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| 22.12.2003

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Aus IZ26/2003, S. 1

Von IZ

In diesem Artikel:

Demonstrative Distanz

"Business as usual" sei im Hause Jones Lang LaSalle (JLL) inzwischen wieder eingekehrt, betont der Interims-Deutschlandchef Robert S. Orr. Nach dem Bekanntwerden staatsanwaltlicher Untersuchungen gege [...]

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Kommentar

zu "Demonstrative Distanz"

"Business as usual" sei mittlerweile bei Jones Lang LaSalle eingekehrt, berichtet der zum Interims-Deutschlandchef eingesetzte Robert S. Orr im Rückblick auf die Ereignisse der vergangenen Wochen. Das klingt recht entspannt, dürfte aber sogar den Tatsachen entsprechen.

Denn obwohl der jahrelang für das Unternehmen tätige Ex-Deutschlandchef von Seiten der Staatsanwaltschaft verdächtigt wird, sich persönlich und offenbar zum Schaden seiner Kunden und seines eigenen Unternehmens bereichert zu haben, haben - nach einer kurzen aber heftigen Welle der Fassungslosigkeit - weder die Kunden noch die Branchenöffentlichkeit Jones Lang den Rücken gekehrt. Nicht einmal die Medien, ansonsten für Skandälchen dieser Art stets dankbar, fielen über das Maklerhaus her. Auch sie übten sich in nüchterner Zurückhaltung.

Erarbeitet hat sich JLL diese wohlwollende Reaktion durch eine jahrelang professionell und erfolgreich gepflegte Kommunikationspolitik. Die Firma verkörperte das Gegenteil des berühmt-berüchtigten deutschen Nachweismaklers. JLL wurde wahrgenommen als researchorientiertes Beratungshaus, dem langfristigen Nutzen des Kunden stets mehr verpflichtet als dem schnellen Deal. Umso größer war die Überraschung, als die Vorwürfe gegen JLL-Mitarbeiter bekannt wurden, die sich mit diesem Image partout nicht vertragen. Es sei eine Art "Elchtest" gewesen, bringt es ein Mitbewerber auf den Punkt. Wäre auf der Schlingerstrecke ein Fiat gekippt, hätte das niemanden vom Hocker gerissen. "Aber ein Mercedes fällt nicht um."

Das Maklerhaus JLL hat nun seinen Elchtest hinter sich, und es hat ihn vor allem hinsichtlich der öffentlichen Reaktion des Unternehmens eindeutig besser bestanden als der Stuttgarter Autobauer. Doch die Nachwirkungen werden noch kommen. Denn während Mercedes den ganzen Ärger durch technische Verbesserungen beheben konnte, muss sich ein Dienstleister durch "soft factors" wie Loyalität und Kompetenz beim Kunden immer neu beweisen. Mitarbeiter müssen nachvollziehbar kontrolliert werden.

Ein JLL-"Code of Business Ethics" klingt gut, reicht aber nicht aus. Er enthält lediglich Regelungen, die für ein transparentes und verlässliches Unternehmen, zumal wenn es an der New Yorker Börse notiert ist, selbstverständlich sein sollten. Sein größtes Manko: Konkrete Sanktionen gegen Mitarbeiter, die sich nicht an die Regeln halten, sind darin nicht vorgesehen. (mol)

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