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Politik | 23.01.2020

Aus IZ04/2020, S. 2

Von Patrick Herzog

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesregierung Deutschland, Bündnis 90 / Die Grünen
  • Personen:
    Patrick Herzog
  • Immobilienart:
    Wohnen

Die vergessene Realität der Doppelverdiener im Umland

Da für Familien das Wohnen in den Zentren unerschwinglich ist, muss die Politik für eine Aufwertung des Umlands sorgen, meint DKW-Geschäftsführer Patrick Herzog.

Quelle: DKW Gruppe
Patrick Herzog.

Quelle: DKW Gruppe

Ins Umland zu ziehen ist für viele Menschen ein Kompromiss. Eigentlich wollen sie in die Stadt oder gleich mit der Familie ganz aufs Land ziehen. Hintergrund der Entscheidung für die Peripherie sind in der Regel das eingeschränkte Angebot in den Städten sowie die dort gestiegenen Preise, die der Finanzierung räumlicher Ansprüche im Wege stehen. Denn die Flächenbedürfnisse der Haushalte steigen stetig. Gerade junge Menschen ziehen so nahe an die Stadt, wie es wirtschaftlich nur geht. Dabei ist Nähe vor allem durch die Verkehrsanbindung ins jeweilige Stadtzentrum definiert.

Auch die Politik ist gegenüber dem Umland im Zwiespalt und agiert keineswegs eindeutig. Zum Bau oder Kauf eines Eigenheims in den Speckgürteln ermuntert einerseits die staatliche Unterstützung. Vom Baukindergeld bis zur Pendlerpauschale gibt es eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Anreizen, die ihre Wirkung insbesondere außerhalb der Großstädte entfalten. Eine Förderung von 12.000 Euro je Kind beispielsweise reicht in Großstädten nur dazu, die Grunderwerbsteuer zu finanzieren. Im Umland ist dann schon oft ein Teil des Kinderzimmers mit drin. Auf der anderen Seite befürchten beispielsweise die Grünen, das Baukindergeld würde den Flächenverbrauch in Deutschland weiter ankurbeln. Der soll nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 auf 30 ha pro Tag gesenkt werden. Aktuell werden noch 58 ha täglich für neue Siedlungen, Gewerbeflächen und den Straßenbau in Anspruch genommen.

Bleibt der wohnungswirtschaftliche Rahmen, wie er ist, ist der Kampf gegen den Flächenverbrauch allerdings als politisches Feigenblatt für Wählergruppen in den Großstädten. Die Realität hinter der Stadtgrenze sind Doppelverdiener-Haushalte mit mehreren Kindern und zwei Autos für die täglichen Wege zu Arbeit, Schule, Vereinen und zum Einkauf. Das heißt: Eine Politik, die Menschen mangels Angebots und mittels Anreize ins Umland treibt, muss deshalb auch dafür sorgen, dass die Einwohner dort hinreichend mobil sind - mit verbesserten Straßen- und Bahnanbindungen oder mit Gewerbeansiedlungen an den Rändern, durch die der tägliche Weg in die Stadt obsolet wird. Verbindliche Rahmenbedingungen für eine stärkere Zusammenarbeit von Städten und Umlandgemeinden bei Infrastrukturplanungen und ein klarer politischer Wille, die Lebensbedingungen im Umland der Städte zu verbessern, wären dazu ein erster Schritt.

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