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Digitales | 19.12.2019

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Aus IZ51/2019, S. 14

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Simplifa
  • Personen:
    Ludwig von Busse

"Kein Proptech will zum reinen Schnittstellenbetreiber verkommen"

Quelle: Simplifa GmbH
Ludwig von Busse.

Quelle: Simplifa GmbH

Simplifa-Chef Ludwig von Busse setzt darauf, Schnittstellen zu etablierter Software wie den Programmen zur Unternehmensressourcenplanung (ERP-Systeme) zu schaffen, ohne beliebig zu werden.

Immobilien Zeitung: Herr von Busse, die Proptechbranche glänzt zwar mit vielen guten Ideen, aber nach den jüngsten Studien erfolgt die Integration ihrer Lösungen in die etablierte Immobilienwirtschaft nur sehr punktuell. Woran liegt das?

Ludwig von Busse: Eine generelle Hürde in der Proptechlandschaft sind die vielen Insellösungen. Die sind zwar an sich oft ganz schön, aber kein großer Asset-Manager oder Immobilienentwickler will sich selbst eine riesige Datenplattform bauen, um alle verfügbaren digitalen Angebote selbst zu integrieren. Und schon gar nicht wird er wegen uns sein ERP-System wechseln. Die Proptechs müssen sich zum einen miteinander verbinden und gemeinsame Angebote schaffen, die sich gegenseitig ergänzen. Zum anderen müssen wir zu den gängigen Systemen der Immobilienwirtschaft Schnittstellen schaffen. Wer einen digitalen Zwilling des Objekts erschaffen will, muss viele Sprachen sprechen, also sich in zahlreichen IT-Systemen auskennen. Natürlich erfordert das Investitionen, aber wir sind mit genug Finanzmitteln ausgestattet.

IZ: Wie geht Simplifa selbst mit dem Anspruch um, sich mit anderen zu verbinden? Gibt es schon entsprechende Kooperationen?

von Busse: Durchaus. Wir selbst sehen uns als Kümmerer für das Thema Aufzüge und haben dabei drei Säulen im Blick: die Digitalisierung von Dokumentationsunterlagen, die Sensorik im Aufzug sowie Algorithmen für dessen vorausschauende Wartung. Bei der Dokumentation etwa gibt es naturgemäß Anknüpfungspunkte mit Datenmanagementunternehmen wie Architrave, mit dem wir bereits eine Kooperation in der Umsetzung haben.

IZ: Und wie ist es um die Verknüpfung mit anderen IT-Systemen bestellt?

von Busse: Im Rahmen unseres digitalen Zwillings haben wir ein IoT-Gerät entwickelt, das es uns ermöglicht, unabhängig vom Aufzughersteller die Betriebseigenschaften des Aufzugs mittels Sensorik auszulesen. Dieser wirkt dabei wie ein digitaler Concierge-Service, der alle zu ergreifenden Maßnahmen steuert. Ich denke, dass es eine wesentliche Aufgabe für Proptechs darstellt, Schnittstellen in andere Systeme zu schaffen, um die gesammelten Daten auszutauschen. Wenn dann noch geklärt ist, dass die Daten des Gebäudebetreibers, wie bei unserem Vorgehen, nur ihm gehören, verschwinden die meisten Vorbehalte gegen eine externe Datenanalyse. Zwar will kein Proptech zum reinen Schnittstellenprovider verkommen, aber es muss möglich sein, sich an vielfältige Systeme andocken zu können. Leider läuft das in der Immobilienbewirtschaftung bisher suboptimal, jeder Beteiligte kocht sein eigenes Süppchen und traut den Daten nicht, die die anderen erhoben haben. Das hat aber neben dem Mangel an Schnittstellen auch strukturelle Gründe.

IZ: Was für Gründe sind das?

von Busse: Der wichtigste ist die starke Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Rollen in der Immobilienverwaltung. Ein Facility-Manager will andere Daten sehen als ein Asset-Manager und für uns enthält ein Stammdatensatz zu einem Aufzug wieder ganz andere Informationen, als es ein Gebäudeverwalter gewohnt ist. Aber wenn einmal diese Verständnisbarriere genommen ist und klar wird, was jeder einzelne benötigt, lassen sich erhebliche Effizienzgewinne realisieren. Stellen Sie sich mal vor, Sie betreiben ein Pflegeheim und der Aufzug fällt aus. Dann müssten Sie sofort ein Ersatzteil kaufen. Der Hersteller kann dann einen Fantasiepreis aufrufen und Sie werden ihn zahlen müssen. Wir überwachen nicht nur die Wartungszyklen, sondern unsere Sensorik merkt auch, wenn der Aufzug nicht rund läuft - und ein Ausfall droht. Dann können wir in Ruhe für den Betreiber die Beschaffung des passenden Ersatzteils veranlassen, noch bevor die Anlage stehenbleibt. Zudem lässt sich durch vorausschauende Wartung die Lebensdauer eines Aufzugs strategisch verlängern. In einem Jahr Aufzugsnutzung spart unsere Lösung damit im Schnitt 30% der Kosten. Dafür nehmen wir eine Pauschale je Jahr und Aufzug, aber bewusst keine Umsatzbeteiligung an den Ersatzteilen oder Reparaturaufträgen. Wenn es die gäbe, hätten wir ja ein Interesse, möglichst viele Reparaturen zu verkaufen, das würde dem Kunden dann kaum Geld sparen.

IZ: Gibt es neben dem Thema Effizienz noch andere Anwendungen?

von Busse: Zum einen spielen die Bereiche Betriebssicherheit und Haftungsrisiko eine große Rolle. So lassen sich Regeln definieren, die Einhaltung der gesetzlich definierten Betreiberpflichten automatisiert zu prüfen und die notwendigen Umsetzungen einzuleiten. Und vergessen wir nicht das Thema Nachhaltigkeit: Mit der richtigen Technik lassen sich leicht mehrere Tonnen CO2 je Aufzug und Jahr einsparen. Vielen Gebäudebetreibern etwa ist nicht bewusst, dass Aufzugsschächte eine permanente Öffnung nach draußen haben müssen, damit im Brandfall der Rauch abziehen kann. Allerdings geht dadurch im Winter viel Wärme verloren und im Sommer heizt sich das Gebäude leichter auf. Da hilft eine sensorgesteuerte Klappe, die sich nur öffnet, wenn der Rauchmelder Alarm gibt. Die gezielte Auswertung der Sensordaten ermöglicht auch in Zukunft noch weitere Anwendungsfälle. Letztlich bietet die Digitalisierung neben dem Effizienzgewinn auch ein Mittel, um bisher noch nicht existierende Dienstleistungen anbieten zu können.

IZ: Herr von Busse, Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.