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| 11.12.2003

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Aus IZ25/2003, S. 19

Von IZ

In diesem Artikel:

Einkaufszentrum hinter klassizistischer Schlossfassade

Die in einem Wettbewerb prämierte Fassade für die Schloss-Arkaden in Braunschweig unterscheidet sich wohltuend von herkömmlichen Einkaufszentren. Dennoch bleibt der Bau des ECE-Shoppingcenters umstrit [...]

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Kommentar

zu: "Einkaufszentrum hinter klassizistischer Schlossfassade"

Der eine Feind steht vor der Tür. Die Einkaufsflächen auf der grünen Wiese sind es, die das urbane Leben unserer Städte zerstören. Der andere Feind sind die gierigen Vermieter, die den mittelständischen Handel aus den Innenstädten vertreiben und sie zu uniformen Präsentationsflächen für Filialisten veröden lassen. Dagegen helfe nur eine Medizin: innerstädtische Einkaufszentren mit Branchenmix und Erlebniswelten.

Das ist sicher richtig. Doch es ist wie mit den meisten Medikamenten: So hilfreich sie auch bei richtiger Dosierung sein mögen, so schädlich, vielleicht sogar verheerend wirken sich Überdosen auf den Patienten aus. Das Problem scheint sich in Braunschweig zu stellen. Es ist zwar anzunehmen, dass die Schloss-Arkaden Kaufkraft aus dem Umland an die Stadt binden. Doch muss es gleich ein Monster mit 30.000 m2 Verkaufsfläche sein? Eine Metropole wie Hamburg wird wahrscheinlich von einer städtebaulich gut eingebundenen Europa-Passage in gleicher Größenordnung profitieren. Doch eine Stadt wie Braunschweig läuft Gefahr, zu einem Einkaufszentrum mit angehängtem Museumsdorf zu verkommen. Der als Köder für die zögernden Stadtväter in den Ring geworfene Wiederaufbau der in die Arkaden eingebundenen historischen Schlossfassade verleiht der altehrwürdigen Residenzstadt sogar noch das Flair eines albernen Disneyland.

Braunschweig ist kein Einzelfall. Mit vergleichbaren Heilslehren und Konzepten kämpfen die Erbauer von Einkaufszentren um die noch nicht besetzten, gewinnträchtigen Plätze. Solange ihnen nichts Besseres, vor allem Angemesseneres einfällt, werden sie den Verfall der Innenstädte nicht aufhalten, sondern sie nur in beliebige, gesichtslose Shoppingcenter verwandeln. Wenn der Konsument das erst einmal verstanden hat, wird er wieder zu der verkehrsgünstiger gelegenen Mall auf der grünen Wiese fahren. Recht hat er. (goe)

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