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| 02.10.1997

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Aus IZ21/1997, S. 12

Von hl

In diesem Artikel:

"Anziehende Konjunktur und ein festerer Dollar können zu Zinserhöhungen führen" Hypobank-Vorstand Klaus Heiss erwartet einen leichten Anstieg / Versicherungsdarlehen geringfügig teurer

Wiesbaden (hl) - Die von der Immobilien Zeitung regelmäßig untersuchten Hypothekenbanken und Versicherungen haben infolge der günstigen Vorgaben vom Rentenmarkt erneut ihre Konditionen gesenkt. Zu Zin [...]

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Die Zinsprognose

von

Dr. Klaus Heiss

Vorstandsmitglied der

Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG, München

In Deutschland bewegten sich die Hypothekenzinsen zuletzt auf nahezu historisch niedrigem Niveau. Eine zentrale Ursache hierfür war das hohe Maß an Preisstabilität im Inland - der Anstieg der Verbraucherpreise lag im laufenden Jahr bis einschließlich Juli unter 2%. Maßgebend für diese günstigen Inflationsraten sind die rückläufigen Lohnstückkosten, die im zweiten Quartal den Vorjahresvergleichswert um 3% unterschritten. In diesem Zusammenhang spielte auch die verhaltene Konjunkturentwicklung eine wichtige Rolle, da sie kaum Preiserhöhungsspielräume bot. Hinzu kam, daß in den USA die langfristigen Zinsen trotz kräftigen Wirtschaftswachstums vergleichsweise niedrig blieben.

Seit einigen Wochen mehren sich nun die Sorgen, daß die Zinsen am Rentenmarkt, und parallel dazu die Hypothekenzinsen, wieder steigen werden. Als Warnsignal wird vor allem der Anstieg der Einfuhrpreise im Juli von 4,2% gesehen. Darüber hinaus lesen einige Auguren aus den jüngsten Wirtschaftsdaten eine Beschleunigung der Konjunktur heraus, so daß die Bundesbank in dieser Hinsicht nunmehr weniger Rücksicht nehmen bräuchte als noch im Frühjahr. In der Tat äußern sich mittlerweile exponierte Bundesbanker, allen voran Bundesbankpräsident Tietmeyer, zur Preisstabilität und zu möglichen Zinsanhebungen zunehmend kritischer. Schließlich wird von Zinspessimisten noch die bevorstehende Euro-Einführung als Grund für steigende Zinsen in Deutschland genannt. Sie erwarten bis Ende 1998 eine Angleichung der Kapitalmarktzinsen in den Euro-Teilnehmerländern, und das auf einem Niveau zwischen den niedrigen deutschen und den relativ hohen italienischen oder spanischen Zinsen.

Was bleibt an Fakten, an denen sich letztlich die Bundesbank orientieren dürfte?

1. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im September bereits wieder unter 2%.

2. Die Zunahme der Erzeugerpreise der Industrie betrug zuletzt 1,4%. Die Bundesbank wird genau beobachten, ob sich die deutlich anziehenden Einfuhrpreise in den kommenden Monaten in diesem Preisaggregat niederschlagen.

3. Nachdenklich stimmt der Anstieg der Preise für Rohstoffe am Weltmarkt, im August immerhin 21% gegenüber dem Vorjahr.

4. Das Geldmengenwachstum liegt innerhalb des Zinskorridors.

Solange die Verbraucherpreise in Deutschland nicht deutlich über 2% steigen, ist eine Leitzinserhöhung infolge der desolaten Verfassung des Arbeitsmarktes unwahrscheinlich. Dennoch dürfte die anziehende Konjunktur, unterstützt durch Zinsanpassungen, sowie ein festerer US-Dollar im Vorfeld der Euro-Einführung zu leicht steigenden Zinsen am Rentenmarkt führen und damit auch bei den Hypothekenzinsen. Aus heutiger Sicht dürfte der Zinsanstieg über einen Prozentpunkt nicht hinausgehen.