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Unternehmen | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 5

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:

Luxusmakler sind auf Partnersuche

Quelle: von Poll Immobilien
Diese schicke Jugendstilvilla in Friedrichsdorf bei Frankfurt kann man getrost als Luxusimmobilie vermarkten.

Quelle: von Poll Immobilien

Auch Immobilien in der gehobenen Preisklasse sind derzeit knapp. Dennoch konnten Deutschlands Luxusmakler im vergangenen Jahr den Courtageumsatz deutlich steigern. Dabei setzten Engel & Völkers, von Poll sowie Dahler & Company auf Expansion mit neuen Lizenzpartnern.

Ein Häuschen in Kalifornien für fast 32 Mio. Euro? Es gibt Leute, die legen solche Summen auf den Tisch. Die britischen (Ex-)Royals Prinz Harry und Gattin Meghan etwa suchen gerade eine Traumvilla - allerdings in Kanada. Aber auch im bürgerlichen Deutschland wurden im vergangenen Jahr wieder fette Preise aufgerufen: Für eine Villa im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst etwa zahlte ein Anleger rund 17 Mio. Euro. Solche Traumobjekte bestechen durch herausragende Lage am Strand oder in Bergen, außergewöhnliche Bauweise und besonders hochwertige Ausstattung. Und wie auf allen anderen Immobilienmärkten sind die zu vermittelnden Produkte derzeit äußerst knapp.

Dennoch gelang es Deutschlands Luxusmaklern 2019 den Courtageumsatz zu steigern. Engel & Völkers (E&V) legte um 13% auf rund 820 Mio. Euro zu und von Poll meldet ein Plus von einem Fünftel auf 120 Mio. Euro. Dahler & Company (DC) nennt zwar keine konkreten Zahlen, blickt nach eigenen Angaben aber auf ein erfolgreiches Jahr zurück und beziffert das Umsatzwachstum mit 30%. Alle drei Häuser sind optimistisch, auch im laufenden Jahr wieder eine Schippe drauflegen zu können. Denn zum einen steigen die Preise für Luxusobjekte weiter und zum anderen setzen die Maklerhäuser auf Expansion im In- und Ausland.

Das weitaus größte Netzwerk hat E&V geknüpft. Die Gruppe mit Sitz in Hamburg ist aktuell an 893 Standorten weltweit mit mehr als 12.000 Mitarbeitern vertreten. In Deutschland hat E&V rund 370 Büros, in denen hochwertige Wohn- und Gewerbeimmobilien vermittelt werden. Im vergangenen Jahr hat E&V rund 50 neue Standorte eröffnet - einen großen Teil davon auf dem nordamerikanischen Markt.

Griechenland lockt mit attraktiven Renditen

E&V-Vorstandschef Sven Odia kündigt weitere Expansionsschritte an. Das internationale Geschäft sei mit einem Anteil von mehr als 60% am Markencourtageumsatz enorm wichtig. "Es gibt sowohl in Europa als auch auf dem amerikanischen Kontinent aus unserer Sicht noch ein großes Expansionspotenzial für uns", betont Odia und fügt an: "Langfristig möchten wir uns auch im asiatischen Markt etablieren." Im Zuge der Expansion steigt auch der Bedarf an qualifiziertem Personal. Im Vergleich zum Vorjahr seien rund 900 Makler hinzugekommen, sagt Odia. "Bis 2025 haben wir uns das Ziel gesetzt, 8.400 weitere Immobilienberater zu beschäftigen." Im Blick hat Odia unter anderem Griechenland. "Für 2020 sind in Griechenland neue Shops auf Mykonos und in Glyfada an der Athener Riviera ge-plant. In einem weiteren Schritt sollen Kreta, Korfu und je nach Marktentwicklung weitere griechische Standorte hinzukommen. Insgesamt wird das Investitionsvolumen in Griechenland bis 2022 rund 10 Mio. Euro betragen."

Ferienhäuser in Griechenland hätten sich für ausländische Käufer zu interessanten Renditeobjekten entwickelt. Ein Apartment in Athen mit Blick auf die Akropolis sei dabei ebenso begehrt wie ein luxuriöses Anwesen an der Athener Riviera oder auf den Inseln, erläutert Odia. "Durch die griechische Krise der vergangenen Jahre und den zeitgleich einsetzenden Touristenboom ergibt sich der Effekt, dass Anleger im internationalen Vergleich günstig kaufen, jedoch hochpreisig vermieten können." Dabei seien Renditen zwischen 4% und 7% realistisch.

Auch von Poll ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Allein in Deutschland hat das Unternehmen 20 zusätzliche Partner gewonnen. Europaweit ist die Gruppe mit Sitz in Frankfurt an mehr als 300 Standorten mit 1.200 Leuten präsent. Neu sind etwa Büros im Zentrum von Athen, in Bozen und in Pollenca auf Mallorca.

Übersee ist für von Poll-Chef Daniel Ritter derzeit kein vorrangiges Thema. "Wir konzentrieren uns momentan auf attraktive europäische Standorte", sagt er und fügt an: "Dazu gehören beliebte Ferienregionen, Metropolen und weitere wichtige Städte und Gebiete. Wir werden unser europäisches Geschäft gezielt ausbauen und konsolidieren." Eine Expansion über Europa hinaus sei aber denkbar, wenn sich mit Blick auf Standort und Lizenznehmer eine passende Gelegenheit ergebe. Einen Partner, der die hiesige Expansion unterstützen soll, fand von Poll schon im Sommer 2018 und verkündete damals den Einstieg der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Auch der Gang an die Börse war in Aussicht gestellt worden. Bei Fragen zum Stand der Dinge gibt sich das Management aber derzeit wortkarg. "Wir sind mit der DBAG in gutem Einvernehmen und haben unser Ziel weiterhin im Blick", sagt Ritter.

Dahler & Company zog im vergangenen Jahr zehn neue Lizenzpartner an Land und ist nun an 61 Standorten vertreten. Hinzugekommen seien unter anderem die Regionen Tegernsee/Bad Tölz und Dahme-Seenland, sowie die Städte Heilbronn, Leipzig, Mönchengladbach, Regensburg und Stuttgart, berichtet DC-Chefin Annika Zarenko. "Unser Ziel ist es nach wie vor mit rund 85 Standorten in Deutschland vertreten zu sein - das aber auch schon vor 2025. In diesem und im nächsten Jahr streben wir zwischen zehn und 15 neue Standorte pro Jahr an." Vor allem im Süden gebe es Städte und Gebiete, die auf der Wunschliste stehen. In München etwa planen die Hamburger die Vergabe von vier Lizenzgebieten. Im Ausland hat DC lediglich auf Mallorca Fuß gefasst. Zarenko schaut aber auf Feriengebiete auf den Balearen sowie in Österreich und der Schweiz.

Für das Wachstum hat Zarenko ein Extrateam. "Wir halten an unserem Ziel fest, in rund zwei Jahren unsere deutschlandweite Expansion abgeschlossen zu haben", sagt die Geschäftsführerin. "Wir schauen uns genau an, wie Potenzialgebiete aufgestellt sind, analysieren die Zahlen, definieren Kerngebiete." Erst wenn sie davon überzeugt seien, dass der Markt passt, spreche das Team mögliche Partner an.

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