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Karriere | 06.02.2020

Aus IZ06/2020, S. 10

Von IZ

In diesem Artikel:

Immobilienprofis im Porträt

Robert Patzschke

Der Berliner Architekt Robert Patzschke (47), geschäftsführender Gesellschafter des Büros Patzschke Architekten, hat eine besondere Verbindung zu Indien. Schon seine Kindheit verbrachte er teilweise dort und er besuchte das Internat an der Lawrence School Sanawa. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er beim Architekturbüro Gherzie Eastern in Bombay, anschließend im Architekturbüro Patzschke. 2005 bis 2014 baute er in Indien eine Niederlassung des Architekturbüros auf. Studiert hat Patzschke an der North London University und in Berlin an der Universität der Künste. Er ist verheiratet und Vater von Zwillingen.

Urheber: Michael Haiser
Robert Patzschke mit seiner Frau.

Urheber: Michael Haiser

Wo wohnen Sie zurzeit?

Ich wohne am S-Bahnhof Grunewald in einer Wohnung im Erdgeschoss eines gründerzeitlichen Gebäudes. Leider haben auch hier die Nachkriegsentstuckungsmaßnahmen ihr Zeugnis abgelegt und so ist das ehemals reich geschmückte Gebäude nun ein schlichter Putzbau. Hier im Erdgeschoss dieses Gebäudes mit einem kleinen Garten nimmt man Teil an dem gemütlichen Treiben dieses kleinen Platzes, der das Zentrum des umliegenden urbanen Gefüges darstellt. Innerhalb der Wohnung spielt sich in der Küche das Leben ab, dort ist auch mein Lieblingsplatz. Gerade die frühen Morgenstunden von 5 bis 7 Uhr genieße ich hier sehr - es sind die einzigen Momente am Tag, die ich für mich alleine habe, bevor die Familie erwacht und der Büroalltag seinen Lauf nimmt.

Haben Sie bei dieser Immobilie oder einer anderen beim Bau schon einmal selbst mit Hand angelegt?

Aufgrund meines Berufs als Architekt und meiner Tätigkeit als Planer habe ich selbstverständlich an meiner Wohnung und an vielen Gebäuden schon selbst Hand angelegt, sowohl planerisch-zeichnerisch als auch physisch handwerklich. Das Interieur unserer eigenen Wohnung besteht aus einem eklektizistischen Sammelsurium verschiedenster Gegenstände, Möbel und Elemente. Die Küche und Einbauschränke sind aus Spolien, aus historischen Bauelementen, zusammengestellt. Gesammelte Gegenstände und herumliegendes Spielzeug der Kinder machen die Wohnung lebendig und gemütlich.

Was muss das perfekte Haus/die perfekte Wohnung unbedingt haben?

Gerade als Architekt weiß ich, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, ein schönes Gebäude, ein schönes Haus und ein schönes Wohnumfeld zu gestalten. Gerade das macht es für Architekten so schwierig, ihr eigenes Wohnhaus zu entwerfen. Man möchte dort alle über die Jahrzehnte angesammelten Ideen unterbringen und so werden gerade Architektenhäuser oft ein zusammengewürfeltes Konglomerat verschiedenster Ideen. Andererseits gibt es verschiedene grundsätzliche Erfordernisse oder Aspekte, die eine perfekte Wohnumgebung beinhalten sollte. An erster Stelle steht hier natürlich das Wohnklima. Die Behaglichkeit bezüglich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftzirkulation muss gegeben sein. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass diese nicht unbedingt mit technischen Mitteln herbeigeführt werden sollte. Das Haus, so wie es bei Altbauten häufig der Fall ist, sollte passiv in der Lage sein, diesen Aspekt zu unterstützen.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist für mich die Himmelsausrichtung. Der Blick nach Osten zum Sonnenaufgang wird für mich mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Genauso schön und wünschenswert ist der Blick nach Westen, um gemeinsam mit Familie und Freunden im Abendlicht den Tag ausklingen zu lassen. Ein perfektes Haus sollte sowohl Räumlichkeiten für ein geselliges Beisammensein anbieten als auch den einzelnen Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Aber auch die Praktikabilität der Wohnung sollte nicht unterschätzt werden und so würde ich in meiner nächsten Wohnung großflächige Abstellmöglichkeiten planen und mir meine eigene persönliche Ankleide wünschen.

Wo möchten Sie im Alter wohnen?

