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Projekte | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 18

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

Den Zukunftslaboren für Nachhaltigkeit sitzt der Klimawandel im Nacken

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Das 500 m lange Vordach des Überseezentrums soll vielleicht für einen Stadtplatz für Grasbrook und Veddel Nord neu entstehen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Hamburg. Die HafenCity Hamburg entwickelt inzwischen die vier Stadtentwicklungsprojekte Hafencity, Grasbrook, Billebogen und Science City Bahrenfeld. Hier geht es um einen 300 ha großen "Transformationsraum" mit Wohnungen für 23.000 Menschen und 71.000 Arbeitsplätzen.

"Wir haben die Situation, in der wir bauen, bauen, bauen!" Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg, verweist zum Auftakt der Jahrespressekonferenz auf 37 Baukrane, die sich aktuell über Baustellen in der Hafencity drehen - 45 sollen es im Laufe des Jahres noch werden. 2020 sind allein im Baakenhafen 1.350 Wohnungen im Bau.

7.500 Wohnungen sollen es in der Hafencity insgesamt werden sowie 45.000 Arbeitsplätze. 2.800 Wohnungen sind nach 20 Jahren Hafencity fertiggestellt, 930 Unternehmen haben sich angesiedelt. "Doch es geht nicht nur darum, Urbanität zu generieren", betont Bruns-Berentelg, "sondern auch um soziale Gerechtigkeit unter Vermeidung sozialer Polarisierung - und dies unter einen Hut gebracht mit Nachhaltigkeitsthemen." Der HafenCity-Manager, der zum 1. November 2021 sein Amt an Andreas C. Kleinau übergibt, betont mit Verweis auf den Klimawandel, "dass wir uns auf Zukunftsfragen einstellen müssen". Er stellt infrage, ob es noch zielführend sei, Wirtschaftswachstum in der bisherigen Form anzustreben.

Bruns-Berentelg sieht das seit der Jahrtausendwende konkret werdende Stadtentwicklungsprojekt als "Zukunftslabor des nachhaltigen Bauens". Dies spiegelt sich aktuell in der Vergabe von Grundstücken im Elbbrückenquartier wider. Ein Referenzprojekt der Zirkularität von Ressourcen soll etwa die Wildspitze werden, die mit 64 m Höhe Deutschlands höchstes Holzhybridgebäude werden soll. Garbe Immobilien Projekte entwickelt das 115-Mio.-Euro-Projekt mit Wohnungen, Büros und Ausstellungsflächen. Taufrisch ist die Präsentation des Cradle-to-Cradle-Projekts Moringa durch den Entwickler Landmarken.

Edge HafenCity und Edge Elbside (Ankermieter: Vattenfall) sollen Maßstäbe für "eine digitale Infrastruktur zur Flexibilisierung von Arbeitsplätzen" setzen. Digital Art soll es in einer großen Ausstellung "The Tide" geben, die Lars Hinrichs mit Quantum Immobilien im Quartier Elbbrücken bauen will.

Zu den Großprojekten, die 2020 in den Bau gehen, zählt ab November auch die Zentrale von Gruner + Jahr am Lohse-Park. Und auch der 244 m hohe Elbtower, den Signa zwischen die Elbbrücken zu stellen plant, sei im Zeitplan, so Bruns-Berentelg. 2021 werde mit der Bauvorbereitung begonnen.

Begehbare Medienkanäle auf dem Grasbrook

Mit der U-Bahnlinie 4 soll auch das Entwicklungsgebiet Grasbrook angeschlossen werden. Bruns-Berentelg sieht die U-4-Station auf Stelzen im Moldauhafen zwischen dem heutigen Überseezentrum und der Sachsenbrücke. Für den Grasbrook werde ein deutlich höheres Anspruchsniveau gelten als in der Hafencity. Um diesen Anforderungen schon bei der Entwicklung der Infrastruktur zu entsprechen, sollen die Ver- und Entsorgung, Mobilität und Logistik in Arbeitskreisen der HafenCity Hamburg mit den entsprechenden Tochterunternehmen der Stadt eng koordiniert werden. So sollen die Infrastrukturunternehmen in begehbare Medienkanäle investieren. "Das macht bisher keiner, weil keiner bereit ist, über 50 Jahre zu denken. Die Infrastrukturunternehmen sollen einmal zusammenlegen, statt jedes Jahr die Straße aufzureißen."

Um die Folgen des klimawandelbedingten Meeresspiegelanstiegs zu antizipieren, sollen die Warften auf dem Grasbrook auf 9,20 m aufgeschüttet werden (siehe die Titelgeschichte "Die Flut wird kommen"). "Das wird nicht reichen, wenn das Grönlandeis schmilzt sowie die Polkappen der westlichen Antarktis", so Bruns-Berentelg, "aber ich bin optimistisch, dass wir etwas dagegen tun."

Am 3. April findet die abschließende Jury-Sitzung für den städtebaulichen Wettbewerb zum Grasbrook statt. Eine Idee aus der Phase des wettbewerblichen Dialogs gefällt dem Stadtplaner besonders: das spektakuläre, 500 m lange Vordach des Überseezentrums zum Moldauhafen neu zu erfinden und als gemeinsamen Stadtplatz von Veddel Nord und Grasbrook zu nutzen. Am anschließenden Saalehafen liegen die denkmalgeschützten Lagerhäuser G und F, erbaut 1903 beziehungsweise in den 1950er Jahren. Sie sollen als Gemeinschaftsorte auf dem Grasbrook genutzt werden - kulturell, aber auch für Arbeitsplätze.

Beim Billebogen und beim Stadteingang Elbbrücken geht es um Stadtreparatur - vor allem den Rückbau des riesigen Autobahnkleeblatts von 1962. Nach dem Testplanungsverfahren zum Stadteingang Elbbrücken soll nach der Ideenvorstellung vergangenen September im Sommer 2020 ein Rahmenkonzept vorgestellt werden. Kernareal des Billebogens ist der 11 ha große Neue Huckepackbahnhof. Hier sollen auf 130.000 bis 160.000 m2 BGF Flächen für urbane Produktion entstehen - gemischt genutzte Gebäude, etwa mit Logistik oder Produktion im Erdgeschoss sowie Büros und Ateliers in den Obergeschossen. Nachdem die Opernwerkstätten hier 2018 eingeweiht wurden, verläuft das B-Plan-Verfahren nach Angaben von Henrike Thomsen von der Billebogen-Entwicklungsgesellschaft langsamer als geplant.

Konkrete Perspektiven gibt es auch für die Neupositionierung der Schule Bullenhuser Damm. Bis 2026 soll die direkte Nachbarschaft aus Gebrauchtlastwagenhandel einem Neubau für das Institut für Hygiene und Umwelt sowie einem Neubau für ein Unternehmen mit 120 Projektingenieuren weichen. Die Schule selbst soll ab 2024 saniert und die Nutzung als sozialer und kultureller Ort im Stadtteil erweitert werden.

Die jüngste Tochter der HafenCity Hamburg ist seit 2019 die Science City Hamburg Bahrenfeld. Sie koordiniert die Wissenschafts- und Stadtentwicklung rund um die bisherige Trabrennbahn Bahrenfeld sowie den bestehenden Desy-Forschungscampus in westlicher Nachbarschaft der zukünftig überdeckelten A7.

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