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Projekte | 05.10.2006

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Aus IZ21/2006, S. 27

Von IZ

In diesem Artikel:

Die Renaissance der Handelsgiganten

Die erste Oktoberwoche wird in die Geschichte des Hamburger Einzelhandels eingehen. Zwei neue Giganten starteten rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft den Kampf um die Kunden: die Europa Passage zwisc [...]

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MEINUNG

zu "Die Auferstehung der neuen Handelsgiganten"

Es ist verständlich und aus seiner Sicht durchaus auch richtig, wenn sich der Innenstadthandel für die Abkehr von dem polyzentrischen System einsetzt. Vor allem, wenn es darum geht, im Rahmen des Konzepts der wachsenden Stadt zusätzliche Attraktivität zu gewinnen, käme dem Cityhandel der Zuwachs an Kunden aus den dezentralen Wohnquartieren nur zu recht. Immer wieder wird München als Beispiel für einen funktionierenden Innenstadthandel angeführt. Kein Wunder, ist doch die Frequenz in der Kauffingerstraße fast doppelt so hoch wie in der Spitalerstraße.

Doch die Argumentation ist vordergründig. Hamburg hat sich in Jahrzehnten der Industrialisierung in einst eigenständige Dörfer und sogar Städte im Umland ausgedehnt - Eppendorf im Norden, Blankenese im Westen, Bergedorf im Osten und Harburg im Süden, um nur einige Bespiele zu nennen. Die schrittweise Umlandentwicklung hat es ermöglicht, dass die in die Stadt eingebundenen Orte ihre gewachsene Struktur erhalten und den neuen Herausforderungen anpassen konnten. Heute bieten sie mit einer perfekten Infrastruktur ein hohes Maß an Lebensqualität.

München hingegen hat sich erst nach dem Krieg zu einer Metropole entwickelt. Doch erst die zu den Olympischen Spielen 1972 erbaute U-Bahn ermöglichte die Umlandwanderung im großen Stil. Die Folge ist: Die Münchner Innenstadt ist umgeben von weit gehend infrastrukturlosen Schlafsiedlungen und einer verstreuten Bürolandschaft. Zwar nicht beim Handel, jedoch bei der Stadtplanung - die zeitweilig von einem Hamburger geleitet wurde - galt die polyzentrische Struktur der Hansestadt lange als Vorbild für eine urbane Stadtentwicklung.

Bereits die Tatsache, dass die Hamburger ihre City als Einkaufsstätte nicht wirklich brauchen, hat die Kreativität des Innenstadthandels beflügelt. Er musste und muss immer ein wenig mehr bieten, um die Kunden in die Stadt zu locken. Begonnen hatte es mit den Passagen. Dann entdeckten Investoren und Händler unter Federführung des unkonventionell denkenden Schuhfilialisten Ludwig Görtz die Qualität der Bausubstanz und begannen mit der optischen Stadtreparatur. Dann besann man sich auf die zu Einkaufsschneisen heruntergekommenen Straßenzüge und verwandelte erst die Mönckebergstraße und jetzt Jungfernstieg und Neuen Wall wieder in attraktive Flaniermeilen. Der Handel investierte und polierte seine Flächen auf.

Das Ergebnis: Die City hat ihre lange Schwächephase überwunden und zieht mehr Kunden an als je zuvor. Ohne die wache und aggressive Konkurrenz in den Stadtteilen wäre es wohl nie oder wenigstens nicht so schnell so weit gekommen. Der Cityhandel sollte nicht klagen, sondern den Herausforderern in den Stadtteilen für den verordneten Lernprozess dankbar sein. (goe)