Früher bestand der Wunsch, in Indien zu wohnen. Nach zehn Jahren Wohnen und Arbeiten in Indien bin ich froh, wieder in Deutschland zu sein. Ein Leben im Alter auf dem Lande in Italien wäre eine durchaus denkbare Variante.

Haben Sie eine Lieblingsimmobilie?

Das Schinkelsche Kasino an der Havel am Schloss Glienicke ist für mich ein perfektes Ensemble. Die Lage am Wasser mit dem Park im Hintergrund, das kleine Gebäude mit seiner ausgewogenen klassizistischen Gliederung und die langen Pergola-bekrönten Kolonnaden sind an ausgewogener Schönheit kaum zu übertreffen.

Und welches Gebäude in Deutschland würden Sie gerne abreißen und warum?

Gerade in Berlin gibt es unzählige Gebäude, die man gerne abreißen sollte. Die Kriegszerstörung hat ihre großen Narben hinterlassen, jedoch muss man auch dazusagen, dass die gleiche Zahl an Gebäuden, die im Krieg zerstört wurde, etwa noch einmal in den Nachkriegsjahren zerstört wurde. Ein Erneuerungs- und Modernisierungswahn hat in Deutschland und in Berlin dazu geführt, dass noch nach dem Krieg unzählige Gebäude abgetragen wurden, die nur leichte Kriegsschäden aufwiesen. Wir freuen uns heute über die alte Berliner Mitte. Wir können von Glück reden, dass in der DDR die Modernisierungswut vielleicht aufgrund fehlender wirtschaftlicher Mittel nicht ganz so stark ausgeprägt war wie im Westen der Stadt. Hätte man die Gebäude wieder aufgebaut, hätten wir womöglich ein in der Nachkriegszeit entstandenes UNESCO-Weltkulturerbe wie heute die Innenstadt von Warschau, die ebenfalls weitestgehend nach dem Krieg wiederaufgebaut wurde. Die entsprechenden Narben der 50er-, 60er- und 70er-Jahre gilt es peu à peu zu heilen, damit Berlin wieder eine schöne europäische Stadt werden kann.

Wann, wo und womit haben Sie als Erwachsener zum ersten Mal Geld verdient?

Parallel zum Studium fing ich an, mir eine Einnahmequelle aufzubauen. Zur damaligen Zeit Anfang/Mitte der 90er-Jahre war die CAD-gestützte Illustration von Gebäudeentwürfen noch nicht fortgeschritten bzw. ganz am Anfang. Aufgrund meiner Fingerfertigkeit im Malen und Zeichnen, vor allem von Architekturen, habe ich parallel zum Studium Architektur-Visualisierungen, Renderings und Illustrationen handzeichnerisch erarbeitet. Aufgrund des normalerweise in der Immobilienbranche zur Verfügung stehenden recht auskömmlichen Werbeetats waren diese Bilder, diese Auftragsmalerei gut bezahlt und so hatte ich das Glück, dass ich schon als Student ein gutes Leben führen konnte. Ein Großteil dieser Einnahmen floss in Reisen in verschiedenste Länder der Welt.

Wie haben Sie den Weg in die Immobilienbranche gefunden?

Mein Weg in die Immobilienbranche war quasi vorgezeichnet. Als Sohn des Architekturbüros Rüdiger und Jürgen Patzschke ist schon früh mein Wunsch aufgeflammt, selber Architekt zu werden und so ging mein Weg immer mit dem Ziel der Architektur vor Augen mit größeren und kleineren Umwegen und Abstechern doch geradewegs in die Immobilienbranche.

Was braucht man Ihrer Einschätzung nach, um es in Ihrem Job zu etwas zu bringen?

Die Arbeit als Architekt bzw. als Inhaber eines Architekturbüros ist durchaus facettenreich. Man muss sicherlich einige Kommunikationsfertigkeiten mit sich bringen, um sowohl mit potentiellen und tatsächlichen Bauherren und auch mit den eigenen Mitarbeitern und anderen Fachplanern angenehm kommunizieren zu können. Man braucht natürlich auch ein Vorstellungsvermögen und eine gewisse Entwurfsqualität, um die Bauherren für sich gewinnen zu können und muss natürlich vor allem strebsam sein und die Projekte zur vollsten Zufriedenheit abarbeiten. Der aktuelle Boom in der Immobilienbranche hilft natürlich dabei, sich auch mit eigenen Projekten auf eigene Beine stellen zu können. Aber eine kontinuierliche gute Arbeit ist von äußerster Wichtigkeit und so konnte unser Büro auch durch mehrere Immobilienkrisen über die vergangenen 50 Jahre hinweg bestehen.

