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Finanzen | 30.01.2020

Aus IZMagazin Immobilienfinanzierung 2020/2020, S. 30

Von Nicolas Katzung

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Deutsche Hypo, DLA Piper, Goodwin Procter, Hamburg Commercial Bank
  • Organisationen:
    Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp), Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
  • Personen:
    Jens Tolckmitt, Peter Axmann, Stephan Kock, Joachim Wuermeling, Sabine Barthauer, Jörg Kukies, Martin Wilmsen

Grüne Kredite auf dem Vormarsch - Politik und Aufsicht sprechen sich gegen Kapitalerleichterung aus

Quelle: stock.adobe.com, Urheber: TOP_ART

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Im Zuge der Klimaschutzdiskussionen erfahren "grüne" Finanzierungen eine hohe Aufmerksamkeit in der Politik - und auch die Finanzaufsicht hat das Thema auf dem Schirm. Grüne Immobilienfinanzierungen könnten sogar bald regulatorisch bevorteilt werden, was viele für bedenklich halten. Denn noch ist völlig unklar, was überhaupt "grün" ist und was nicht.

Die Klimadebatte ist in Deutschland und Europa voll entbrannt und macht auch vor der Immobilienfinanzierung nicht halt. In die Diskussionen hatte sich zuletzt die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet und in einem Merkblatt den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken thematisiert. "Das zeigt, dass die BaFin hier keine abwartende Position einnimmt, sondern aktiv mitgestalten möchte, wie in Zukunft mit Nachhaltigkeitsrisiken umzugehen ist", sagt Rechtsanwalt Martin Wilmsen von DLA Piper.

Die Banken sind jedenfalls sensibilisiert. "Die Aufsicht macht in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz Druck bei den Banken und wird nach unserer Einschätzung künftig auch prüfen, inwieweit Banken diese Themen in ihre Geschäftspolitik und internen Prozesse integrieren", ist Peter Axmann, Leiter Immobilienfinanzierung bei der Hamburg Commercial Bank, überzeugt. Nach Beobachtung von Sabine Barthauer, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Hypo, beschäftigt sich die gesamte Finanzbranche damit. Die Deutsche Hypo selbst hat auf die Anforderungen von Investoren auf der Passivseite bereits reagiert. So verfüge die Bank einerseits über ein Nachhaltigkeitsrating, andererseits emittiert sie sogenannte grüne Pfandbriefe, die nach Kriterien des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) standardisiert sind. Zudem bietet die Deutsche Hypo auch grüne Immobiliendarlehen, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, mit einem Margennachlass an. Auch andere große Immobilienfinanzierer wie die Berlin Hyp und die LBBW verfügen bereits über entsprechende Angebote.

Stephan Kock, Immobilienspezialist bei der Kanzlei Goodwin, glaubt an einen "starken Anstieg von grünen Finanzierungen", vor allem bei Projektentwicklungen. "Allerdings wird es eine gewisse Zeit dauern, bis die Vorgaben der EU-Taxonomie so konkret geworden sind, dass sich verlässliche, vergleichbare Merkmale oder Standards grüner Finanzierungen herausgebildet haben." DLA-Anwalt Wilmsen findet es interessant, wie entsprechende grüne Darlehen dokumentiert werden. So habe er erst kürzlich gesehen, wie ein Darlehensnehmer verpflichtet wurde, die Green Loan Principles der Loan Market Association zu befolgen und ein entsprechendes Reporting bereitzustellen. Eine Ausnahme sei bisher die Aufnahme einer Margenanpassungsklausel, wenn sich das vorher definierte Nachhaltigkeitsrating des Kreditnehmers verändert.

In der EU-Kommission wird auch über eine Privilegierung von grünen Darlehen bei der Eigenmittelunterlegung nachgedacht. "Das halte ich für einen interessanten Ansatz zur Förderung von grünen und nachhaltigen Finanzierungen", sagt Wilmsen Bevor dies geschehe, müsse aber zunächst klar und nachvollziehbar definiert werden, was überhaupt "grüne" und "nachhaltige" Finanzierungen sind.

Es kommt wahrscheinlich selten vor, aber bei diesem Punkt herrscht zwischen Aufsicht, Politik und Lobbyisten traute Einigkeit: "Die Erfahrung hat gezeigt, dass grüne Investitionen nicht per se risikoärmer sind als andere. Deswegen sollte die Regulierung weiter bei ihrem risikobasierten Ansatz bleiben", sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling. (lesen Sie auch das Interview mit Joachim Wuermeling)

Jens Tolckmitt, vdp-Hauptgeschäftsführer, stimmt mit ein: "Wir haben dazu eine klare Position: Es sollte nur dann eine Eigenkapitaldifferenzierung erfolgen, wenn es auch eine Risikodifferenzierung gibt. Das heißt, es muss erst nachgewiesen werden, dass es tatsächlich einen Risikounterschied zwischen grünen und ,braunen‘ Finanzierungen gibt." Und auch Finanzstaatssekretär Jörg Kukies schließt niedrigere Kapitalanforderungen aus: "Das Klimapaket in Deutschland sieht andere Anreize vor. Stichwort: steuerliche Förderung für die energetische Gebäudesanierung. Das ist aus meiner Sicht der richtige Kanal, um Anreize für Verhaltensänderungen zu intensivieren."

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