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Unternehmen | 23.04.2020

Aus IZ17/2020, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

"20% der Bowlingbahnen werden verschwinden"

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Die Bowling World Berlin, 2018 eröffnet, ist das modernste Center von Bowling World Germany. Sie besitzt 28 Bahnen und liegt direkt an der Mercedes-Benz-Arena.

Quelle: Bowling World Germany

Wegen der Anti-Corona-Maßnahmen sind in Deutschland alle Bowlingbahnen geschlossen. Im Interview spricht Bowling-Unternehmer Stefan Frenkel über die Folgen der Krise und die Zeit danach. "Wir suchen dringend einen zweiten Standort in Frankfurt", sagt der CEO von Bowling World Germany. Auch Einkaufszentren sind für ihn seit längerem ein Thema.

Immobilien Zeitung: Die Corona-Krise trifft Bowling World Germany mitten in einer Expansionsphase. Ihr Unternehmen hatte 14 neue Standorte identifiziert. Ist das jetzt alles Makulatur?

Stefan Frenkel: Das glaube ich eher nicht. In jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Die Branche wird es ziemlich durchrütteln. Ich vermute, dass infolge der coronabedingten Schließungen etwa 20% der deutschen Bowlingbahnen vom Markt verschwinden werden. Wir wollen aber weiter expandieren. Alles hängt natürlich davon ab, wie lange die Schließungen dauern werden. Wir sind gut aufgestellt, aber nicht für die Ewigkeit.

IZ: Wie lange könnte Bowling World Germany die Schließungen durchstehen?

Frenkel: Von jetzt an vielleicht zwei bis drei Monate. Ohne staatliche Hilfen. Danach werden die Karten neu gemischt.

IZ: Sie haben in einem Brief an die Bundeskanzlerin auf die Notlage der Bowlingbranche aufmerksam gemacht. In 600 deutschen Bowlingcentern werden 20.000 Personen beschäftigt, davon 10.000 Mini-Jobber. Der Jahresumsatz der Branche erreicht 400 Mio. Euro. Haben Sie schon eine Antwort bekommen?

Frenkel: Ja, eine Standard-E-Mail, in der die Möglichkeiten staatlicher Unterstützung aufgelistet werden.

IZ: Sie schreiben, dass es für die Bowlingbranche "keine konkreten Hilfsangebote" gebe. Hat sich das durch die Anfang April beschlossenen KfW-Schnellkredite für den Mittelstand, die für Unternehmen über 50 Mitarbeitern Liquiditätshilfen von bis zu 800.000 Euro vorsehen, nicht geändert?

Frenkel: Das mag sein. Aber am Ende muss nicht die KfW als Bürgschaftsbank dahinter stehen. Entscheidend ist unsere Hausbank. Da sind wir bisher noch nicht weitergekommen. Wir haben am 24. März Kurzarbeit beantragt.

IZ: Hat Ihr Unternehmen im Moment irgendwelche Einnahmen?

Frenkel: Nein.

IZ: Verlassen wir das Corona-Thema. Wie sind Sie eigentlich zur Bowlingbranche gekommen?

Frenkel: Ich bin bei der US-Firma Brunswick groß geworden, die über vier Jahrzehnte unter anderem am Frankfurter Henninger Turm die damals größte Bowlingbahn Deutschlands betrieb. 40 Bahnen, komplett stützenfrei! Im Jahr 1996 durfte ich das US Play by Brunswick in Magdeburg eröffnen, das damals erfolgreichste Bowlingcenter Deutschlands. Danach entwickelte ich für Albrecht Vermögensverwaltung aus Hamburg zwei Entertainment-Center in Stade und Wolfenbüttel. Am 8. August 2013 habe ich mit meiner Firma Bowling World Germany Brunswick in Deutschland und Österreich übernommen. 2014 haben wir unser erstes neues Center in Hannover eröffnet. Es wurde von der US-Zeitschrift Bowlers Journal 2015 als "Best renovated Bowling Center worldwide" ausgezeichnet. Wir sehen uns mit neun Centern in Deutschland als Marktführer.