Wie feiern Sie Ihre Erfolge?

Im Büro teilen wir unsere Erfolge mit Familienmitgliedern und unseren Mitarbeitern. In speziellen Fällen wird auch mal eine Flasche Champagner geöffnet. Persönlich belohne ich mich gerne mit einer privaten Auszeit. Ein Tag, ein Wochenende, eine Exkursion.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Über Misserfolge wird mit stoischer Weiterarbeit hinweggegangen.

Was stört Sie in der Immobilienbranche? Und was finden Sie besonders gut?

Die Berliner Immobilienbranche boomt. Das ist für Architekten natürlich grundsätzlich von Vorteil. Andererseits erhöht sich dadurch auch die Konkurrenz. Gesellschaftlich kritisch ist natürlich die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. Auch für mittelständige Unternehmen und Personen wird es zunehmend schwierig, sich eigene Immobilien leisten zu können. In der Tat ist es aus diesem Grund auch erforderlich, gewisse politische Instrumentarien zu entwickeln, die dem entgegenwirken. Ich bin jedoch stark am Zweifeln, ob die Strategien des aktuellen Berliner Senats hierfür die richtigen sind. Vielmehr habe ich aufgrund dieser Entwicklungen eher die Befürchtung, dass die Instandsetzung bestehender und der Bau neuer Wohnungen extrem stark zurückgehen wird. Dies werden nicht nur die Wohnungssuchenden zu spüren bekommen, sondern vor allem auch die kleinen Architekturbüros und Handwerksunternehmen.

Baulöwe, Miethai, Heuschrecke: Leute, die mit Immobilien Geld verdienen (wollen), haben nicht immer den besten Ruf. Zu Recht?

Als Architekt habe ich das Glück, dass ich zwar zum einen der Immobilienbranche zugeordnet werden kann, jedoch die negativen Konnotationen im Allgemeinen nicht an das Berufsbild des Architekten gebunden sind. Sollte man den Umfragen Glauben schenken, so gehört der Architekt mit zu den beliebtesten Berufsbildern.

Sie würden jungen Leuten raten, den Weg in die Immobilienwirtschaft einzuschlagen, weil...

Ein Dach über dem Kopf ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Insofern wird es auch bei jeder Krise den Bedarf nach Wohnraum geben. Wir haben zwar auch schon Phasen erlebt, wo es ein Überangebot an Wohnraum gab und entsprechend die Immobilienwirtschaft krankte. Grundsätzlich halte ich die Immobilienbranche jedoch für verhältnismäßig stabil.

Was wären Sie heute gerne, wenn nicht Immobilienprofi?

Bei Architekten spricht man oft nicht nur von einem Beruf, sondern von Berufung und so war auch bei mir der Wille, Architekt zu werden, so groß, dass es nie wirklich eine Alternative gegeben hat. Für die Zukunft kann ich mir jedoch vorstellen, mehr Zeit auf dem Lande zu verbringen. Ob nur als Gast am Wochenende oder in irgendeiner Form als Landwirt soll die Zukunft zeigen.

Was bringt Sie auf die Palme?

Grundsätzlich bin ich ein eher ausgeglichenes Gemüt. Ich suche immer nach Lösungsmöglichkeiten und versuche, auch die Gegenseite zu reflektieren. Was mich privat nervt, ist Entscheidungsunfreudigkeit, und was ich in meinem Team fordere, ist pünktliche und gute Arbeit.

Wie können Sie besonders gut abschalten?

Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie im Freien, in der Natur, am See, im Wald, im Garten. Am besten abschalten von allem - von der Arbeit, von anderen Anspannungen - kann ich jedoch beim Reiten.

Welche kürzlich besuchte Veranstaltung hat Ihnen besonders gut gefallen und warum?

Ein Besuch in der Staatsoper mit Ballettaufführungen von S. Eyal und A. Ekman hat mich besonders beeindruckt. Dies ist kein klassisches Ballett, sondern eine Art Techno-Inszenierung in Ballettform. Diese gerade in den frisch hergerichteten Räumlichkeiten der Staatsoper zu sehen, fand ich außerordentlich spannend. Dementsprechend war auch das Berliner Szene-Publikum in diesen doch sehr traditionsreichen Räumlichkeiten vertreten und gerade dieses Spannungsverhältnis macht Berlin aus.

In welcher Bar/Restaurant/Diskothek kann man Sie häufiger antreffen?

