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Märkte | 09.01.2020

Aus IZ01-02/2020, S. 14

Von Christoph von Schwanenflug und Harald Thomeczek

In diesem Artikel:

Krisenfilialisten bauen Druck auf Vermieter auf

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Wer braucht schon Läden? Zeltverkauf von C&A.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Den Vermietern von Handelsimmobilien steht ein ungemütliches Jahr 2020 bevor. C&A plant angeblich die Schließung von 100 Geschäften, Depot will weniger Miete zahlen, Media-Saturn seine Märkte verkleinern - und Tom Tailor zieht seine schützende Hand über Bonita weg.

Das neue Jahr beginnt, wie das alte geendet hat: Krisenunternehmen aus dem filialisierten Einzelhandel wollen ihre Verkaufsflächen verkleinern, Mietkosten senken oder beides und stimmen die Vermieter via Presse auf entsprechende Verhandlungen ein. Ganz vorne dabei ist C&A, bis vor wenigen Jahren sozusagen der beste Freund der Immobilienbranche. Das Textilkaufhaus der Familie Brenninkmeijer, die 2018 angeblich versucht hat, C&A nach China zu verkaufen, will einem Bericht des manager magazins (mm) zufolge sein Filialnetz kräftig eindampfen. Laut mm-Recherchen stehen rund 100 der 450 Geschäfte hierzulande auf der Kippe. Die Verkleinerung des Filialnetzes sei Teil eines Restrukturierungsprogramms, mit dem C&A seinen wichtigsten Markt sanieren wolle. C&A verhandle zurzeit mit Vermietern, um deutliche Mietsenkungen durchzudrücken. Gewährten diese die geforderten Zugeständnisse nicht oder rechne sich ein Laden ohnehin nicht mehr, ziehe der Einzelhändler aus, schreibt das Magazin.

Auf Anfrage der Immobilien Zeitung (IZ) erklärt C&A: "Wir überprüfen ständig unser Filialnetz und entscheiden auf der Basis von standortabhängigen Analysen über Schließungen sowie Modernisierungen und Neueröffnungen. Die in den Medien genannten Zahlen möglicher Filialschließungen über die nächsten Jahre sind reine Spekulation. Bestätigen können wir die Schließungen in Dessau, Rottenburg, Witten und Stadthagen."

C&A hatte Ende der 1990er Jahre eine schwere Krise. Nach der Jahrtausendwende wurden dann dem aufkommenden Onlinehandel zum Trotz Mietverträge am Fließband unterschrieben. 2004 eröffnete C&A rund 50 Geschäfte. Die vielen Einkaufszentren in Mittelstädten, die bis zur Finanzkrise 2007 geplant wurden, wären ohne die Brenninkmeijers gar nicht möglich gewesen (siehe "Die Überlebenskünstler", IZ 13/14). So war C&A in zwölf der 16 in den Jahren 2010 und 2011 in Deutschland eröffneten größeren Shoppingcentern vertreten. Die jetzt bestätigten vier Schließungen lassen vermuten, dass nicht die alteingesessenen Großstadt-Kaufhäuser, sondern eher Läden in der Provinz zur Disposition stehen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
Depot-Filiale in Wiesbaden.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

C&A hat sein Filialnetz in den vergangenen Jahren bereits geräuschlos verkleinert. Seit dem Zeitpunkt der größten Ausdehnung hierzulande (rund 500 Geschäfte im Jahr 2014) sind rund 50 Stores verschwunden. Die Meldung im manager magazin könnte darauf hindeuten, dass dieser Prozess beschleunigt werden soll. Bei seinen Vertragsverhandlungen dürften C&A die Vorbilder H&M und Inditex (Zara u.a.) vor Augen stehen. Die beiden Moderiesen nutzen Verhandlungen bei auslaufenden Mietverträgen nicht nur dazu, Mietsenkungen durchzusetzen, sondern auch kürzere Mietverträge bzw. zusätzliche Ausstiegsklauseln zu vereinbaren.

"Die Mieten müssen an vielen Standorten runter"

Unverhohlene Drohungen in Richtung Vermieter stößt Christian Gries aus, Inhaber des Dekorationsfilialisten Depot. Das Unternehmen mit rund 400 Filialen in Deutschland muss sich nach dem gerade vollzogenen Ausstieg von Migros alleine am Markt behaupten und will nun offenbar auf breiter Front Mietsenkungen durchdrücken. Gries nutzte ein Interview mit Der Welt, um Ladenschließungen anzukündigen. Wie viele Filialen am Ende geschlossen würden, hänge "sehr von den Gesprächen mit den Vermietern ab. Die Mieten müssen an vielen Standorten runter und sich den Frequenzen anpassen", erklärte Gries. Als Größenordnung stellt er "20% bis 30%" in den Raum. Die Zeit für Verhandlungen sei günstig, meint er. "Die meisten Mietverträge haben oder hatten eine zehnjährige Laufzeit, viele davon nähern sich dem Ende. Wenn uns die Eigentümer entgegenkommen, sind wir sehr wohl bereit, Verträge zu verlängern und in den Standort zu investieren." Gries räumte auch eigene Fehler ein. Depot sei "behäbig" geworden. "Wir müssen jetzt wieder dynamischer werden, konzentrierter, schlanker."

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Flächenschrumpfung ist bei Media-Saturn erklärtes Ziel.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Eine Verkleinerung der Verkaufsflächen ist das erklärte Ziel von Media-Saturn. Die 431 deutschen Filialen des Unterhaltungselektronikmarkts (davon 275 Mal Media-Markt) sind derzeit im Durchschnitt 2.900 m2 groß. Mittelfristig sollen es nur noch um die 2.000 m2 sein. Das ist die Größe der Filialen, die in den vergangenen drei bis vier Jahren eröffnet haben "oder bei denen im Zuge eines Totalumbaus die Flächen reduziert wurden", wie das Unternehmen auf IZ-Anfrage mitteilt. Bei der Flächenschrumpfung kann Media-Saturn allerdings nicht schalten und walten wie ein klassischer Filialist. Das Unternehmen muss sich nicht nur mit den Vermietern ins Benehmen setzen, sondern auch mit den Geschäftsführern der Märkte - sie sind in der Regel mit 10% an der jeweiligen Betreibergesellschaft beteiligt.

Die börsennotierte Media-Saturn-Mutter Ceconomy hat Mitte Dezember die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2018/19 vorgestellt. Das Unternehmen erzielte bei einem Umsatz von rund 21,5 Mrd. Euro (davon 10,5 Mrd. in Deutschland) ein Vorsteuerergebnis (Ebit) von 423 Mio. Euro. "Wir haben den negativen Trend erfolgreich gestoppt und das operative Geschäft stabilisiert", sagte CEO Bernhard Düttmann bei der Bilanzpressekonferenz. Am 26. März will Ceconomy Näheres zu seiner künftigen Strategie bekannt geben.

Eine Nachricht, die für die Vermieter der 515 deutschen Bonita-Läden wichtig werden könnte, ist einem Bericht der Fachzeitung TextilWirtschaft zu entnehmen. Demnach hat der Modefilialist nicht mehr auf finanzielle Hilfe der Schwesterfirma Tom Tailor zu rechnen. Der Gewinnabführungsvertrag der unter einem Konzerndach agierenden Unternehmen sei beendet worden, schreibt das Fachmagazin. Der Konzern hätte die defizitären Bonita-Läden 2019 gerne in die Niederlande verkauft, war damit aber am Einspruch der finanzierenden Banken gescheitert.

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