IZ: Die größte deutsche Bowlingbahn, das Dream Bowl Palace in München mit 52 Bahnen, wird allerdings nicht von Ihrer Firma betrieben.

Frenkel: Das stimmt.

IZ: Für Ihre geplante Expansion brauchen Sie einen Investor. Macht Ihnen die Corona-Krise nicht einen Strich durch die Rechnung?

Frenkel: Wir haben bereits einen Partner und Investor. Eine große deutsche Privatbrauerei ist mit 15% beteiligt.

IZ: In der Bowling-Branche wird die Gastronomie immer wichtiger. Auch für Bowling World Germany?

Frenkel: Ja. Man kann sagen, dass bei einem traditionellen Center der Umsatzanteil von Speisen und Getränken bei 35% liegt. Bei einem renovierten Center steigt er auf etwa 50%.

IZ: Currywurst und Schnitzel, mehr haben Bowlingbahnen gastronomisch doch nicht zu bieten, oder?

Frenkel: Das ist ein Vorurteil. Wir haben einen exzellenten Chefkoch. Ich kann Ihnen unsere Speisekarte gerne einmal schicken. Da bleiben keine Wünsche offen. Mit diesem Angebot setzen wir uns ab und machen uns für Firmen interessant. 2019 haben wir 2.854 Firmenevents abgehalten. Damit können wir gut Geld verdienen. In diesem Segment sehen wir auch unsere Zukunft.

      
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"Wir haben einen exzellenten Chefkoch." Stefan Frenkel, CEO Bowling World Germany

Quelle: Bowling World Germany

IZ: Für Shoppingcenter werden Gastronomie und Entertainment immer wichtiger. Haben Sie schon bei der Centerbranche angeklopft?

Frenkel: Ja, aber es fehlt noch an der Umsetzung. Wir sprechen seit zwei Jahren mit einem großen deutschen Centerbetreiber. Ein paar technische Hürden sind noch zu nehmen. Für uns ist es z.B. wichtig, einen separaten Zugang zu haben, der unabhängig von den Öffnungszeiten des Centers funktioniert. Ohne diesen Zugang würde ich keinen Mietvertrag unterschreiben.

IZ: Lässt sich eine Bowlingbahn überhaupt in ein Einkaufszentrum integrieren?

Frenkel: Wir haben Konzepte in der Schublade, die die Umnutzung ehemaliger Textilflächen vorsehen. Wir können mit diesen Raumtiefen umgehen. Da ließen sich vier, sechs oder auch acht Bahnen unterbringen.

IZ: Für Bowling-Verhältnisse sind das Mini-Anlagen. Kann das funktionieren?

Frenkel: Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Es wäre ein Weg. Im Zuge der Erweiterung eines Einkaufszentrums eine große Bowlingbahn an ein Center anzudocken, wäre natürlich für uns vorteilhafter, um unsere Anforderungen und Ideen besser umzusetzen.

IZ: Wann rechnen Sie damit, Ihre Bowlingcenter wieder in Betrieb nehmen zu können?

Frenkel: Wir bereiten uns auf eine Wiedereröffnung am 1. Juni vor. Aber da ist natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens. Den Zeitraum der Schließung nutzen wir für Schönheitsreparaturen.

IZ: Zum Schluss dürfen Sie sich noch etwas wünschen. Wie sähe der ideale Standort für Bowling World Germany aus?

Frenkel: Viele Parkplätze zu fairen Preisen, eine Anbindung entweder an U-Bahn, S-Bahn oder Bus und eine Kombination mit anderen Nutzungen, z.B. einem Kino. Sowohl Mietobjekte als auch Eigentum sind denkbar. Dringend suchen wir einen zweiten Standort in Frankfurt. Nach dem Abriss der Bowlingbahn am Henninger Turm gibt es in Frankfurt nur noch zwei Bowlingcenter, von denen eines geschlossen wird. 3.000 m² bis 4.000 m² Mietfläche für 28 bis 32 Bahnen, das wünsche ich mir.

IZ: Herr Frenkel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Christoph von Schwanenflug.