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Politik | 06.02.2020

Aus IZ06/2020, S. 4

Von Christine Rose

In diesem Artikel:

Servicewohnen-Anbieter sehen sich auf der sicheren Seite

Quelle: Stayery
Die Immobilie an der Holteistraße in Berlin-Friedrichshain ist das erste Serviced-Apartment-Haus von Stayery.

Quelle: Stayery

Der Berliner Mietendeckel, die zu erwartende Nachschärfung der Mietpreisbremse und die Pläne der Bundesregierung gegen Mietwucher: Der Gesetzgeber könnte die Vermietung von möbliertem Wohnen weit oberhalb der Mietenspiegel ungemütlich machen. Im Mikrowohnungssegment setzen einige Anbieter daher auf Serviced Apartments. Sie sind gewerblich und von Mietregulierungen nicht betroffen, lautet das Kalkül.

Anbieter von Apartments mit Serviceleistungen sind fest davon überzeugt, dass ihr zwischen Wohnen und Hotel angesiedeltes Produkt hierzulande auf eine steigende Nachfrage trifft. Einige Mitteilungen in der jüngsten Zeit scheinen das zu bestätigen. Die in Köln ansässige ipartment hat seit Jahresbeginn insgesamt gut 300 Einheiten in Frankfurt und Böblingen in Betrieb genommen. Zu den gut 800 Serviced Apartments, um die sich ipartment kümmert, sollen weitere hinzukommen, bis Anfang nächsten Jahres zumindest jeweils eine Immobilie in Braunschweig und Darmstadt.

Investoren ziehen mit. Fonds, beispielsweise von Catella und Commerz Real, kaufen das Produkt. Commerz Real meldete jüngst, mit dem Entwickler und Betreiber i Live etwas mehr als 1.130 Studenten- und Serviced Apartments im Frankfurter Nordend zu verwirklichen. CBRE Global Investors und CR Investment Management wollen den Betreiber Stayery pushen. "Das Thema Serviced Apartments steht unserer Ansicht nach erst am Anfang des Marktzyklus", erklärt CR-Geschäftsführer Alexander Lackner. Gründe sind ihm zufolge veränderte Lebensgewohnheiten, mehr Mobilität fordernde Arbeitgeber und die zunehmende Orientierung an Marken in jedem Lebensbereich.

Nun könnte Anbietern von übermäßig teuren möblierten Wohnungen der Gesetzgeber Ungemach bereiten. Der Berliner Mietendeckel, der Möbliertes umfasst, sieht bei Verstößen eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro vor (siehe "Der Mietendeckel ist drauf" auf Seite 25). Das unterscheidet ihn von der Mietpreisbremse, die bislang keine Strafzahlungen enthält, aber womöglich bald so nachgeschärft wird, dass Verstöße dagegen weh tun. Gut möglich auch, dass es Mietern erleichtert wird, juristisch gegen Mietwucher vorzugehen. Der Bundesrat hat eine entsprechende Änderung von § 5 Wirtschaftsstrafgesetz beschlossen, die SPD ist ebenfalls dafür, und auch von Bundesbauminister Horst Seehofer gibt es Unterstützung (siehe "Seehofer plädiert für schärfere Gesetze"). Worauf Mieterschützer hinweisen: Dem Wucherparagrafen ist - anders als bei Deckel und Bremse - auch mit Neubau nicht zu entkommen.

"Unsere Modelle sind klar gewerblich"

Mit Blick auf die Regulierungen des Wohnungsmarkts zeigen sich Anbieter von Apartments, die mit Service gekoppelt sind, gelassen. Ihre Unternehmen basierten klar auf einem gewerblichen Modell, betonen Hannibal DuMont Schütte, Geschäftsführer von Stayery, und Niels Berl, Chef des Coliving-Anbieters The Collective Deutschland. "Und ich sehe keine Gründe, warum die Politik gewerbliches Wohnen regulieren sollte", sagt DuMont Schütte.

Vom klassischen Wohnen unterscheiden sich die Konzepte beider Unternehmen durch die Aufenthaltsdauer von maximal sechs Monaten und das Service und Nebenkosten enthaltende All-in-Mietpaket, erklärt Berl. Diese klare Abgrenzung vom Wohnen ist gewollt, auch wegen der Regulierungen im Wohnungsmarkt. Sie hätten "einen erheblichen Einfluss" auf die Entscheidung von CR Investment Management gehabt, strategischer Investor von Stayery und damit einem Anbieter von Serviced Apartments zu werden, sagt CR-Chef Lackner und betont: "Wir beschäftigen uns von Tag eins an nur mit gewerblich zugelassenen Grundstücken."

Zielstandorte: Städte mit starkem Mittelstand

Noch sind die Portfolios von Stayery und The Collective hierzulande überschaubar. The Collective entwickelt derzeit drei Immobilien in Berlin und eine in Frankfurt, die zusammen knapp 2.000 Einheiten umfassen. Stayery kommt auf 211 Einheiten im Betrieb und meldet um die 400 Apartments in Planung. Größer werden sollen beide Unternehmen, wenn man denn mit Grundstücksverkäufern einig werde. Denn die, räumt Lackner ein, hätten oft überzogene Preisvorstellungen. DuMont Schütte möchte in den kommenden zwei bis drei Jahren mindestens 1.300 Einheiten in der Pipeline für Stayery sehen. Berl hält sich mit Zielzahlen zurück. Im vergangenen Herbst sagte er jedoch: "Mehrere Tausend Einheiten in den sieben größten Städten" sollten hinzukommen.

Die Konzepte der beiden Unternehmen unterscheiden sich in mancher Hinsicht. Während The Collective mit Coliving auf größere Gemeinschaftsflächen setzt und damit die Zimmer bis auf 12 m2 verkleinert, bietet Stayery abgeschlossene Mikroeinheiten in einer Größe ab 20 m2 an und hält die gemeinsam nutzbaren Räumlichkeiten knapper. Für Serviced Apartments sieht Stayery-Chef DuMont Schütte Potenzial auch jenseits der Topstädte: In Bielefeld sei man, weil dort Unternehmen wie Goldbeck, Oetker und Schüco ansässig seien und Bedarf hätten, Mitarbeiter zeitweise unterzubringen. Chancen eröffne da auch der "unterentwickelte Hotelmarkt". Möglich, dass in Bielefeld recht schnell das eintritt, was Karsten Jungk, Geschäftsführer von Wüest Partner Deutschland, aus Studien zitiert: Dass der Anteil von Serviced Apartments am Hotelmarkt von rund 3% im Jahr 2018 auf rund 10% im 2030 steigen wird.

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