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| 22.08.1996

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Aus IZ18/1996, S. 1

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In diesem Artikel:

Die Stadt für morgen

Bis zum Jahr 2010 wird sich die Bevölkerungszahl in Deutschland noch vergrößern. Die Zahl der Haushalte wird zunehmen, mehr Wohnungen werden gebraucht. Gleichzeitig verwaisen die Städte, der Flächenve [...]

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Beispiel 1:

Hackesche Höfe,

Berlin

1906 und 1907 wurden die Hackeschen Höfe zwischen Hackeschem Markt und Sophienstraße gebaut, die Pläne für die Fassaden stammen u.a. von Jugendstil-Architekt August Endell. Auf acht Höfe verteilten sich Wohnungen, Textilfabriken, Kaufleute, Gastronomen und Kultureinrichtungen. Diese bunte Mischung soll künftig beibehalten werden. In Abstimmung mit dem Bezirksamt Berlin-Mitte investiert der Heidelberger Unternehmer Roland Ernst zusammen mit der Behne Immobilien GmbH etwa 92 Mio. DM in die Sanierung des Viertels. In dem denkmalgeschützten Komplex tummeln sich schon längst die Mieter. Für den Bürobereich konnte man neben Architektur- und Ingenieurbüros die Industrie- und Handelskammer, Steuerberater, Mediziner etc. gewinnen. Büros finden sich v.a. im Vorderhaus, dem Geschäftshaus an der Rosenthaler Straße. Im zweiten Hof, dem sogenannten "Theaterhof", residieren das Chamäleon Varieté und ein Programmkino. Es finden sich dort auch Ausstellungs- und Tagungsräume sowie ein Erotik-Kunst-Museum. Als "Kunsthof" mit Skulpturenpark wird der dritte Hof genutzt. Im folgenden "Brunnenhof" bemühen sich Designer u.a. um die Frisuren ihrer Kundschaft. 80 Wohnungen bietet der fünfte Hof, als "Spielhof" für die Kinder konzipiert. Der Sophienclub, ein Billardsalon und eine Tanzprobebühne sorgen für Abwechslung im sechsten Hof. Der "Handwerkerhof" beherbergt eine Fahrradstation und weitere Werkstätten. Hof 8 ist wieder dem Wohnen vorbehalten. Der Schwerpunkt wurde damit eindeutig nicht auf Gewerbe gelegt, vielmehr hat man sich für einen 20%igen Anteil an Kultureinrichtungen entschieden.

Beispiel 2:

Wünsdorf,

Brandenburg

Bis 1870 reicht die Geschichte der späteren Militärstadt Wünsdorf zurück. Damals wurde ein Artillerie-Versuchsschießplatz eingerichtet. Es folgten Infanterieschulen, Lager, Kasernen und seit 1945 die Einrichtungen der Sowjetischen Kontrollkommission. Seit 1953 wurde das Gelände als Hauptquartier des Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt. Bis zu 40.000 Menschen sollen in Spitzenzeiten dort gelebt haben. Am 31. August 1994 räumten die letzten Streitkräfte das Gelände. Damit wurde der Weg für eine Sanierung und Neuentwicklung frei. Im Kernbereich des insgesamt ca. 590ha großen Geländes stehen rund 600 Gebäude, davon wurden etwa 200 als Wohn- und Mannschaftsgebäude genutzt. Im nördlichen Bereich finden sich etwa 30 Ein- und Zweifamilienhäuser, in den Randlagen 50 ehemalige Mannschaftsunterkünfte und Verwaltungsgebäude. Dort können ca. 1.000 Wohnungen untergebracht werden. Etwa 120 mehrgeschossige Wohnhäuser mit ca. 2.550 Wohnungen verteilen sich über das Gesamtgelände. Das wohnungsbaupolitische Konzept der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg sieht die Entwicklung des Areals zur sogenannten "Waldstadt" vor. 6.000 Einwohner sollen hier einmal eine Wohnung finden. Ein Teil der zu sanierenden Wohn- und Gewerbeflächen ist bereits verkauft. Auch die LEG schafft über eine Tochtergesellschaft neuen Wohnraum, im August dieses Jahres sind die ersten Mieter eingezogen. Insgesamt ist das Projekt auf einen Zeitraum von etwa zehn Jahren angelegt. Während Wohnungen in genügender Zahl vorhanden sind, besteht vor allen Dingen bei den infrastrukturellen und sozialen Versorgungseinrichtungen ein erheblicher Nachholbedarf.

Beispiel 3:

