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| 16.11.2006

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Aus IZ24/2006, S. 13

Von IZ

In diesem Artikel:

Kommunale sind nicht besser als Private

"Hinreichende Argumente gegen die Privatisierung öffentlicher Wohnungsbestände gibt es nicht." Zu diesem eindeutigen Urteil kommt eine "Fakten und Legenden" genannte Untersuchung aus dem Haus des Berl [...]

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Die sechs kommunalen Berliner Wohnungsgesellschaften:

270.000 Wohnungen gehören noch Berlin

. Die Degewo (Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus) besitzt zusammen mit ihren Tochtergesellschaften rund 60.000 Wohnungen in der Stadt und ist die größte der landeseigenen Gesellschaften. Miete: 4,37 EUR/m2. Schulden*: 1,9 Mrd. EUR, Gewinn*: 4,1 Mio. EUR.

. Die Gesobau (Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau) besitzt 40.000 Wohnungen. Miete: 3,91 EUR/m2. Schulden*: 652 Mio EUR, Gewinn*: 8,5 Mio. EUR.

. Der Gewobag (Gemeinnützige Wohnungsbau-Aktiengesellschaft) gehören 52.000 Wohnungen. Miete: 4,25 EUR/m2. Schulden*: 1,1 Mrd. EUR, Gewinn*: 17 Mio. EUR.

. Die Howoge (Wohnungsbaugesellschaft Hohenschönhausen) herrscht über 48.000 Wohnungen. Miete: 4,64 EUR/m2. Schulden*: 1,3 Mrd. EUR, Gewinn*: 21,5 Mio. EUR.

. Die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land nennt 45.000 Wohnungen ihr Eigen. Miete: 4,23 EUR/m2. Schulden*: 1,6 Mrd. EUR, Verlust*: 9,36 Mio. EUR.

. Die WBM (Wohnungsbaugesellschaft Mitte) hat 28.000 Wohnungen im Portfolio. Miete: 4,46 EUR/m2. Schulden*: 1,1 Mrd. EUR, Verlust*: 11,14 Mio. EUR.

* per 31.12.2005

(c) Immobilien Zeitung; Quelle: Senat

MEINUNG

zu "Kommunale sind nicht besser ..."

Berlin hat gut 60 Mrd. Euro Schulden. Hätte die Stadt nach einem Verkauf ihrer Wohnungen, an welche "Heuschrecke" auch immer, nach Abzug der Schulden die geraunten 5 Mrd. Euro übrig, müsste Finanzsenator Thilo Sarrazin nur noch rd. 55 Mrd. Euro Miese verwalten. Das scheint irgendwie egal zu sein. Immerhin zahlt der Kassenwart aber jährlich 2,5 Mrd. Euro Zinsen für die Sünden der Vergangenheit. Nur Zinsen, keine Tilgung. 5 Mrd. Euro weniger Schulden bedeutet bei gleichem Zinssatz 220 Mio. Euro weniger Zinsen, Jahr für Jahr. Dagegen nimmt sich der Gewinn der städtischen Gesellschaften von 31 Mio. Euro im Jahr 2005 sehr bescheiden aus. So könnte man argumentieren. Einerseits. Andererseits grapschen anglo-amerikanische Finanzinvestoren nicht deshalb nach deutschen Wohnungsgesellschaften, um armen Kommunen neue finanzielle Spielräume zu eröffnen. Stattdessen kaufen sie möglichst preiswert, modeln um und straffen die Strukturen. Sie greifen in die Trickkiste der Finanzjongleure und bürden den Gesellschaften häufig Schulden auf, um einen Teil ihres eingesetzten Kapitals schnell wieder flüssig zu haben. Erklärtes Ziel: Den Laden möglichst gewinnbringend wieder zu verkaufen. Im großen Stil. Mieterprivatisierungen sind für die weltweit agierenden Gesellschaften mit ihren millionenschweren Pensionsfonds im Rücken "Peanuts". An wen die Kommune ihr Tafelsilber veräußert, kann sie sich zwar aussuchen, und für die ersten Jahre nach dem Verkauf kann sie mit dem Erwerber auch noch Sozialchartas mit vielerlei beruhigenden Floskeln durchdrücken. Doch danach ist Schluss. Dann ist das Zuhause Zigtausender eine x-beliebige Handelsware geworden. Wer über die ehemals städtischen Wohnungen herrschen darf, entscheidet irgendwer in irgendwo. Weg ist weg, und weg kommt auch nicht wieder. (gg)