Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Unternehmen | 13.02.2020

Aus IZ07/2020, S. 7

Von Monika Leykam

In diesem Artikel:

Uniper beplant Kraftwerksflächen neu

Quelle: Imago Images, Urheber: Volker Preußer
Beim Uniper-Kraftwerk Staudinger bei Hanau könnte ein Rechenzentrum entstehen.

Quelle: Imago Images, Urheber: Volker Preußer

Der Kraftwerksbetreiber Uniper wird seine deutschen Steinkohlekraftwerke zügig stilllegen. Dadurch kommt auf das hauseigene Immobilienteam um Susanne Miarka einiges an Arbeit zu. Doch komplett umdenken muss sie durch diese Entscheidung nicht: An der Konversion von Kraftwerksflächen arbeitet Uniper bereits seit Jahren.

Immobilien Zeitung: Frau Miarka, Sie sind für die immobilienwirtschaftliche Entwicklung der Kraftwerksgrundstücke von Uniper zuständig. Nun hat Uniper überraschend einen ambitionierten Stilllegungsplan angekündigt, der noch vor dem beschlossenen Kohleausstieg verwirklicht wird. Was bedeutet das für Sie und Ihr Team?

Susanne Miarka: Neue Gestaltungsmöglichkeiten gilt es nun tatsächlich für jeden betroffenen Standort zu prüfen und zu erarbeiten. Aber eigentlich ist bei uns schon seit der Gründung von Uniper im Jahr 2016 jede Menge zu tun: Zum einen gibt es ja schon Standorte, an denen kein Strom mehr produziert wird, um die wir uns kümmern - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schweden und Großbritannien. Zum anderen hat Uniper nicht erst auf das Kohleausstiegsgesetz gewartet, um aktiv zu werden. Scholven in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel wird spätestens Ende 2022 auf die Verstromung von Gas umgestellt. Gaskraftwerke brauchen viel weniger Platz als Kohlekraftwerke und sind auch verhältnismäßig leise, was neue Nutzungsmöglichkeiten für die Flächen im Umfeld eröffnet. Davon gibt es gerade bei Kohlekraftwerken reichlich, denn die Betreiber haben sich beim Bau dieser Anlagen immer relativ große Areale gesichert.

IZ: Nun werden in Deutschland derzeit vor allem Grundstücke für Wohnungsbau und für möglichst innenstadtnahe Bürogebäude gesucht. Das Umfeld von Gaskraftwerken dürfte sich weder für das eine noch für das andere anbieten - was schwebt Ihnen denn als Verwertungsmöglichkeit vor?

Miarka: Das Schöne an Gas als Energiequelle ist: Es ist emissionsarm, daher ist die Genehmigungslage für Nutzungen im Umfeld einfacher. Am Kraftwerk Staudinger bei Hanau zum Beispiel würden wir gerne ein Datacenter ansiedeln. Gerade im Umland von Frankfurt ist der Bedarf an solchen Anlagen sehr hoch. Datacenter benötigen zum einen viel Energie; andererseits kann die Abwärme des Serverbetriebs wiederum genutzt werden. Die Gespräche dazu laufen bereits.

Quelle: Uniper SE
"Es gilt für jeden betroffenen Standort Geschäftsmöglichkeiten zu prüfen." Susanne Miarka, Senior Vice President, Uniper REM

Quelle: Uniper SE

IZ: Der Standort Staudinger profitiert vermutlich auch von seiner Lage im Ballungsraum Rhein-Main. Viele andere Kraftwerke wurden aber nicht gerade im Herzen von Metropolregionen errichtet. Was für Perspektiven gibt es da?

Miarka: Die Anbindung von Kraftwerken an Straßen, Flüsse oder Bahnstrecken ist meist sehr gut. Das Umfeld eignet sich besonders für energieintensive Betriebe. Die kleinen Gemeinden vor Ort sind sehr interessiert daran, Unternehmen anzusiedeln. Die Kommune ist auch immer unser erster Ansprechpartner, wenn es um die Frage geht, welche Nutzung infrage kommt. In Pleinting in Bayern nahe der österreichischen Grenze betreuen wir ein ehemaliges Ölheizkraftwerk. Da müssen wir aufgrund der Bodenbelastung mit der Gemeinde besprechen, was machbar ist. Auch in Scholven, wo 150 Jahre die Schwerindustrie wirtschaftete, wird kein Biobauernhof entstehen können, aber eine Industrieansiedlung wäre durchaus sinnvoll. Die Fläche des bereits stillgelegten Kohlekraftwerks in Kiel geht an die Stadtwerke, die sie weiter zur Energiegewinnung nutzen werden. Wir haben außerdem "Erwartungsflächen" für Kernkraftwerke - also Grundstücke, auf denen die Baupläne nie umgesetzt wurden. In Stade bereiten wir gerade ein Nutzungskonzept vor. Die Erwartungsfläche in Borken bei Kassel ist bereits verkauft.

IZ: Wie viel wurde denn bis heute vermarktet?

Miarka: Wir haben bis heute vier Kraftwerksareale verkauft. In Zukunft werden wir für unsere Flächen die Konzepte selbst erstellen, bevor wir sie anbieten. Mit den Masterplänen geht es in die Gespräche mit den Kommunen.

IZ: An wen verkauft Uniper die Flächen?

