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Bürokrise schafft Raum für Hotel-Entwickler

In kaum einer anderen Stadt in Deutschland wird der Zusammenhang zwischen Hotel- und Büroentwicklungen so deutlich wie in Frankfurt. Erst die Krise des Büromarktes machte den Bau von Hotels der untere [...]

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Die Autorin: Martina Fidlschuster ist Geschäftsführerin der Hotour Unternehmensberatung für Hotellerie und Touristik GmbH, Frankfurt am Main. Hotour war z.B. an der Konzeption und Betreiberauswahl des neuen Luxushotels Villa Kennedy in Frankfurt-Sachsenhausen beteiligt.

Luxus:

Das Dilemma der Big Names

Luxushotels haben sich beim Markteintritt in Frankfurt stets schwergetan. Die meisten Standorte gelten als Kompromiss.

Das erste größere Kettenhotel, das unmittelbar im Frankfurter Zentrum entstand, war das heutige Marriott; 1977 als CP Plaza der Hotelkette Canadian Pacific eröffnet, steht es seit 1989 unter der Leitung von Marriott. Die Hilton-Gruppe, die sich damals ebenfalls um den Standort beworben hatte, ging leer aus und bemühte sich daraufhin um ein zweites Hotel in Mainz, das 1994 als City Hilton eröffnet wurde.

Als nächstes größeres Haus im Stadtzentrum eröffnete 1989 das Arabella Grand Hotel mit 378 Zimmern an der Konstablerwache. Dieser Standort wurde sehr kontrovers diskutiert, denn er galt als Kompromiss für ein Hotel, das dem Frankfurter Hof Paroli bieten wollte. Doch bessere Grundstücke gab es seinerzeit in Frankfurt immer noch nicht: Büros versprachen nach wie vor die höheren Renditen.

So musste auch die Hilton-Gruppe, als sie 1998 endlich ihr erstes Hotel (mit 342 Zimmern) in Frankfurt eröffnen konnte, einen Kompromiss eingehen: Die Integration des ehemaligen Stadtbad Mitte samt Öffnung für die Allgemeinheit war der Preis, um an das begehrte Grundstück am Rand der Eschenheimer Anlage zu kommen.

Ebenso als Kompromiss-Standort empfinden viele das neue Hotel von Sir Rocco Forte - die im Frühjahr dieses Jahres eröffnete Villa Kennedy (164 Zimmer und Suiten) an der Kennedyallee. Und auch die Lage des im Herbst 2005 fertig gestellten SAS Radisson (Blue Heaven) am Frankfurter Opel-Rondell wird - trotz der Nähe zur Frankfurter Messe - vielfach als nicht gelungen bezeichnet.

Martina Fidlschuster

Gästestruktur:

Es fehlen die Städtereisen

Andere Städte profitieren von Billigfliegern und Städtetouristen - Frankfurt kaum.

2005 gab es in Frankfurt 191 gewerbliche Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 28.756 Betten (in Hotels 20.009). Innerhalb der vergangenen zehn Jahre kamen 6.410 neue Betten hinzu, davon alleine 3.982 in Hotels (+28,7% insgesamt, +24,8% in Hotels). 2005 zählte Frankfurt 4.568.515 Übernachtungen, davon 3.237.300 in Hotels. Gegenüber 2005 bedeutet dies 1.294.620 Übernachtungen (+39,5%) mehr, davon 690.522 in Hotels (+27,1%). Damit haben sich die Hotels zwar vergleichsweise schwächer entwickelt als beispielsweise Hotel Garnis und Pensionen (vermutlich wegen schmalerer Reisebudgets), dennoch entspricht das Wachstum bei den Hotels mit durchschnittlich 2,7% pro Jahr in etwa dem deutschen Durchschnitt. Es ist davon auszugehen, dass die Hotels in den nächsten Jahren auf Grund des neu hinzugekommenen und noch kommenden Angebots ein stärkeres Wachstum verzeichnen werden.

Wesentlich höhere Wachstumsraten bei den Übernachtungen verzeichneten hingegen Hamburg (+52,3%), Köln (+58,1%) oder Berlin (+96,7%), während München, überwiegend kapazitätsbedingt, nur eine Wachstumsrate von 34,9% verbuchen konnte. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Hotelnachfrage in diesen Städten vor allem durch Städtereisen (forciert u.a. auch durch den Boom der Billigflieger, die wiederum den Frankfurter Flughafen auf Grund zu hoher Kosten und Kapazitätsengpässen meiden), Tagungen/Kongresse und Events wuchs, während Frankfurt das Segment "Städtereisen" fast gänzlich fehlt. Auch Großkongresse können mangels Kapazitäten (das Congress Center Messe Frankfurt ist oft ausgebucht) vielfach nicht untergebracht werden.

Martina Fidlschuster