Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Politik | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 4

Von Christine Rose

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Bottrop
  • Projekte:
    InnovationCity Bottrop
  • Organisationen:
    EU-Kommission, Bundesregierung Deutschland, GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Deutsche Energie-Agentur (dena)
  • Personen:
    Jochen Schenk, Burkhard Ulrich Drescher
  • Immobilienart:
    Wohnen, Büro

Die EU fordert eine "Renovierungswelle"

Quelle: imago images, Urheber: Panthermedia
Die EU-Kommission fordert, womit sich Deutschland seit langem schwer tut: die Sanierungsquote im Gebäudebestand zu verdoppeln.

Quelle: imago images, Urheber: Panthermedia

Europa soll bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden. Dafür hat die EU-Kommission jüngst einen "Green Deal" vorgestellt. Dem Gebäudesektor spricht sie dabei eine wichtige Rolle zu, fordert unter anderem eine "Renovierungswelle". In Deutschland ist die bislang ausgeblieben, die nationalen Klimaziele wurden krachend verfehlt. Fraglich ist, ob sie künftig erreicht werden.

Die Zahl kursiert seit Jahren für Deutschland, und auch die EU-Kommission nennt sie in einer Mitteilung zu ihrem Green Deal: 40% des Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude. Die Kommission fordert daher "eine Renovierungswelle". Um die Energieeffizienz- und Klimaziele der EU zu erreichen, müsse die Renovierungsquote in den Mitgliedstaaten - derzeit zwischen 0,4% und 1,2% - "mindestens verdoppelt" werden. Auch das klingt hierzulande vertraut. Knapp zwei Drittel der Wohngebäude in Deutschland wurden laut Deutscher Energie-Agentur (dena) vor 1979 und damit vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet. Das Ziel, die jährliche Sanierungsquote von etwa 1% zu verdoppeln, gibt es seit langem. Erreicht wurde es noch nicht.

Nun soll Europa bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt werden. Bislang ist die Staatengemeinschaft weit davon entfernt. Allein um das Zwischenziel für 2030 - die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes um 40% gegenüber 1990 - noch zu erreichen, seien zwischen 2021 und 2030 zusätzlich Investitionen von jährlich 260 Mrd. Euro vonnöten, heißt es in einem in der vergangenen Woche vorgestellen Papier der EU-Kommission mit dem Titel "Sustainable Europe Investment Plan". Insgesamt kommt die Kommission auf Investitionskosten von 1,2 Billionen Euro pro Jahr bis 2030.

EU-Plan: Viel Geld für den Gebäudesektor

Den größten zusätzlichen Mittelbedarf sieht man in Brüssel im Gebäudesektor. Berechnungen zufolge müssten von den 260 Mrd. Euro, die zusätzlich bis 2030 jährlich nötig sind, 120 Mrd. Euro in Wohngebäude und 75 Mio. Euro in wirtschaftlich genutzte Immobilien wie Büros gesteckt werden. Der Bedarf könnte allerdings noch steigen, denn die Kommission plant, das für 2030 gesteckte Ziel zu erhöhen, sprich: Der Treibhausgasausstoß soll um 50% reduziert werden, "mit Tendenz zu 55%".

Im Juni will die Kommission ihre Vorstellungen davon vorlegen, wie die 2030er-Ziele noch zu erreichen sind. Dabei wird es unter anderem darum gehen, EU-Vorschriften wie die Energieeffizienz-Richtlinie für Gebäude auf Klimaschutztauglichkeit hin zu überprüfen und - wenn nötig - anzupassen. Einfach wird der Green Deal nicht umzusetzen sein. Zwar liegt nun ein Investmentplan vor, doch da gibt es noch vieles zu klären. Dass viele Entscheidungen der Zustimmung aller Mitgliedstaaten bedürfen, erschwert die Sache.

Der Green Deal sei "eine gewaltige Aufgabe" für den Gebäudesektor, sagt Jochen Schenk, Vizepräsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Er sieht private Investoren als "Schlüssel", um die Klimaziele zu erreichen. Für sie brauche es aber "intelligente und marktgerechte" Regelungen, die bei allen weiteren politischen Entscheidungen im Vordergrund stehen müssten.

Die Bundesregierung will ihr Scherflein zum Klimaschutz beitragen. Ende vergangenen Jahres wurde in Berlin das Klimaschutzgesetz beschlossen, wonach Deutschland den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 um 55% reduzieren will. Bis 2050, so das Ziel der Bundesregierung, soll die Republik klimaneutral sein. Und damit es nicht wieder nur bei schönen Worten und Zahlen bleibt, werden die einzelnen Bundesministerien auf Ziele festgenagelt, deren Einhaltung kontrolliert werden soll. Für das Bundesbauministerium gilt, dass der Ausstoß von CO2 von Gebäuden von 118 Mio. t in diesem Jahr bis 2030 auf 70 Mio. t nach unten gehen muss. Verfehlt ein Ministerium die Vorgaben, muss es ein Sofortprogramm erarbeiten, das sicherstellt, dass die Ziele in den nachfolgenden Jahren erreicht werden. Damit es nun auch tatsächlich etwas wird mit dem Sanieren und Energiesparen, wurden jüngst die Bepreisung von CO2 und eine Sonderabschreibung beschlossen. Demnach sollen Selbstnutzer von Wohngebäuden 20% der Kosten für energetische Maßnahmen bis maximal 40.000 Euro pro Gebäude über drei Jahre absetzen können. Möglich ist das seit 1. Januar für einen Zeitraum von zehn Jahren.

Sonder-AfA, aber nur für Eigennutzer

Für Vermieter gibt es vorerst keine neuen Anreize. Im Gegenteil: Seit vergangenem Jahr ist die Umlagefähigkeit von Modernisierungskosten auf 8% und maximal 3 Euro/m2 begrenzt. Wohnungsunternehmen und Asset-Manager haben angekündigt, Investitionen in energetische Modernisierung zurückzufahren. Um sie umzustimmen, bräuchte es Fördermittel. Dabei müsste es gar keine Sonderabschreibung wie für Eigennutzer sein. Am wirkungsvollsten seien direkte Zuschüsse, heißt es vonseiten des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Burkhard Drescher, der das Klimaschutzprojekt Innovation City Bottrop betreut, sieht ebenfalls als "großen Hebel", den KfW-Tilgungszuschuss zu erhöhen und überdies die Förderbedingungen nicht an höhere Standards als von der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 gefordert zu knüpfen. Bei der Entwicklung von Flächen hält er Quartierslösungen in Sachen Energieversorgung für sinnvoll.

Zumindest die energetischen Anforderungen an Neubau und Bestand will die Regierung erst einmal nicht nach oben schrauben, sondern erst im Jahr 2023 auf den Prüfstand heben. Umweltschützer sehen die Entscheidung als "verpasste Chance".

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!