolle stets "vor Ort der Platzhirsch" sein. Das Geld, um in "teure Fassaden" zu investieren, sei aber nicht vorhanden. Stattdessen konzentriere man sich darauf, die Ware besser zu präsentieren.

Dramatisch erscheint die Situation bei Hertie (IZ 24/08). Wurden im Jahr der Übernahme 2005 durch den Finanzinvestor Dawnay, Day noch rund 680 Mio. Euro umgesetzt, sollen es nach einem jüngsten Bericht der Lebensmittel Zeitung 2007/2008 weniger als 500 Mio. Euro sein. Seit dem Verkauf seien fast 170 Mio. Euro Miese aufgelaufen, schreibt das gewöhnlich gut informierte Blatt. Gerade hat Geschäftsführer Claus Cord Ernst nach nur einem Jahr im Amt das Unternehmen wieder verlassen.

Seinen 82%-Anteil an der Deutschland-Tochter der Coffeeshop-Kette Starbucks (120 Filialen in Deutschland) gab Karstadt bereits im November 2004 an Starbucks zurück. Jüngst machte das Unternehmen mit der Ankündigung Schlagzeilen, auf seinem Heimatmarkt USA 12.000 Mitarbeiter zu entlassen und 600 Filialen zu schließen. In Deutschland seien keine Schließungen geplant, versichert ein Starbucks-Sprecher. Man sei der Überzeugung, dass die internationalen Aktivitäten weiterhin Wachstumsmotor des Unternehmens seien. Jüngst hat sich Starbucks einen neuen Partner gesucht und ist eine Kooperation mit dem auf Verkehrsgastronomie spezialisierten englischen Unternehmen SSP eingegangen. Innerhalb der kommenden drei Jahre sollen 150 Filialen an Flughäfen und Bahnhöfen vor allem in Deutschland, England und Frankreich entstehen.

Die Kette Golf House gehört seit dem Juni 2005 zu rund 75% der Beteiligungsgesellschaft Arques Industries, Starnberg. Die Zahl der Filialen ist von 19 auf 15 gesunken, 2008 kommen aber wieder drei neue Geschäfte hinzu. Der Umsatz lag 2007 mit rund 23 Mio. Euro auf dem Niveau von 2004. (cvs)