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Projekte | 09.01.2020

Aus IZ01-02/2020, S. 17

Von Friedhelm Feldhaus

In diesem Artikel:

500 Mio. Euro für die Asklepios Klinik Altona

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
Nördlich des 23-geschossigen, denkmalgeschützten Bestandsgebäudes von 1971 soll der dreiteilige Neubau (vorne) entstehen. Die Lage am Westrand des Baufelds meidet mögliche Gründungsschwierigkeiten durch die Salzstöcke unter dem Groth-Park.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Hamburg. Für über eine halbe Milliarde Euro entsteht bis 2028 der Neubau der Asklepios Klinik Altona. Die erste Stufe des hochbaulichen Wettbewerbs konnte die Arbeitsgemeinschaft um die Berliner Architekten Hascher Jehle gewinnen.

"Krankenhausbau ist eine eigene olympische Disziplin", erklärt Oberbaudirektor Franz-Josef Höing bei der Vorstellung des Wettbewerbsergebnisses in der Asklepios Klinik Altona. "Es ist eine unglaublich komplexe Aufgabenstellung." Daher seien acht "handverlesene" Architekturbüros zum Wettbewerb eingeladen worden. Mit großem Abstand und Einigkeit in der Jury habe die Arbeitsgemeinschaft um das Büro Hascher Jehle Berlin gewonnen. Dazu gehören die Braunschweiger Architektengruppe Schweitzer + Partner, Reichardt + Partner Architekten aus Hamburg sowie Hutterreimann Landschaftsarchitektur, Berlin.

Vorab hatte eine städtebauliche Rahmenplanung von Astoc Architects and Planners, arbos Freiraumplanung und shp Ingenieure Vorgaben für die Ausschreibung gesetzt. Angesichts der unterzubringenden 150.000 m² BGF waren die Standortoptionen beschränkt. So entsteht der Neubau auf einem 55.000 m² großen Areal nördlich des bestehenden Klinikhochhauses - zwischen der Autobahnauffahrt Othmarschen der A 7, der Behringstraße und den über einem Salzstock entstandenen Teichen im Groth-Park.

Der mit 80.000 Euro prämierte Entwurf teilt das sechsgeschossige Klinikum in drei linear, auf einem langgestreckten Sockel angeordnete Gebäude mit grünen Höfen. Die Gebäude schirmen den Park vom Autobahnlärm ab und werden durch Stege verbunden. Die Patientenzimmer sind nach Osten zum Park orientiert, ebenso wie das Café an den Teichen. Die innere Achse bildet ein zweigeschossiger, zu den Freianlagen verglaster Boulevard, an dem sich Läden, Dienstleister wie ein Friseur sowie Gastronomie finden.

Nach dem Raumprogramm entfallen 95.000 m² BGF auf die im ersten Bauabschnitt entstehende Klinik plus Verkehr und Parken (21.000 m²). Nach Fertigstellung des Neubaus wird das erst 2008 mit 400 Stellplätzen nördlich der Hochhausscheibe errichtete Parkhaus abgerissen. In der Tiefgarage des Neubaus sind 750 Pkw-Stellplätze vorgesehen. Auf einer Potenzialfläche westlich des Hochhauses könnten weitere Gebäude entstehen. Hierfür sind zusätzliche knapp 40.000 m² veranschlagt.

"Der Entwurf ist fast wie ein Geniestreich"

"Der Entwurf ist fast wie ein Geniestreich", gibt Höing seiner Begeisterung Ausdruck. "Er gliedert die große Baumasse unglaublich geschickt, stellt sie genau an die richtige Stelle und integriert die Funktionen. Der Entwurf lässt den Park in Ruhe und schafft ein fröhliches, offenes Haus. Klare Strukturen, total simpel und total durchdacht." Bei aller Euphorie: Erst im Frühjahr 2020 wird endgültig über den ersten Preis entschieden. Bis dahin müssen der erste Platz sowie die zwei dritten Plätze einen Aufgabenkatalog der Jury abarbeiten. Allerdings wird das Ergebnis der nun vorgestellten ersten Stufe mit 45% gewichtet.

"Es ist das größte Bauvorhaben der Gesundheitsversorgung in der Region Hamburg", illustriert Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) die Dimension des Projekts. Auf Basis aktueller Marktdaten komme man für die Kostengruppen 2 bis 7 nach DIN 276 auf ein Investitionsvolumen von 425 Mio. Euro.

"Enthalten sind dabei jedoch weder Baukostensteigerungen noch Gründung oder Erschließungskosten." So sind bis 2028 Investitionen von über 500 Mio. Euro zu erwarten. Zwei Drittel zahlt die Stadt Hamburg. Ein Drittel der Investitionskosten übernimmt Asklepios - obwohl das Unternehmen im Rahmen der dualen Krankenhausfinanzierung nicht verpflichtet wäre, wie Joachim Gemmel, Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg, betont. "Uns geht es wirtschaftlich jedoch so gut, dass wir den Anteil mitfinanzieren können."

Prüfer-Storcks merkt an, dass 25,1% dieses Drittels aufgrund der unternehmerischen Beteiligung an Asklepios ebenfalls von der Stadt Hamburg getragen werden. Ab 2004 hatte Hamburg in zwei Schritten 74,9% seiner Anteile an den einstmals städtischen Kliniken an Asklepios verkauft.

Quelle: Asklepios, Urheber: Hascher Jehle Architektur
Der Entwurf der erfolgreichen Arbeitsgemeinschaft vom Park aus gesehen.

Quelle: Asklepios, Urheber: Hascher Jehle Architektur

Wie die Bestandsgebäude entsteht auch der Neubau auf einem Erbpachtgrundstück, das Eigentum des Hamburgischen Versorgungsfonds (HVF) wird. "Der Erbbaurechtsvertrag läuft so lange, wie das Areal für die Klinik genutzt wird - maximal 66 Jahre", führt die Senatorin aus.

Nach der Entscheidung über den Hochbauwettbewerb im Frühjahr 2020 folgt eine dreijährige Planungsphase. Von 2023 bis 2028 soll gebaut werden. In dieser Frist wird auch über eine Nachnutzung des 1959 bis 1971 nach einem Entwurf des bekannten Hamburger Architekten Werner Kallmorgen errichteten und denkmalgeschützten 23-geschossigen Klinikhochhauses nachgedacht. Gemmel erinnert an die schlechte energetische Bilanz sowie die vertikale Organisation des Hochhauses, die eine Modernisierung als Krankenhaus ausschließe.

Ein Gutachten von 2018 zeige Nachnutzungsoptionen für das 123.000 m² BGF große Gebäude auf, erläutert Johannes Gerdelmann, Baudezernent des Bezirks Altona, Wohn-, Kultur- oder Hotelnutzungen etwa. Auch Wohnungen für Mitarbeiter seien eine Option. Die Senatorin betont, bei dieser Größe sei eine Mischnutzung sinnvoll und verweist auf die Wertschöpfungsmöglichkeiten des fantastischen Blicks auf Hafen, Hamburger City und Altona. "Zudem würden wir es als Stadt sehr begrüßen, wenn Asklepios hier eine Ausbildungsstätte für Pflegekräfte betreiben würde."

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