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Vermischtes | 09.01.2020

Aus IZ01-02/2020, S. 25

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Berlin
  • Unternehmen:
    Deutsche Wohnen
  • Organisationen:
    Bundesregierung Deutschland, Haus & Grund
  • Personen:
    Katrin Lompscher, Michael Müller, Michael Zahn, Christoph Gröner, Horst Seehofer, Florian Schmidt, Carsten Brückner, Monika Grütters, Sandra Scheeres
  • Immobilienart:
    Wohnen

Immobranche ist kaum noch peinlich

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke
Die Berliner haben nicht mehr sonderlich viel gegen Miethaie. Schon gar nicht gegen so niedliche.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Gerda Gericke

Berlin. Mietendeckel, Enteignungsgelüste, Luxuswohnungen, Grundstücksspekulation, bestellte Demonstranten und Baustau - die Immobilienbranche kann machen, was sie will. Peinlich finden die Berliner sie kaum. Das war im vergangenen Jahr völlig anders.

Ob er weder in die Liste der peinlichsten Berliner aufgenommen würde? "Das will ich doch schwer hoffen!", lachte mit einem Augenzwinkern der umstrittene Projektentwickler Christoph Gröner noch Ende vergangenen Jahres. Doch der Plan ging schief. Immer zum Jahresbeginn kürt das Stadtmagazin tip die 100 peinlichsten Berliner des Vorjahrs. Der Chef der CG Gruppe fand, anders als vor einem Jahr, keine Erwähnung. Mit dieser "Schmähung" ist er nicht alleine. Während 2018 führende Branchenvertreter aus Politik und Wirtschaft ziemlich weit vorne mitspielten, müssen sich die damals Beteiligten im jüngsten Ranking mit hinteren Plätzen begnügen.

Haus & Grund nimmt Top-Platzierung ein

Katrin Lompscher (Die Linke) zum Beispiel, die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, belegte 2018 Platz zwei. Im vergangenen Jahr rutschte die Politikerin auf Platz 25, weil ihre Neubauoffensive nicht aus der Deckung komme. Die peinlichste Berlinerin war im abgelaufenen Jahr die Schulsenatorin Sandra Scheeres, die das Magazin als Mrs. Mangel kürte, gefolgt von einem Rapper, einem Verlegerehepaar und einem Richter. Den Reigen der Immobilienbranche eröffnet erst mit Platz sechs Carsten Brückner, Vorstand des Eigentümerverbands Haus & Grund. Brückner blamierte sich gründlich, als er angesichts des drohenden Mietendeckels seine Schäfchen dazu aufrief, vorsorglich die Miete zu erhöhen. "Eigenbedarf", ätzen die Blattmacher.

Platz 17 des peinlichen Rankings nahm "Robin Schutt" ein. Der grüne Baustadtrat im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, machte durch das Ziehen von Vorkaufsrechten in Milieuschutzgebieten auf sich aufmerksam. Gerade aber reicht für den Kauf von immer mehr Häusern das Geld nicht mehr, was den Bezirk durch Schadenersatzforderungen teuer zu stehen kommen kann. Schmidt sei wie einer, der "in der Kneipe Runde um Runde schmeißt, sich derbe feiern lässt, im Morgengrauen aber feststellt, dass er sein Portemonnaie vergessen hat".

Platz 18, genau wie 2018, belegt Michael Zahn, Vorstand von Berlins Großvermieter Deutsche Wohnen. 2019 wird ihm sein Lamento zum Mietendeckel vorgeworfen, 2018 kürte ihn das Magazin zum Mieterschreck. Die Bundespolitik betritt mit Platz 22 die Bühne. Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird vorgehalten, dass das Museum der Moderne doppelt so teuer wird wie geplant und dass die Eröffnung des neu gebauten alten Hohenzollernschlosses im Herzen der Stadt Berlin schlicht ausgefallen ist.

Erst auf Platz 64 landen die Bauherren des Hauptstadtflughafens, auf 71 der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) - aber nicht, weil er beim Wohnungsbau auf die Bremse tritt, sondern weil er das dreckigste Dienstfahrzeug aller Länderchefs fährt. Platz 94 belegt, so wörtlich: die Immobilienwirtschaft. Gemeint sind die Lobbyisten, die Ende des Jahres zum Protest gegen den Mietendeckel 200 Lkws ans Brandenburger Tor bestellten. "Besserverdiener-Parade" straft die Jury den "Hüttenkrieg" der "wackeren Immo-Lobby" ab.

Doch nicht nur Baulöwe Christoph Gröner muss in diesem Jahr ohne Ehrung auskommen. Auch "Innenbauheimatminister" Horst Seehofer (CSU) geht in der feinen Liste 2019 leer aus. 2018 wurde er auf Platz 100 noch als "Störkraft" zum Ehrenbürger ernannt.

Gekürt hat das Magazin neben Menschen aber auch die Top Fünf der Verkehrssünden, der "beklopptesten" Veranstaltungen und der "kackfrechsten Immobullshit-Slogans". Auf dem Siegertreppchen steht "Living it up in hip Kreuzberg" in der lauten unhippen Urbanstraße in Kreuzberg, "faszinierende Fassade und Aura" für 7.000-Euro/m²-aufwärts-Wohnungen und "you aspire to become a minimalist". Klar, nicken die Jurymitglieder verständnisvoll. Minimalismus muss sein, denn 10 m² für 1.250 Euro lassen keinen Raum für Extravaganzen.

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