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Finanzen | 26.03.2020

Aus IZ13/2020, S. 2

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Europäische Zentralbank (EZB)
  • Personen:
    Olaf Scholz, Cyrus de la Rubia, Lawrence Summers

Corona tötet Gewissheiten

Das Virus hat unsere Art zu leben und zu arbeiten in Rekordzeit auf den Kopf gestellt. Ebenso könnte es auf absehbare Zeit der Vorstellung einer unabhängigen Zentralbank einen schweren Dämpfer verpassen, argumentiert IZ-Redakteur Ulrich Schüppler.

Urheber: Christof Mattes
Ulrich Schüppler.

Urheber: Christof Mattes

In nicht einmal vierzehn Tagen hat das Coronavirus die Welt, wie wir sie kennen, komplett verändert. Errungenschaften, die viele als gegeben hingenommen haben, wie offene Grenzen und die persönliche Bewegungsfreiheit, sind massiv eingeschränkt. Die größte Welle der Erkrankungen könnte in einigen Monaten zwar überwunden sein. Die daraus entstehenden wirtschaftlichen Verwerfungen dürften uns hingegen noch auf Jahre beschäftigen und könnten unser bisher alternativlos erscheinendes Geld- und Finanzsystem auf den Kopf stellen. Das dürfte die Immobilienbranche keineswegs kalt lassen.

Um die Folgen der Krise abzufedern, hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) einen fiskalpolitischen Blankoscheck ausgestellt. Viele fragen sich, wie er das finanzieren will. Wenn die Neuverschuldung zu stark steigt, werden die Kapitalmarktzinsen durch die plötzliche Nachfrage des Staates explodieren. Den derzeitigen Immobilienbewertungen beispielsweise würde das - zusammen mit den durch die Krise zu erwartenden Mietausfällen - die Luft abschnüren. Um einen solchen Zinsschock zu vermeiden, hat die EZB ein Anleihenkaufprogramm über 750 Mrd. Euro aufgelegt. Das aber ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn alle europäischen Volkswirtschaften werden ihre Verschuldung hochfahren müssen, auch solche, die schon heute tiefer in der Krise stehen als Deutschland.

Cyrus De La Rubia, Chefvolkswirt der sozialistischer Umtriebe völlig unverdächtigen Hamburg Commercial Bank, hat angesichts dieses Dilemmas vorgeschlagen, das Anleihenkaufprogramm auszudehnen und dadurch Staatsschulden bis auf Weiteres zu monetarisieren. Bekannt ist dieses Konzept unter dem Namen Modern Monetary Theory (MMT). Während sich diese Verschuldung durch die Notenpresse bei Anhängern der US-amerikanischen Linken großer Beliebtheit erfreut, sprechen ihre Kritiker wie der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers von „Voodoo-Ökonomie“. Sie befürchten Hyperinflation, sobald die Regierung der Zentralbank vorschreibt, wie viele Anleihen sie zu kaufen hat.

Nüchtern betrachtet ist MMT ein Mittel keynesianischer Wirtschaftspolitik und die hat in den 1950er und 1960er Jahren ganz gut funktioniert. Eigentümer von Vermögenswerten - und dazu zählen natürlich auch Immobilien - stehen nun vor der paradoxen Situation, sich diese Politik zurückwünschen zu müssen, obwohl sie sie bisher als zu staatslastig abgelehnt haben. Corona beendet eben vieles, was wir für unabänderlich halten.

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