Miarka: Natürlich bemühen wir uns um Investoren. Aber die Zusammenarbeit mit der Kommune steht immer im Vordergrund. Manchmal ist auch die Preisfindung ziemlich schwierig. Beispiel Staudinger: Aktuell ist der Bodenpreis dort aus naheliegenden Gründen extrem niedrig.

IZ: Werden Sie auch selbst Projekte entwickeln?

Miarka: Auch wenn es manchmal in den Fingern juckt - nein. Wir kümmern uns um die Änderung des Flächennutzungsplans, vielleicht auch noch um das Baurecht. Mit dem anschließenden Verkauf generieren wir den Mehrwert für unsere Grundstücke.

IZ: Aber keinen Mehrwert für den Wohnungsmarkt, denn dafür eignen sich die Flächen dann doch nicht?

Miarka: Vor zwei Jahren haben wir die Kraftwerksfläche Knepper bei Castrop-Rauxel vermarktet, die jetzt als Logistikstandort entwickelt wird. In diesem Umfeld könnte ich mir eine Wohnbebauung durchaus vorstellen. Aber in unserem verbleibenden deutschen Kraftwerksbestand sehe ich derzeit keine Potenziale für Wohnungsbau - anders als in Großbritannien.

"Wir sind vom Dienstleister zum Profitcenter geworden"

IZ: Wo E.ON nach heftigen Umweltprotesten sein Kohlekraftwerk Kingsnorth 2012 endgültig geschlossen hat?

Miarka: Genau dort, im Umfeld unseres Projekts MedwayOne in Kent, werden im Rahmen der Gesamtplanung der Region einige Tausend neue Wohnhäuser entstehen. Viele Wohnungen werden auch auf unserer alten Kraftwerksfläche in Iron Bridge gebaut werden. Hier hat ein spezialisierter Entwickler die Flächen erworben.

IZ: Warum geht so etwas in England und hierzulande nicht?

Miarka: Da kann ich nur mutmaßen. Vielleicht ist es der dort sehr hohe Bedarf an Wohnbauflächen in Verbindung mit einer einfacheren Genehmigungspraxis. Dass die englische Projektentwicklerszene sehr professionell aufgestellt ist, schadet sicher auch nicht. Übrigens betreuen wir in Deutschland auch noch andere Grundstücke, die im Zuge der Uniper-Abspaltung in unsere Verantwortung übergegangen sind, mit dem Kraftwerksgeschäft aber gar nichts zu tun haben. Da sind auch Flächen dabei, die sich durchaus für eine Wohnraumnutzung eignen. In Landsberg bei München werden wir zum Beispiel einen Bauhof für Wohnbebauung freimachen. In Füssen verkaufen wir eine Wiese an die Stadt, damit die endlich einen Parkplatz für die vielen Reisebusse anlegen kann. In der Gegend besitzt Uniper auch ein 3 ha großes Areal in direkter Seelage nahe dem Schloss Neuschwanstein. Auch hier sprechen wir mit der Stadt über eine Folgenutzung.

IZ: Arbeitet Uniper Real Estate Management eigentlich schon profitabel?

Miarka: Schon seit Jahren. Durch den Verkauf des nicht betriebsnotwendigen Bürobestands seit 2016 haben wir einen dreistelligen Millionenbetrag realisiert. Wir sind vom Dienstleister zum Profitcenter geworden.

IZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Monika Leykam.

Uniper, ein Konzern im Wandel

Uniper entstand im Jahr 2016, als der Energiekonzern E.ON beschloss, sich von den Geschäftsfeldern Gas und Kohle zu trennen. Die Konzerneinheit wurde abgespalten und unter dem Namen Uniper an die Börse gebracht. Am 30. Januar 2020 teilte Uniper überraschend mit, selbst größtenteils aus der Steinkohleverstromung in Deutschland aussteigen zu wollen. Bis Ende 2022 werden die Standorte Gelsenkirchen-Scholven und Wilhelmshaven stillgelegt, drei Jahre später sollen auch in Staudinger und Heyden die letzten Kohlefuhren verstromt werden. In Betrieb bleiben soll in Deutschland nur das neue Kohlekraftwerk Datteln 4. Es wird das letzte hierzulande neu gebaute Kohlekraftwerk sein. Das ist das Ergebnis eines Deals, den Uniper mit dem Bund und den Ländern im Rahmen des Kompromisses zum geplanten Kohleausstieg bis 2038 geschlossen hat. Uniper Real Estate Management (REM) entstand zeitgleich mit dem Rest des Konzerns und verkaufte als eine der ersten Amtshandlungen den kompletten Bürobestand des Kraftwerksbetreibers - nicht als Portfolio, sondern via Einzeldeals. Die deutsche Landbank, die die Immobiliensparte betreut, ist etwa 60 Mio. m2 groß. Davon gelten aktuell 20 Mio. m2 als nicht betriebsnotwendige Flächen. Neben Deutschland betreibt Uniper noch Kohlekraftwerke in den Niederlanden, England, Russland und Frankreich. Das Uniper-Grundstücksvermögen steht in der Konzernbilanz mit einem Buchwert von knapp 1,5 Mrd. Euro. Monika Leykam

Legende:

  • Haus
  • Straßenabschnitt
  • Wohnquartier
  • Ortsteil
  • Ort
  • Bundesland / Land
  • Projekt

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!