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| 17.10.1996

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Aus IZ22/1996, S. 12

Von mu

In diesem Artikel:

Zinsen bewegen sich in Reichweite ihrer historischen Tiefstände Risikofaktor US-Konjunktur / Hypothekenbanken senken abermals Kreditpreise

Wiesbaden (mu) - Wie bereits in den Vorwochen hat auch in den vergangenen vierzehn Tagen der überwiegende Teil der Hypothekenbanken das Zinsniveau nochmals abgesenkt.

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Die Zinsprognose

von Horst Alexander Spitzkopf, Vorstandsvorsitzender der Allgemeinen Hypotheken Bank

In Deutschland bewegen sich die Zinsen zur Zeit über alle Laufzeitsegmente hinweg in Reichweite ihrer historischen Tiefstände, allerdings bei einem recht steilen Verlauf der Zinsstrukturkurve. Tagesgeld ist für 3% zu haben, 3-Monatsgeld kostet rund 3,10%. Die Zinssätze für Laufzeiten von fünf Jahren bzw. zehn Jahren bewegen sich auf einem Niveau von 5% und 6,25%.

Angesichts dieser Entwicklung ist ein Zinssenkungsspielraum naturgemäß nur noch eingeschränkt gegeben. Die Konjunktur benötigt jedoch eine weitere Stabilisierung durch niedrige Zinsen. Auch wenn laut der veröffentlichten Geschäftsklimaindizes eine leichte Erholung der Gesamtwirtschaft erwartet werden kann, bedarf dieses einer weiteren systematischen Flankierung durch die Geldpolitik. Ziel der Deutschen Bundesbank dürfte allerdings sein, auf dem derzeitigen Zinsniveau auch in die Wirtschafts- und Währungsunion zu starten. Niedrigere Zinsen sind ebenfalls angesichts weiter hoher Arbeitslosenzahlen das wirtschaftspolitische Gebot der Stunde.

Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht: Bedingt durch die unter dem langjährigen Mittelwert liegende Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft von gut 82% dürfte auf mittlere Sicht inflationsfreies Wachstum (unter 2%) gegeben sein. Der von den öffentlichen Haushalten demonstrativ zur Schau getragene Sparwille zur Erfüllung der Maastricht-Kriterien dürfte überdies nicht zu einer weiteren Inanspruchnahme des Kapitalmarktes im Zuge einer höheren Neuverschuldung führen. Die Bundesbank hat somit keine Veranlassung, ihre derzeit eingeschlagene Strategie zu ändern und die Zinszügel wieder zu straffen.

Die derzeit großzügige Geldversorgung des deutschen Bankensystems dürfte tendenziell bei längeren Laufzeiten über 5 bis 10 Jahre zu einer Seitwärtsbewegung wenn nicht sogar zu niedrigeren Renditen führen.

Dennoch sollten nicht die Augen davor verschlossen werden, daß zunehmende Inflationsängste in der amerikanischen Wirtschaft die "Fed" zu einer restriktiven Geldpolitik veranlassen könnte, mit entsprechendem Einfluß auf das hiesige Zinsniveau am kurzen wie auch am langen Ende.

Die zur Zeit im Vergleich günstigen Baupreise und Immobilienangebote kombiniert mit den im Zeitvergleich historisch tiefen Langfristzinsen haben sich immer wieder als ideale Investitionszeitpunkte erwiesen. Es gibt daher kaum Anlaß, dies derzeit anders zu beurteilen, auch wenn noch ein gewisser Zinssenkungsspielraum verbleiben sollte.