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Politik | 09.01.2020

Aus IZ01-02/2020, S. 2

Von Tilman Gartmeier

In diesem Artikel:

Es droht eine neue Wohnungs-DDR

Dem Staat mangelt es an kreativen Ideen, durch Förderung die Wohnungsknappheit zu lindern. Stattdessen wird Sozialismus praktiziert, meint Tilman Gartmeier, Geschäftsführer bei Cube Real Estate.

 Quelle: Cube Real Estate GmbH, Urheber: Stefan Gatzke
Tilman Gartmeier.

Quelle: Cube Real Estate GmbH, Urheber: Stefan Gatzke

Wie war das noch gleich mit der DDR? Der Staat denkt und lenkt! Maximale Regulierung, kein Spielraum für kreatives, freies Handeln. Ergebnis: Stillstand, Tristesse und am Ende der Zerfall. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass 30 Jahre nach dem Mauerfall bei einem gesellschaftlich so relevanten Thema wie dem Schaffen von Wohn- und Lebensräumen die staatlichen Institutionen wieder das Heft des Handelns weitgehend in die Hand nehmen wollen. So planen Berlin und Frankfurt drastische Eingriffe in den freien Wohnungsmarkt. Danach dürfen Projektentwickler in Frankfurt - neben zahlreichen anderen Vorgaben - künftig nur noch 30% der Bruttogrundfläche nach eigenem Ermessen bebauen - der Rest wird strikt reguliert.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Leitplanken durch die Politik sind beim Wohnungsbau in Ordnung und geben einen Spielraum vor, in dem sich alle Akteure bewegen können. Doch was hier gerade entsteht, ist ein regulatorischer Flickenteppich, unüberschaubar und ineffizient. Diese Entwicklung treibt motivierte Spieler vom Spielfeld. Die Margen werden enger, Risiken steigen und der Dschungel aus Gesetzen und Verordnungen wird undurchdringlich. Da fragen sich viele Akteure, ob sie sich Wohnraumentwicklung noch leisten können oder ob sie sich besser anderen Assetklassen zuwenden. Das führt zu weniger Wettbewerb, sinkender Qualität und schlechterer Wirtschaftlichkeit. Am Ende des Tages müssen dann Landes- oder Kommunalunternehmen diese Aufgabe stemmen. Ich will keine Gedanken an trostlose Plattenbausiedlungen heraufbeschwören. Aber so, wie ich Projektentwicklung verstehe, gestalten wir inspirierende Lebensräume. Das sind keine Verwahrstätten, sondern Orte, die Menschen als ihr Zuhause bezeichnen.

Die Immobilienwirtschaft zu verpflichten, Teile ihrer Projekte mit Maximalmieten zu versehen, ist grundsätzlich gut. Ich plädiere aber für ein Anreizsystem. Frei abrufbare Förderungen für die Einhaltung definierter Mietniveaus sind besser und marktwirtschaftlich geschickter. Um einen regulatorischen Wildwuchs zu vermeiden, sollten Sozialquoten mindestens auf Landes- und im besten Fall auf Bundesebene festgelegt werden. Denken wir noch einen Schritt weiter: Warum wird geförderter Wohnraum nur zur Miete angeboten? Warum gibt es keine Maximalkaufpreise für Wohneigentum mit einem nach Einkommensgruppen definierten Finanzierungskonzept des Bundes? Ich lade die Politik zum kreativen Dialog mit der Immobilienwirtschaft ein. Motto: Fördern statt fordern!

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