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| 24.05.2002

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Aus IZ11/2002, S. 10

Von IZ

In diesem Artikel:

Schutz vor Pleiten am Bau - die Sicht des Bauherrn

Am Anfang stand eine Anzeige der Philipp Holzmann AG zum Bau eines Einfamilienhauses - am Ende kamen die Zwangsversteigerung desselben und der finanzielle Ruin der Käuferin (s. Kasten rechts). Wie Bau [...]

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Der Fall Ute S.

1990 liest Ute S. in der "Siegener Zeitung" die Annonce der Phillipp Holzmann AG zum Bau eines Fachwerkhauses. Das Angebot wird nach Wünschen von Frau S. verändert und beläuft sich schließlich auf einen Kaufpreis von 310.000 DM. Im Januar 1991 erfolgen die Unterschriften unter den Bauvertrag. Zwei Monate später flattert von Seiten Phillipp Holzmanns jedoch die Kündigung des Vertrags ins Haus, genutzt wird dabei eine Zusatzklausel hinsichtlich der Bewilligung öffentlicher Mittel. Die Firma Meyer und Lück könne jedoch das Haus erstellen. Ute S. folgt der Empfehlung, im Mai stellt Meyer und Lück den Bauantrag.

Die Baugenehmigung wird im August erteilt, Baubeginn für das Kellergeschoss ist im September. In der Folge werden jedoch die öffentlichen Mittel versagt, da laut Aussage von S. ohne ihre Zustimmung mit dem Ausschachten der Grube begonnen worden war, bevor die Förderzusage vorlag. Das Fertighaus kommt im Oktober aus Ungarn, Ende des Monats kann Richtfest gefeiert werden. Nur eine Woche später steht im Keller das Wasser 30 cm hoch, es fehlt eine notwendige voll funktionsfähige Drainage. Die Außenwand zeigt erste Feuchtigkeitsschäden.

Im Januar 1992 kündigt Meyer und Lück vor Fertigstellung den Bauvertrag. Eine Mängelliste stellt fest, dass das Haus nicht zu Wohnzwecken geeignet ist. Vor Gericht erstreitet S. ein Urteil gegen das Bauunternehmen, das nach der Niederlage in Konkurs geht. Recherchen in Ungarn bei der produzierenden Firma ergeben eklatante Unterschiede zwischen dem bestellten und dem gebauten Haus. S. stellt Anzeige gegen Phillipp Holzmann wegen Betrugs, 1996 wird das Verfahren jedoch zunächst wieder eingestellt.

Es folgen zahlreiche weitere Verfahren gegen Holzmann, aber selbst Auftritte auf der Hauptversammlung, das Einschalten unterschiedlicher Medien sowie Schutzvereine nutzen wenig. Fast 280.000 DM waren für das Haus jedoch bereits an das ausführende Bauunternehmen gezahlt, 411.000 DM mussten inklusive des Weiterbaus insgesamt aufgewendet werden. Mittlerweile wird auch die finanzierende Deutsche Bank unruhig, die Zwangsversteigerung vorangetrieben. Im Juli 2002, mehr als zehn Jahre nach Kauf des Hauses, erfolgt diese nun vor dem Amtsgericht in Siegen. Der Wert der "Ruine", die abgerissen werden muss, beläuft sich laut S. auf nur noch 40.500 DM. S. wird zum Sozialfall, das Rentenkonto von der Bausparkasse gepfändet.

(c) Immobilien Zeitung; Quelle: Ute S.