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Projekte | 05.11.2020

Aus IZ45/2020, S. 1

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:

Endlich hat der BER eine Zukunft in Aussicht

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
Blick von der Besucherterrasse des Terminals 1 auf das Flugfeld. Das diente schon vor der Eröffnung als Parkplatz für Maschinen von Easyjet, die wie die Flieger vieler Airlines dieser Tage auf dem Boden bleiben.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

14 Jahre nach dem ersten Spatenstich ist der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) tatsächlich am Netz. Ironie des Schicksals: Am neuen Airport können jetzt zwar Flieger starten un [...]

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KOMMENTAR zu "Endlich hat der BER eine Zukunft in Aussicht"

Es ist vollbracht. Der BER hat endlich seinen Betrieb aufgenommen, wenn auch unter unglücklichen Bedingungen mitten in der Corona-Pandemie. Auf nicht absehbare Zeit wird der Flughafen auch deshalb ein Zuschussgeschäft für die drei Gesellschafter der Flughafengesellschaft, den Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, bleiben und Steuergelder verschlingen. Ob das Fiasko auf der Baustelle und die Kostenexplosion so schnell vergessen sein werden, wie die enormen Mehrkosten und Streitereien, die der Bau der Elbphilharmonie verursacht hat?

Das hofft Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der seinen Parteigenossen Engelbert Lütke Daldrup, der als Flughafenkoordinator des Landes Berlin im Aufsichtsrat der FBB saß, ins Spiel brachte, als der Karren im Dreck steckte. Der hätte auch nein sagen können zu dem undankbaren Job. Doch der Mann, dem seine Kollegen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Spitznamen Drängelbert verpasst hatten, ging unverzagt und gewissenhaft ans Werk. Und anders als seine Vorgänger kündigte er erst einen neuen Eröffnungstermin an, als er den Schlamassel auf der Terminal-Baustelle im Griff hatte. Das war im November vergangenen Jahres und danach wurde nicht mehr am Eröffnungsdatum 31. Oktober 2020 gerüttelt.

"Fehler sind nicht schlimm", sagte Lütke Daldrup dieser Tage in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel. Schlimm sei es, wenn Fehler verschwiegen werden. Das war auf der Baustelle des BER viele Jahre lang der Fall und beschäftigte parlamentarische Untersuchungsausschüsse. Zur Rechenschaft gezogen wurde indes keiner der damals Verantwortlichen, die ihren Pflichten nicht nachgekommen sind. Und das ist der eigentliche Skandal an der unendlichen Geschichte dieses Flughafens. In Haftung genommen wurden nur die Steuerzahler.

"Der BER wird fertig, weil das so beschlossen ist", sagte der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit einmal unter dem Hohngelächter der anwesenden Journalisten. Da nahm schon keiner mehr seine Aussage ernst. Auf dieser Baustelle hatte ganz offensichtlich längst niemand mehr den Durchblick, das war in der Baubranche ein offenes Geheimnis. Ebenso wie klar war, dass viele Geld kassierten, ohne für den Pfusch, den sie verursacht hatten, gerade stehen zu müssen.

Das alles änderte sich erst, als Lütke Daldrup das Ruder übernahm und das sinkende Schiff auf Kurs brachte. Möge es ihm gelingen, auch in diesen stürmischen Zeiten die Flughafengesellschaft vor einem Schiffbruch zu bewahren. Martina Vetter