Stadthaus Schlump,

Hamburg

20 Mio. DM hat Jürgen Gessner in die Umwandlung eines denkmalgeschützten Krankenhauses in Hamburg-Eimsbüttel investiert. Öffentliche Fördergelder gab es hierfür nicht. Vor zwei Jahren begannen die Arbeiten, die im kommenden Monat abgeschlossen sein werden. Entstanden sind 60 Wohnungen, bei denen der Mieter für 19DM/m2 Kaltmiete die Möglichkeit erhält, den hauseigenen Autopool mitzunutzen. Das Prinzip ist dem des Car-Sharing ähnlich, nur daß für die Benutzer keine Aufnahme- und Bereitstellungsgebühren anfallen. Der Mieter hat zwischen verschiedenen Modellen die Qual der Wahl, kann sogar ein solarenergiebetriebenes Auto wählen. Je nachdem, welchen Fahrzeugtyp er aussucht, liegt die Gebühr zwischen fünf und neun DM je Stunde Fahrzeit. In dieser Gebühr sind die üblichen Unterhaltungskosten, wie Versicherung, Steuern und Inspektionen, enthalten. Die Fahrzeuge stehen direkt vor der Tür, Parkplatzsorgen gibt es demzufolge nicht. Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG entstanden, der Gessner im Rahmen eines Forschungsauftrages die gewünschten Daten liefert. Das Projekt spricht vor allem Mieter an, die ein Auto wegen der vorhandenen innerstädtischen Infrastruktur nicht täglich benötigen, auf eine motorisierte Fortbewegung jedoch nicht völlig verzichten wollen. Die Entscheidung, sich eventuell einen Zweitwagen zuzulegen oder einen bereits vorhandenen abzuschaffen, kann durch das Angebot leichter fallen. Auf dem Grundstück wurde noch ein Café und ein Gästeappartement, das für unter 30DM die Nacht gemietet werden kann, eingerichtet. Gessner kann nicht über Vermietungsschwierigkeiten klagen: Die 60 Wohnungen sind weitgehend vergeben.

Beispiel 4:

Wohnpark Burg Gleuel,

Hürth (Köln)

Mitte der 80er Jahre wurde das Wohnprojekt Burg Gleuel in Hürth fertiggestellt. Entstanden ist, mitten in dem ehemaligen Wirtschaftshof der Burg, ein Wohnpark mit 35 freifinanzierten Ein- bis Dreizimmerwohnungen. Zu je einem Drittel wohnen dort ältere Mieter, jüngere Dauermieter und Geschäftsleute. Hürth verfügt über eine sehr gute Infrastruktur und eine gute Verkehrsanbindung nach Köln. "Von Hürth bis zum Kölner Dom sind es nur 9 km. Man benötigt ca. 20 Minuten", so Ulrich Ahlert, einer der Bauherren. Um Differenzen zwischen den Mietern zu vermeiden, hat sich der Bauherr für einheitliche Mietpreise für alle Mieter entschieden. Das heißt, ein vollmöbliertes Appartement für einen Geschäftsmann kostet bei gleicher Größe genauso viel wie eine seniorengerechte Wohnung mit dem entsprechenden Betreuungsservice. Seniorengerecht bedeutet barrierefrei: Das erste Obergeschoß ist durch einen zentralen Aufzug erschlossen. Die Wohnungen sind in einer Größe von 25m2 bis 65m2 zu haben. Sie verfügen über komplett eingerichtete Küchen, separate Schlafzimmer, geräumige Duschbäder und eine Raum für Raum zu regulierende Fußbodenheizung. Die Mietpreise liegen, je nach Größe zwischen 1.000DM und 1.600DM warm. Zu der Anlage gehören eine Parkebene für 18 Pkws sowie ein kleines Besucherappartement und spezielles Pflegepersonal. Bauherr war neben Ulrich Ahlert Ernst August Braun. Gemeinsam mit der Planungsgruppe Böttger, Orlich und Sandleben, Köln, wurde das Projekt entwickelt und realisiert. Das Investitionsvolumen betrug seinerzeit 6,5 Mio. DM. Zuschüsse wurden nicht gewährt, so daß sich das Projekt "erst jetzt, nach zehn Jahren, anfängt zu rechnen", so der Bauherr.

Beispiel 5:

Kirchsteigfeld,

Potsdam

In dem neuen Stadtteil Kirchsteigfeld von Potsdam/Neu Drewitz errichtet die Unternehmensgruppe Groth und Graalfs GmbH auf einer Fläche von 60ha ein Zentrum, in dem Wohnen, Freizeit und Arbeiten gut vermischt sind. 2.500 Wohnungen auf einer Fläche von 198.000m2 und 5.000 Arbeitsplätze aus dem Dienstleistungssektor verteilt auf 148.900m2 werden dort entstehen. 500 Wohnungen werden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus und ca. 1.500 im Rahmen der vereinbarten Förderung nach § 88 d II Wohnungsbaugesetz (dritter Förderweg) gebaut werden. Weitere 500 sind im freifinanzierten Wohnungsbau und als frei finanzierte oder auch öffentlich geförderte Eigentumsmaßnahme vorgesehen. Darüber hinaus sind Kindertagesstätten, Schulen und Freizeiteinrichtungen geplant. Die Erschließung des Kirchsteigfeldes als Wohn- und Dienstleistungsstandort fungiert gleichzeitig als Bindeglied zwischen der vorhandenen dörflichen Struktur von Alt Drewitz und dem normierten Geschoßwohnungsbau der benachbarten Plattensiedlung. Die Innenstadt Potsdam ist ca. 3,5km, die Berliner Innenstadt ca. 25km entfernt. Die Kosten der Gesamtmaßnahme werden etwa 2 Mrd. DM betragen. Das Projekt hat Modellcharakter: Bei der Findung des städtebaulichen Strukturkonzepts entschieden sich die Beteiligten für ein "Workshop-Prinzip". Städteplaner, Architektengruppen sowie als Gutachter weitere Städteplaner und Landschaftsarchitekten haben an dem Konzept mitgearbeitet. Durch eine Mischung verschiedener Wohnungstypen sowie Miet- und Eigentumswohnungen entsteht eine heterogene Bevölkerungsstruktur.