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Märkte | 09.01.2020

Aus IZ01-02/2020, S. 2

Von Thomas Beyerle

In diesem Artikel:

Sinnlose Städterankings

Der Philosoph Søren Kierkegaard schreibt: "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." Dieser Satz lässt sich für Thomas Beyerle, Chef von Catella Property Valuation, auch auf den (geringen) Nutzen von Städterankings übertragen.

Quelle: Catella
Thomas Beyerle.

Quelle: Catella

In der Immobilienwirtschaft sind Standortvergleiche sehr beliebt. Mit ihnen lässt sich Subjektives vermeintlich objektiv darstellen. Die Grundsatzfrage "lässt sich das wirklich vergleichen?" wird dabei gerne unter den Tisch fallen gelassen. Die empirische Grundregel, wonach verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zur selben Fragestellung mit identischen Methoden zu denselben Ergebnissen führen müssen, wird bei Städterankings nicht erreicht.

Methodisch besonders anspruchsvoll ist es, Städte (vor allem in Bezug auf die Immobilienwerte) zu vergleichen, wenn sie sich deutlich in ihrer Größe unterscheiden. Gerade die grassierende Hybris, unsere Hauptstadt Berlin mit London oder New York in einer Liga zu messen, sollte vor diesem Hintergrund selbstkritisch hinterfragt werden.

Es ist auch schwierig, Städte zu vergleichen, wenn sie sehr unterschiedliche wirtschaftliche Grundlagen haben. Wäre es stattdessen vielleicht sinnvoller, Branchen mit einer starken Präsenz in verschiedenen Städten zu vergleichen? Die Tech-Sektoren in Berlin und London? Die Londoner City und Frankfurt aus Bankensicht? Auch das würde an den Tatsachen nichts ändern. Wir Frankfurter haben längst gemerkt, dass wir zwar ein kontinental bedeutender Finanzplatz sind und durchaus im Wettbewerb mit Paris, Luxemburg und Amsterdam stehen, aber eben doch nur die zweite Reihe hinter New York, London und Tokio bilden. Selbst Dubai hat es - trotz massivem PR-Einsatz - nicht geschafft, dorthin aufzusteigen. Die vorderen Plätze sind augenscheinlich vergeben.

Ergibt es also einen Sinn, Städte wie London und Berlin miteinander zu vergleichen? Für den, der damit mediale Beachtung finden möchte, vielleicht ja. Aber empirisch ist das Resultat eben nicht haltbar: Kein Verfahren für Städterangfolgen führt bei komplexen Sachverhalten zu validen und wirklich interpretationsfähigen Ergebnissen. Es sind reine Momentaufnahmen ohne kausale Wirkungszusammenhänge. Jedes Ranking arbeitet mit unterschiedlicher (subjektiver) Gewichtung und Methode. Mehr noch: es werden zumeist unterschiedliche Raumeinheiten bzw. Zuschnitte gewählt, unterschiedliche Ausgangsbedingungen werden nicht berücksichtigt, insbesondere wichtige weiche Faktoren wie Lebensgefühl oder Karrierechancen sind schwer zu messen. Jede noch so gut gemeinte Komplexitätsreduzierung bedeutet einen Verlust an Informationen. Im Falle Berlin und London wären das z. B. Informationen über regionale Entwicklungszusammenhänge.

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