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| 07.09.2006

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Aus IZ19/2006, S. 30

Von IZ

In diesem Artikel:
  • Projekte:
    Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
  • Organisationen:
    Land Berlin, AG City, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, Genossenschaft für Stadtentwicklung
  • Personen:
    Jochen Brückmann, Thorsten Tonndorf, Barbara Boitze, Dieter Aßhauser, Hans-Jörg Bahrs

Feiern auf Staatskosten

Energie im Fluss, Platten(bau)chefs zum Anfassen, Strandfest mit Dichterlesung und eine Malmaschine sponsern der Berliner Senat und die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK) mit ihrer Zentren-In [...]

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MEINUNG

zu "Feiern auf Staatskosten"

Um rund um das Jahr Touristen und Einheimische an Berlins Prachtboulevard Kurfürstendamm zu locken, finden dort alle naselang Festivitäten und Veranstaltungen statt. Auf der noblen Straße im Bezirk Charlottenburg ist sogar so viel los, dass Jochen Brückmann, bei der IHK für Stadtentwicklung und Infrastruktur zuständig, von der Schwierigkeit berichten musste, für das Mittendrin-Berlin!-Vergnügen ein "Zeitfenster" zu finden. Offen bleibt die Frage, ob die Verantwortlichen für das mit Steuergeldern finanzierte Spektakel ein "Sinnfenster" finden konnten. Berlin hat 60 Mrd. Euro Schulden, sein knallharter Kassenwart spart, wo er kann. Am Ku'damm buhlen Filialisten und Luxus-Labels um das Geld der Kunden. Bis zu 180 Euro/m2 kassieren Ladenbesitzer in guten Lagen. 54 neue Geschäfte eröffneten im vergangenen Jahr, die AG City als Interessenvertreter der Anrainer kann sich eine eigene Internetseite leisten, auf der sie sich fortwährend selber lobt. Muss eine Stadt, die beim Bund betteln geht, Malaktionen einer solch vollvermieteten, attraktiven, florierenden Meile unterstützen? Wohl kaum. Das Gegenargument der Initiatoren, man gehe bei der Auswahl der Preisträger bewusst nicht nach Bedürftigkeit, sondern unterstütze halt die besten Ideen, kann auch nicht überzeugen. Erklärtes Ziel der Initiative ist, "Funktionsverlusten" einzelner Lagen zu begegnen. Droht dem Ku'damm allen Ernstes der Verlust seiner Funktion? Kleinen Quartieren gelang es im vergangenen Jahr, mit Hilfe der Mittendrin-Gelder ihr Image aufzupolieren und den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Hat der Ku'damm das nötig? Die Straße kennt in Berlin jedes Kind, und jeder Berlin-Reiseführer erzählt ihre Geschichte. Eine Stadt, in der Schulen und Spielplätze verrotten, sollte ihre raren Steuergroschen sinnvoller einsetzen. (gg)

TIPP

Der Wettbewerb wird 2007 fortgesetzt. Das Motto lautet: "Handel verwandelt. Profil und Identität." Teilnahmeberechtigt sind lokale Standortkooperationen aller Berliner Geschäftsstraßen und Zentren, die sich aus mindestens 15 finanzierenden Mitstreitern zusammensetzen. Die Ausschreibung und der Antrag können unter www.mittendrinberlin.de kostenlos heruntergeladen werden. Einsendeschluss bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin ist der 23. Oktober 2006.