Vor 20 Jahren hätte ich Ihnen noch eine Lokalität nennen können, wo ich regelmäßig bin. Damals wäre es wahrscheinlich das "90 Grad" gewesen. Zwischendurch haben mich zehn Jahre Auslandsaufenthalt in Indien etwas aus dem Leben in Berlin herausgenommen. Seit meiner Rückkehr sind auch meine Kinder Teil der Familie und so bin ich meistens Zuhause oder im Büro anzutreffen und nur sporadisch gibt es einen kulinarischen Ausflug in die Stadt zu unterschiedlichen Orten.

Verraten Sie uns auch noch Ihr Lieblingsgericht?

Natürlich gibt es viele leckere Sachen, die ich gerne esse: einen guten Fisch, ein paar Scampis, einen hausgemachten Braten und knackiges Gemüse. Wenn ich aber daran denke, was ich am häufigsten esse und auch immer wieder essen kann, dann ist es Ei mit Brot in seinen verschiedensten Darreichungsformen.

Wenn Sie an Ihren letzten Urlaub denken, denken Sie an …?

Mein letzter Urlaub war ein außerordentlich spannender. Meine Mutter arbeitet seit über 25 Jahren als Archäologin an einer Ausgrabung einer Pyramide im südamerikanischen Peru. Sie hat dort die älteste Hochkultur Südamerikas von 3800 v. Chr. nachweisen können. Damit meine Kinder mit eigenen Augen diese spannende abenteuerliche Arbeit ihrer Großmutter wahrnehmen können und in Erinnerung behalten, bin ich mit meinen Zwillingen nach Peru gereist und habe dort zusammen mit meinem Vater und meiner Nichte meine Mutter auf ihrer Grabung besucht.

Mit welcher noch lebenden Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen?
Urheber: Robert Patzschke
So stellt sich Robert Patzschke einen Ort zum vorübergehenden Verweilen vor.

Urheber: Robert Patzschke

Gerne würde ich einen Abend zu Hause mit Papst Franziskus zusammensitzen und mich mit ihm über seine persönlichen Ansichten unterhalten. Vor allem sein Streben nach "Tenderness", also nach Zärtlichkeit der Menschen untereinander, konfessionsunabhängig, halte ich für ausgesprochen schön und achtenswert. Obwohl ich mich der europäischen und der christlichen Kultur zugehörig fühle, sehe ich die christliche Kirche aber auch sehr kritisch. Gerade die Bibel als wegweisendes Dokument halte ich für äußerst fragwürdig.

Mit wem würden Sie gerne mal für einen Tag das Leben tauschen? Warum?

So wie ich mir auch ein Gespräch mit Papst Franziskus vorstellen könnte, würde ich auch gern einen Einblick in sein Leben und seinen Tagesablauf sowie das Leben im Vatikan nehmen. Als Architekt würden mich natürlich die Schichten, Einzelheiten und verborgenen Ecken dieses jahrhundertealten Gebäudekomplexes interessieren und faszinieren. Als Mensch hingegen, denke ich, gibt es nur wenige Lebensformen, die so andersartig als das normale profane Leben eines arbeitenden Familienvaters sind. Wie viel dieses Lebens Strategie und harte Arbeit ist und wie viel davon tatsächlich geistiger Kontemplation - das würde mich interessieren.

Gibt es etwas im Ausland, was Sie in Deutschland vermissen?

Grundsätzlich zieht einen das Interesse an der Andersartigkeit ins Ausland. Dabei ist zunächst einmal unwichtig, ob diese Andersartigkeit besser oder schlechter ist. Das Interesse an anderen Lebensformen, Kulturen sowie Flora und Fauna motiviert mich zum Reisen. Dabei wird abgeglichen, was davon besser ist als das, was man zu Hause vorfindet. Aufgrund meiner diversen Reisen, aber vor allem auch aufgrund meines langjährigen Aufenthaltes in Indien, habe ich jedoch festgestellt, dass nicht alles auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist. Ich bin ausgesprochen glücklich in Berlin und in Brandenburg und genieße das Glück und Privileg, in diesem Land aufgewachsen zu sein und leben zu dürfen.

Sie haben 100.000 Euro zur freien Verfügung und müssen das Geld komplett ausgeben – welchen Traum erfüllen Sie sich?

Wenn ich 100.000 Euro zur Verfügung und vor allem mehr Zeit hätte, dann würde ich sicherlich noch mehr reisen und weitere Länder anschauen, vielleicht findet sich ja doch ein Ort, der auch langfristig lebenswerter ist.

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