Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Politik | 19.12.2019

Aus IZ51/2019, S. 25

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Berlin
  • Organisationen:
    Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, Die Linke, Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU
  • Personen:
    Maren Kern
  • Immobilienart:
    Wohnen

BBU fordert Ausnahmen vom Mietendeckel

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter
In Berlin sind 65.000 genehmigte Wohnungen noch nicht gebaut.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Berlin. Der jährlich erscheinende Marktmonitor vom Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) soll mehr Transparenz in den Wohnungsmarkt der Hauptstadt und der umliegenden brandenburgischen Kommunen bringen. In diesem Jahr dient er in Bezug auf Berlin auch als Nachweis dafür, dass die Mitglieder gemeinwohlorientiert handeln und vom Mietendeckel ausgenommen werden müssten.

Vor kurzem kam es beinahe zu Eklat: Auf dem Parteitag der Berliner Linken Ende November wurde ein Beschluss gefasst, der forderte, dass die kommunalen Unternehmen aus dem BBU austreten sollten, wenn dieser weiterhin Kritik am Mietendeckel übt. Die Koalitionspartner SPD und Grüne wollten dabei aber nicht mitspielen, und so darf der BBU weiterhin seine Meinung äußern, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Das nutzt der Verband, um beim diesjährigen Marktmonitor zu zeigen, dass die Mitgliedsunternehmen gemeinwohlorientiert handeln und im Vergleich zu anderen Vermietern günstig vermieten. Verknüpft ist dieser Nachweis mit der Forderung, nachweislich gemeinwohlorientierte Unternehmen vom Mietendeckel auszunehmen.

Eine solche Ausnahme käme den meisten im BBU organisierten Berliner Wohnungsunternehmen entgegen. Die Mitglieder verwalten 715.000 Wohnungen bzw. 43% aller Berliner Mietwohnungen. Von diesen wiederum gehören 310.000 Einheiten zu den Beständen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die schon seit einiger Zeit nach Vorgabe des Senats die Bestandsmieten nur um maximal 2% pro Jahr erhöhen dürfen. Auch die Wohnungen zahlreicher Genossenschaften und kirchlicher Träger gehören dazu. Entsprechend günstig fallen die Bestandsmieten der BBU-Mitgliedsunternehmen aus. Im Schnitt verlangen sie 6,14 Euro/m2 im Bestand und 10,17 Euro/m2 für Wohnungen, die zum ersten Mal bezogen werden. Bei der Neuvermietungen von Bestandswohnungen liegt der Preis bei durchschnittlich 7,80 Euro/m2. Die Erstbezugsmieten betragen im Mittel 10,17 Euro/m2. Zum Vergleich: Berlinweit liegen sie im Schnitt bei 14 Euro/m2. Damit liegen die Wohnungen der BBU-Mitglieder bei den Bestandsmieten 17% und bei Neuvermietungsmieten 29% unter dem Berliner Durchschnittswert, wie der Verband nach Auswertung von Marktdaten ermittelt hat. Zu den BBU-Mitgliedern zählt übrigens auch die Gesellschaft Deutsche Wohnen, der in Berlin und dem Umland 110.000 Einheiten gehören.

Diese Zurückhaltung lasse sich auch beziffern: "Bei der Neuvermietung verzichten BBU-Mitgliedsunternehmen im Vergleich zum Marktdurchschnitt auf 82 Mio. Euro an möglichen Mehreinnahmen, im Bestand sogar auf rund 582 Mio. Euro im Jahr - freiwillig und aus sozialer Verantwortung", rechnet BBU-Vorstand Maren Kern vor. Insgesamt addiere sich die Entlastungswirkung der sozialen Wohnungswirtschaft in Berlin somit auf gut 663 Mio. Euro im Jahr. Ausgangspunkt für die Kalkulation ist eine durchschnittliche Neuvertragsmiete von 7,80 Euro/m² für die Wohnung eines BBU-Mitgliedunternehmens im Vergleich zum allgemeinen Marktdurchschnitt von 10,96 Euro/m². Für eine Wohnung von 60 m² ergibt sich pro Jahr eine um 2.300 Euro geringere Mietbelastung.

5,5 Mrd. Euro weniger Investitionen in Neubau und Sanierung

Kommt der Mietendeckels müssten die im BBU organisierten Unternehmen unfreiwillig auf weitere Einnahmen verzichten. Eine aktuelle Umfrage habe ergeben, dass sich ihre Einnahmeverluste über fünf Jahre auf insgesamt rund 1,1 Mrd. Euro summieren würden. Dieses Geld würde fehlen, um in den Bestand und den Neubau zu investieren, kritisiert Kern. Gehe man davon aus, dass ein Euro Eigenkapital fünf Euro Investitionen finanziert, würden bis zu 5,5 Mrd. Euro weniger für Modernisierung und Bestandserweiterung zur Verfügung stehen. Entsprechend gingen die Unternehmen davon aus, ihre Neubaupläne um mindestens ein Viertel reduzieren zu müssen. "Wir appellieren deshalb dringend an das Berliner Abgeordnetenhaus, den Mietendeckel fallen zu lassen oder zumindest gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen von ihm auszunehmen", fordert Verbandsvertreterin Kern.

Einnahmeverluste von 1,1 Mrd. Euro kommen auf die BBU-Mitglieder zu

Während in Berlin die Wohnungsknappheit und der Mietendeckel zentrale Themen des BBU sind, geht es in Brandenburg darum, wie der Wohnungsmarkt in strukturschwachen Regionen wie der Lausitz gestärkt werden kann. Sorge bereitet dabei die Entwicklung, dass die Bestands- und Neuvermietungsmieten bei den Brandenburger BBU-Mitgliedsunternehmen deutlich langsamer steigen als die Baupreise. "Auf Dauer schwächt eine solche Entwicklung die Investitionskraft der Wohnungswirtschaft, die in vielen Städten zu den großen Auftrags- und Arbeitgeberinnen zählt", erläutert Kern und fordert in strukturschwächeren Regionen mehr Unterstützung durch das Land, auch beim Stadtumbau und dem Ausbau der Infrastruktur. Insgesamt sind die Mieten in Brandenburg durchweg günstiger als in Berlin. Die Bestandsmieten liegen bei 5,14 Euro/m2, die Neuvertragsmieten bei 5,76 Euro/m2 und die Erstbezugsmieten im Mittel bei 9,72 Euro/m2. Für die Erhebung der Daten hat der BBU rund 900.000 Bestands- und Neumietverträge ausgewertet. Im Vergleich zu anderen Studien, die vornehmlich auf Angebotsmieten in Immobilienportalen basieren, fließen also reale Bestands-, Neuvertrags- und Erstvermietungsmieten in den BBU-Marktmonitor ein und liefern eine solide Datenbasis. Diese Markttransparenz fehle bei Vergleichsstudien.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!