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Digitales | 06.02.2020

Aus IZ06/2020, S. 13

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Canzler, Socotec
  • Personen:
    Ludger Speier
  • Immobilienart:
    Infrastruktur

"Das Hauptproblem bei der BIM-Einführung heißt Zeitmangel"

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Bei Bahnstationen lässt sich BIM besonders gut anwenden.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Im Infrastrukturbereich ist BIM schon seit längerem üblich, aber in Deutschland nach wie vor kein Standard. Um die gesetzliche Verpflichtung zur BIM-Nutzung umzusetzen, sind nach Ansicht von Ludger Speier, CEO von Socotec Deutschland, mehr modulare Lösungen nötig. Für die Zukunft von BIM hofft er auf eine stärkere Verbindung von Lösungsansätzen aus verschiedenen Ländern.

Immobilien Zeitung: Herr Speier, für Infrastrukturprojekte der öffentlichen Hand ist BIM inzwischen verpflichtend. Warum scheint das in der Infrastrukturplanung eher angenommen zu werden als im Hochbau?

Ludger Speier: Infrastrukturprojekte sind meistens vom Volumen sehr umfangreich, daher kann der Einsatz von BIM mit seinen verschiedenen Anwendungsfällen zu großem Einsparpotenzial führen. Besonders lohnend ist der Einsatz von BIM bei wiederkehrenden Aufgaben. DB Station & Service zum Beispiel - die Tochter der Deutschen Bahn, die sich um die Bahnhöfe kümmert - setzt bei einfachen Haltepunkten schon heute auf Modulbauweise. Dadurch sind die Charakteristika der Projekte immer ähnlich, das lässt sich dann digital sehr gut umsetzen. Aber die Regel ist das im deutschen Infrastrukturbereich leider noch nicht, denn hierzulande herrschen immer noch individuelle Lösungen vor. Andere Staaten nutzen schon viel mehr modulare Bauweisen, zum Beispiel auch bei Brücken. Die Niederlande und Skandinavien etwa sind hier schon viel weiter.

IZ: Über das Tochterunternehmen Canzler ist Socotec auch stark in der Planung von technischer Gebäudeausrüstung aktiv. Welche Bedeutung hat BIM in diesem Kontext?

Speier: Diese Planungsprozesse sind inzwischen so komplex, dass sie nur noch über eine digitale Struktur darstellbar sind. Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass wir bei bestehenden Bauwerken die dazu benötigten strukturierten Gebäudeinformationen häufig erst einmal schaffen müssen. Die Rohdaten sind meist nur sehr verstreut vorhanden. Die Industrie - vor allem die Autoindustrie - hat längst erkannt, welche Potenziale in richtig aufbereiteten Daten stecken. Davon könnte die Immobilienwelt viel lernen. So lassen sich gut gepflegte Gebäudedaten direkt in Betreiberkonzepte überführen. Das erspart allen Beteiligten enormen Aufwand.

IZ: Wenn die Ersparnis bei Zeit und Personal so deutlich ist, warum haben wir dann die verpflichtende Einführung von BIM bei öffentlich finanzierten Projekten nicht schon früher gesehen?
Quelle: Socotec Deutschland, Urheber: Sascha Kreklau
"Es wäre häufig besser, Infrastruktur voraussschauend zu warten." Ludger Speier, CEO Socotec Deutschland.

Quelle: Socotec Deutschland, Urheber: Sascha Kreklau

Speier: Da in Deutschland an den meisten Projekten die öffentliche Hand beteiligt ist, spielen in solchen Projekten nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch sogenannte "kameralistische" Aspekte eine Rolle. Die Kameralistik, also die Buchhaltung in der öffentlichen Verwaltung, fördert leider nach wie vor kurzfristiges Denken. Dabei wäre es häufig günstiger, Infrastruktur vorausschauend zu warten und fehlerhafte Elemente auszutauschen. Der Wunsch, durch BIM mehr Effizienz zu erzeugen, erfordert einen Kulturwandel. Dafür braucht es Zeit und Geduld. Wir beraten und unterstützen bei dieser Transformation und richten unser Unternehmen mit seinen Mitarbeitern und Prozessen proaktiv auf diesen Wandel aus.

IZ: Und welche Rolle spielt die Angst vor zu hohen Investitionen in Technik bei der schleppenden Einführung von BIM?

Speier: Investitionen sind natürlich immer ein Thema, aber in der gegenwärtigen Marktphase ist Geld nicht die entscheidende Frage. Solange der Return on Investment sichtbar ist, kann ein Manager auch seine Investitionsentscheidungen vertreten. Das größere Problem im Moment heißt: Zeit. Alle sind damit beschäftigt, ihre vollen Auftragsbücher abzuarbeiten. Wann sollen sich die Manager also mit den Zukunftsaufgaben befassen? Hinzu kommt, dass Großprojekte schon mal mehrere Jahre in Anspruch nehmen. In der Mitte einer Projektumsetzung eine neue digitale Struktur einzuführen, kann sehr schwierig sein. Selbst wenn jetzt die ersten BIM-Implementierungen angeschoben werden, kann es einige Jahre dauern, bis die Projekterfolge durch diese Methodik sichtbar werden.

IZ: Müsste die Möglichkeit besserer Visualisierung von Projekten BIM nicht rasch zum Durchbruch verhelfen?

Speier: Visualisierung ist aus der Sicht eines technischen Planers immer nur ein Teilaspekt. Langfristig könnte eine bessere Visualisierung zu mehr Transparenz führen und damit indirekt auch zu mehr Kostenehrlichkeit. Der Hauptvorteil von BIM liegt in meinen Augen aber darin, mehrere Projektvarianten durchspielen zu können und zwischen verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. BIM hilft uns dabei, die Frage zu beantworten, wie der bebaute Raum künftig aussehen soll und wie wir darin leben.

IZ: Was können wir in Deutschland hinsichtlich BIM von anderen Ländern lernen?

Speier: Wir haben in Deutschland eine hohe Planungskompetenz, aber die Branche der Planer und Architekten ist auch sehr zersplittert. Das erschwert die Umsetzung von Neuerungen. Was uns im Bereich der Infrastruktur besonders fehlt, sind verlässliche Monitoringsysteme, wie wir sie aus Großbritannien kennen. In Frankreich wiederum gibt es Zertifizierungssysteme, mit denen man nachweisen kann, dass ein Bauplan auch entsprechend umgesetzt wurde. Über unsere französische Mutter sind wir dort selbst in diesem Bereich aktiv. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das auch für den deutschen Markt funktionieren würde. Wenn wir es schaffen, das Beste aus mehreren Ländern zu verbinden, sind zudem grenzüberschreitende Projekte leichter realisierbar. Globalisierung ergibt da Sinn, wo wir bereit sind, voneinander zu lernen. Ich denke, die ganze BIM-Thematik könnte dafür ein Katalysator sein.

IZ: Herr Speier, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Ulrich Schüppler.

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