Sie verwenden iz.de als Gastnutzer

| 05.01.2006

Premium Bis zu 6 Premium-Inhalte / Monat im Basis-Paket (Print-Abo), unbegrenzt im Premium-Paket.
Aus IZ01-02/2006, S. 6

Von IZ

In diesem Artikel:

Wie man aus einem offenen Fonds einen geschlossenen macht

Am 13. Dezember 2005 vollzog die Deutsche Bank den Tabubruch. Sie teilte mit, ihr offener Immobilienfonds Grundbesitz-Invest (GI) habe auf Grund "außergewöhnlicher Umstände" geschlossen werden müssen. [...]

Registrieren Sie sich kostenfrei und lesen Sie den Artikel weiter!


Mit Ihrer Registrierung willigen Sie in unsere AGB ein. Für die Nutzung unserer Services und Produkte gilt zudem unsere Datenschutzerklärung.
Deutsche Bank:

Wiederholungstäter in Sachen Tabubruch

Die Deutsche Bank war schon immer für spektakuläre Aktionen jenseits des Mainstream gut. Nicht nur, wenn es um das kurzfristige Vergraulen von Privatkunden oder die Entlassung von Mitarbeitern trotz Rekordgewinnen geht - auch im Immobiliengeschäft gab sich die Bank immer schon lieber etwas unkonventionell und bevorzugt für radikale Maßnahmen die herbstlichrauhe Jahreszeit.

Herbst 2001: Das Berliner Projekt Victoria-Quartier, ein Joint Venture von Deutscher Bank und Viterra, muss Insolvenz anmelden. Bislang galt das ungeschriebene Gesetz: Banken lassen ihre eigenen Immobilienengagements nicht Pleite gehen, sondern schreiben sie in aller Stille in den eigenen Büchern ab.

Herbst 2001: Als erste offene Fondsgesellschaft publiziert die DB Real Estate Investment in ihren Rechenschaftsberichten Verkehrswerte und Mieten von Objekten. Bislang galt der Glaubenssatz: Die Bekanntgabe solcher Daten macht Immobilien unverkäuflich und schadet dem Anleger.

Herbst 2003: Die Deutsche Bank nimmt den bereits prospektierten geschlossenen Immobilienfonds Profit 2012+ wieder vom Markt. Bisher war es selbstverständlich, einen konzipierten Fonds auch zu vertreiben - alles andere hätte bedeutet, man würde an das eigene Produkt nicht glauben.

Herbst 2003: Die Deutsche Bank verkauft als erstes deutsches Institut eigene Immobilien im Wert von 1 Mrd. EUR an den Private-Equity-Investor Blackstone. Und sie lässt dabei noch nicht einmal ihre eigene Immobilientochter mitverdienen, wie das die Dresdner Bank mit der Übertragung ihrer Immobilien an einen unternehmenseigenen Fonds getan hatte.

Winter 2005: Die Deutsche Bank schließt ihren offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest. Bislang galt: Ein solches Extremszenario ist zwar vom Gesetz her möglich, wird aber von den Fondsgesellschaften in der Realität nicht umgesetzt. (mol)

MEINUNG

"Wie man aus einem offenen Fonds einen geschlossenen macht"

War es reines Ungeschick? Oder wollte die Deutsche Bank mit der Schließung des Grundbesitz-Invest mit einem Schlag latente Immobilienrisiken in realisierte Verluste verwandeln und in der Bilanz 2005 ein für allemal abschreiben? Oder handelte es sich am Ende gar um die bewusste Inszenierung des "Super-GAU" für offene Fonds? Eine Theorie, der Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer kurz vor Weihnachten neue Nahrung gab. Er feierte die Entscheidung für die Schließung des Publikumsfonds öffentlich als "Meilenstein auf dem Weg aus der Deutschland AG" und prophezeite sämtlichen offenen Fonds ein baldiges Ende durch die Umwandlung zu Reits.

Wie praktisch, dass sich die Deutsche Bank über die "Initiative Finanzplatz Deutschland" seit langem für die Einführung solcher Vehikel auf dem hiesigen Markt stark macht. Eine Schwächung des ohnehin durch die Deka-Krise angekratzten Images des Produktes offener Fonds könnte dabei helfen, die Regeln zu ändern, nach denen in der deutschen Bank- und Immobilienszene gespielt wird.

Zwar werden auch die Politiker, die letztlich über eine Reit-Einführung zu entscheiden haben, erkennen, dass das Risiko eines plötzlichen Wertverlustes bei jeder börsennotierten Aktie wesentlich höher ist als bei jedem offenen Fonds. Andererseits ging auch in den USA das Erstarken der Reits auf eine Immobilienkrise zurück. Der US-Reit-Markt zog erst richtig an, als infolge fallender Immobilienpreise und Not leidender Immobilienfinanzierungen der Kapitalzufluss in den Immobilienmarkt auszutrocknen drohte und der Gesetzgeber deshalb alternative Anlageformen fördern wollte. Ein ähnliches Szenario wäre denkbar, wenn die deutschen Anleger nun fluchtartig ihre Gelder aus den großen offenen Fonds abziehen würden. Das würde "internationaleren" Produktalternativen wie Reits ein Stück weit den Boden bereiten.

In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick auf Überlegungen, die Robert von Heusinger kürzlich in der "Zeit" anstellte. Demnach habe die Deutsche Bank bereits vor Monaten im Zuge von Verhandlungen um die Stützung der angeschlagenen Hypothekenbank AHBR versucht, den Pfandbrief zu schwächen. Dieser gilt, ebenso wie der offene Fonds, als deutsches Sonderprodukt. In einer Bank mit internationalen Ambitionen haben beide wenig Platz.

Wenn sich die Branche der offenen Immobilienfonds gegen solche Vorstöße wirksam wehren möchte, dann muss sie mehr als einen Zahn zulegen. Wenige Tage nach der Schließung des Grundbesitz-Invest einigten sich die Gesellschaften stattdessen als erstes darauf, keine tagesaktuellen Daten über Mittelabflüsse und Liquiditätsquoten mehr an die Öffentlichkeit zu geben. Gleichzeitig wurde diskutiert, wie man Anleger daran hindern könne, ihre Gelder schnell aus den Fonds abzuziehen. Eine selbstbewusste und offensive Produktvermarktung sieht anders aus. (mol)