Sie verwenden iz.de als Gastnutzer

| 12.04.2001

Premium Bis zu 6 Premium-Inhalte / Monat im Basis-Paket (Print-Abo), unbegrenzt im Premium-Paket.
Aus IZ08/2001, S. 6

Von IZ

In diesem Artikel:

"Der offene Fonds wird falsch verkauft"

Die Deutsche Grundbesitz-Investmentgesellschaft (DGI), Frankfurt am Main, will der "Immobilie als Asset-Klasse" mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Doch die Analysten fordern mehr Informationen, um Produ [...]

Registrieren Sie sich kostenfrei und lesen Sie den Artikel weiter!


Mit Ihrer Registrierung willigen Sie in unsere AGB ein. Für die Nutzung unserer Services und Produkte gilt zudem unsere Datenschutzerklärung.
KOMMENTAR "Der offene Fonds wird falsch verkauft"

Kaum ein Tag vergeht mehr, daß nicht irgend jemand aus der Immobilienbranche fordert, es müsse endlich "mehr Transparenz" geschaffen werden. Das bedeutet allerdings nicht, daß sich auch alle Beteiligten über die Bedeutung des Begriffs einig wären.

Nach dem Motto "Wasch mich, aber mach mich nicht naß" propagieren die Fondsgesellschaften ihre Interpretation der Forderung nach "mehr Transparenz": mehr Informationen zum Produkt, die die sattsam bekannten (und unstrittigen) Vorzüge des offenen Immobilienfonds unterstreichen - seine Wertstabilität, seine verläßlichen laufenden Ausschüttungen sowie seine Funktion als Risikopuffer für risikoreichere Anlagen im Depot.

Doch wenn es ans Eingemachte, sprich: die dem Fonds zugrunde liegenden Immobilien geht, wird gemauert. Die immer gleiche Begründung, die Öffentlichkeit könne mit den Angaben ohnehin nichts anfangen, ist weder richtig noch falsch. Sie geht lediglich am Kern des Problems völlig vorbei. Immobilien-Profis sind sich zwar meistens im klaren darüber, daß die meisten Menschen von der Immobilienbranche nicht das geringste verstehen. Sie übersehen aber, daß es sich mit anderen Branchen ganz genauso verhält.

Eine große Zahl von Anlegern, die das Wort "Biotech" nur mit Mühe buchstabieren können, setzt dennoch vertrauensvoll auf den Aufschwung dieses Wirtschaftszweiges. Und daß die Kursexplosion am Neuen Markt von einer großen Gruppe ausgewiesener High-Tech-Experten getragen wurde, darf ebenfalls getrost bezweifelt werden.

Wo aber liegt der Unterschied zur Immobilienwelt? Zum großen Teil in der (fehlenden) Kommunikationskultur. Eine fruchtbare Auseinandersetzung zwischen Analysten und Branchenvertretern wäre vielleicht der Beginn einer echten "Immobilienkultur unter Kapitalmarktaspekten", die sich die DGI mit ihrer Initiative "Offene Immobilie" auf die Fahnen geschrieben hat.

Doch wer wirklich Marktverhältnisse will, muß seinen Kunden auch unterscheidbare Produkte bieten. Daß dies bei den offenen Immobilienfonds derzeit nur bedingt der Fall ist, liegt an der Neigung der Gesellschaften, sich im Auftreten nach außen weniger als Konkurrenten denn als loyale Angehörige einer BVI-Unterabteilung zu präsentieren.

Eine wichtige Rolle könnte dabei eine Veränderung in den Vertriebsstrukturen spielen. Wer nicht mehr nur das Angebot seiner Hausbank, sondern zwei konkurrierende Produkte auf dem Tisch hat, braucht Informationen, die einen Vergleich ermöglichen. Sobald dafür der Bedarf wächst, wird auch das Angebot nachziehen. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Ratingfirmen dürfte es nicht schwerfallen, zur Befriedigung der Nachfrage genügend Kapazitäten zu schaffen. Fondsmanager wie die DGI, die sich der Entwicklung entsprechender Analyse-Tools widmen wollen, würden sich damit im Vorfeld bereits einen Marktvorsprung verschaffen. (mol)