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Digitales | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 13

Von Katja Bühren

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    CAFM Ring, planen-bauen 4.0
  • Organisationen:
    Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, SPD, FDP, CDU/CSU, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), BAK Bundesarchitektenkammer, HafenCity Universität Hamburg, Ruhr-Universität Bochum, Bundesvereinigung Bausoftwarehäuser, Bundesausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, Open Knowledge Foundation Deutschland
  • Personen:
    Markus König, Daniel Mondino, Jan Tulke

Digitalisierung und BIM: Es gibt noch sehr viel zu tun

Bei Digitalisierung und BIM hinkt die Bauwirtschaft hinterher, besonders im Hochbau. Dabei besteht "erheblicher Handlungsbedarf", u.a. bei Normung, Standardisierung und Wissenstransfer.

So sehen es die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD sowie der FDP und haben Anträge zur Digitalisierung des Bauens gestellt. In einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen gaben Experten ihre Stellungnahmen dazu ab. Das Fazit: Es ist noch sehr viel zu tun, bis die Bauwirtschaft umfassend digitale Methoden nutzen kann. Um voranzukommen, forderten die Experten aus den Bauverbänden ZDB und HDB, von der Gesellschaft planen-bauen 4.0, Universitäten, Bundesarchitektenkammer, Bundesverband Bausoftware und Open Knowledge Foundation Deutschland unter anderem die Vorbildfunktion und das Engagement der öffentlichen Hand.

So sei es wichtig, bei der Normung und Standardisierung z.B. von Prozessen, Datenformaten und Begriffen speziell auf internationaler Ebene die von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) geprägte Bauwirtschaft durch öffentlich geförderte Fachexperten zu unterstützen. "Gerade KMU sind kaum in der Lage, personelle und finanzielle Ressourcen hier einzubringen", schreibt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu diesem Punkt. Fehlende Regeln, Standards und Definitionen nannten auch zwei Drittel der 152 auf der BIM World Munich vom Veranstalter und dem Verband für die Digitalisierung im Immobilienbetrieb (CAFM Ring) Ende 2019 befragten Besucher als Hindernisse beim Einsatz von BIM.

Um trotzdem voranzukommen, sei ein Stufenplan für die Einführung von BIM im Hochbau - analog zu dem Ende 2015 veröffentlichten für den Infrastrukturbau - wünschenswert, erklärt Daniel Mondino, Professor für Digitales Integriertes Prozessmanagement - Planen an der HafenCity Universität Hamburg, in seiner Stellungnahme. Weitere Pilotprojekte im Hoch- und Infrastrukturbau seien zudem eine wichtige Basis für die Anpassung bestehender Regelwerke, die Normung und den Wissenstransfer in die Branche, ergänzt Jan Tulke, Geschäftsführer planen-bauen 4.0. Die Gesellschaft ist vom Bund damit beauftragt worden, ein BIM-Kompetenzzentrum für die öffentliche Hand aufzubauen.

Tulke betont auch, dass ein Masterplan für den Bundeshochbau und analog für den Straßenbau bis Mitte 2020 und eine Strategie für die Einführung von BIM entwickelt werden soll. Markus König, Professor am Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum, empfiehlt: Die Bundesregierung sollte langfristige Ziele und Strategien hinsichtlich der Digitalisierung des Bauens definieren, sie kontinuierlich evaluieren und gegebenenfalls anpassen. Dies sei eine Aufgabe für das - dann dauerhaft finanzierte - BIM-Kompetenzzentrum.

Experten forderten ein digitales Baugenehmigungsverfahren. Methodische Potenziale würden nur gehoben, wenn alle Arbeitsschritte auf der Grundlage von BIM-Modellen erfolgen. Sie erlaubten es, regelbasierte Prüfungen durchzuführen. Positiver Nebeneffekt dabei: Die Baubehörden würden entlastet und das Genehmigungsverfahren z.B. im Wohnungsbau beschleunigt. Dazu braucht es allerdings - eine weitere Forderung - an Hoch- und Berufsschulen ausgebildetes bzw. fortgebildetes Personal. Die Förderung der Ausbildung in digitalen integrierten Prozessen "ist von herausragender Wichtigkeit", schreibt Mondino.

Die auf der BIM World Befragten bestätigen die Einschätzung: Knapp die Hälfte gab an, dass fehlendes Know-how bzw. fehlende themenbezogene Inhalte bei Aus- und Weiterbildung Hindernisse bei der Einführung von BIM sind. Allerdings gibt es Fortschritte: Die Ausbildungsordnung von 19 Bauberufen werde derzeit unter anderem mit Fokus auf die Digitalisierung überarbeitet, so der ZDB.

EU-Vorgaben sind der eigentliche Treiber

In der Digitalisierung und in BIM steckt ein immenses Potenzial: Die Einführung soll z.B. die Planungsqualität verbessern, die Produktivität steigern sowie für höhere Kosten- und Terminsicherheit sorgen. Darüber hinaus sind nach Ansicht von Mondino "mit großer Wahrscheinlichkeit Forderungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit, Material- und Ressourceneffizienz, die Vermeidung von Müll und weitere regulatorische Vorgaben der EU die eigentlichen Treiber für den Einsatz digitaler Prozesse. Dies sei auch eine Chance und ein wichtiger Baustein, um im Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken das Erreichen der in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie formulierten Ziele zu unterstützen.

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