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Projekte | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Vor Teslas Gigafactory warten die Mühen der Ebene

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke
Das Grundstück ist zwar noch nicht verkauft. Gerodet wird aber schon mal.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Lea Gericke

Grünheide. Der Rauch der Freudenfeuer hat sich verzogen - entfacht von der brandenburgischen Landesregierung, nachdem Tesla-Chef Elon Musk mitgeteilt hatte, eine gut 4 Mrd. Euro teure Gigafactory im beschaulichen Grünheide zu bauen. Jetzt gilt es, hurtig die Mühen der Ebene zu durchschreiten, die der Bau einer riesigen Fabrik im Berliner Speckgürtel bedeutet. Spätestens im Juli 2021 soll das 380.000 m² große europäische Werk für Elektroautos und Batterien den Betrieb aufnehmen. Der Zeitplan ist ambitioniert.

Parkplätze, ein Grieche, Asia- und Drogeriemarkt nehmen das kleine Rathaus der Gemeinde Grünheide im Landkreis Oder-Spree in ihre Mitte. Die Glastüren des Backsteinbaus öffnen sich automatisch, am Empfangsschalter liegen gelbe Säcke für Verpackungsmüll. "Nein", Hunde dürfen nicht ins Rathaus, "auch kleine, niedliche nicht." Im zweiten Stock in einer Ecke des Flurs sitzt ein junger Bediensteter, Herr über fünf blaue Ordner. In denen ist fein säuberlich abgeheftet, was die 8.700 Grünheider zur Fabrik auf dem insgesamt 300 ha großen Areal wissen sollen und wollen. Das entspricht einer Fläche von 420 Fußballfeldern.

"Abfotografieren", erklärt der Mann jedem, der zu ihm kommt, "jederzeit alles, so viel sie wollen. Ausheften - streng verboten." Zu lesen steht, dass Musk seine Gigafabrik in vier Ausbaustufen plant und dass jährlich bis zu einer halben Million E-Autos produziert werden sollen. Vom Band laufen werden die Kompaktlimousine Model 3 sowie das künftige SUV-Model Y. Das erste Gebäude wird gut 1 Mrd. Euro kosten und 744 m lang und 312 m breit sein, verraten die Ordner auf den beigen Resopaltischchen.

An diesem verregneten Wochentag blättern vier Besucher in den blauen Bänden. Sind sie gegen die Ansiedlung, auf die die brandenburgische Landesregierung so stolz ist? "Nein gar nicht", sagt Anwohner und Rentner Peter Hirschberg, "ist doch schön, wenn es neue Arbeitsplätze gibt." Zunächst will Musk bis zu 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Für später, nach vollendetem Ausbau aller vier Gebäude der Gigafactory, ist gar von 8.000 Jobs die Rede.

Gelogen werde wie in einer Bananenrepublik

Nur dass alle Beteiligten so frech lügen, das findet die kleine Schar auf dem engen Flur ganz furchtbar. "Wie in einer Bananenrepublik", sagt Dame Nr. 3, die sich mit Nr. 4 über die Papiere beugt. Gelogen? Ja, gelogen werde, dass sich die Balken biegen. So stehe in den Papieren, dass die Auswirkungen der Tesla Manufacturing Brandenburg SE auf den Wasserhaushalt der Region gering seien. "So ein Blödsinn", ereifert sich Ehefrau Inge Hirschberg. Der Grundwasserspiegel sei nach zwei Dürresommern extrem gesunken. Damit sei die Versorgung der Region mit Trinkwasser angespannt. Stünde immer wieder in der Zeitung. Wenn jetzt noch ein Riesenverbraucher hinzukommt …

Und ein Riesenverbraucher wird Tesla sein. Genau genommen wird die Factory im Endausbau 372 Kubikmeter Wasser pro Stunde aus dem öffentlichen Trinkwassernetz ziehen, heißt es auf der Seite 37 der "Kurzbeschreibung für das Vorhaben Gigafactory Berlin", die die GfBU-Consult Gesellschaft für Umwelt- und Managementberatung aus Hoppegarten, Ortsteil Hönow erstellt hat und die auf dem Rathausflur an interessierte Bürger verteilt wird. 372 Kubikmeter sind 372.000 Liter pro Stunde, macht bei einem 24-Stunden-Betrieb, den Tesla anstrebt, knapp 9 Mio. Liter - jeden Tag. "Wie soll das gehen?", fragen sich die Bürger entsetzt. Auch im Rathaus ist das Problem bekannt. Es gäbe Gespräche mit allen Beteiligten, heißt es.

Formiert haben sich mittlerweile auch Proteste gegen die für den Bau notwendige Abholung des Kiefernwäldchens rund 36 km von der Berliner Stadtmitte entfernt. Durch die breiten Schneisen marschieren "Gelbwesten". Sie schimpfen kameratauglich über den Raubbau an der Natur. Schweres Gerät rafft Baumstämme und Äste zu hohen Haufen. Das Abholzen muss jetzt passieren, rechtfertigen sich die Auftraggeber, schließlich sei Ende Februar Vegetationsbeginn. Tesla verspricht, drei mal so viel Ausgleichsfläche zur Verfügung zu stellen. Schon im ersten Quartal 2020 sollen die Bagger anrollen.

Baurecht lässt sich einfach schaffen

Für den Standort interessierte sich vor 18 Jahren auch BMW, entschied sich dann aber für Leipzig. Damit gibt es für das Areal laut Aussage des Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) einen Bebauungsplan, sodass schnell Baurecht geschaffen werden könne. Die Amerikaner müssen das Grundstück allerdings noch kaufen. Anfang Januar hat der Haushaltsausschuss des Brandenburger Landtags dem Verkauf an Tesla zugestimmt. Jetzt hat das Parlament das Sagen. Über den Preis ist noch nicht entschieden. Ermitteln soll den Grundstückswert bis Ende Januar 2020 ein Gutachter, sagt die brandenburgische Finanzministerin Katrin Lange (SPD). Im Raum stünden 40,91 Mio. Euro.

In Grünheide wird die weltweit vierte Gigafactory gebaut - nach der ersten Fabrik im US-Bundesstaat Nevada, gefolgt von Buffalo und einer Dritten in China. Davon werden aber nur in China Autos produziert. Die anderen Anlagen konzentrieren sich auf Batterien und Solaranlagen.

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