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Unternehmen | 19.12.2019

Aus IZ51/2019, S. 13

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Die Arbeit für redos, der Deal für x+bricks

Quelle: Imago Images, Urheber: Ralph Peters
real-Filiale in Berlin.

Quelle: Imago Images, Urheber: Ralph Peters

Das Angebot des x+bricks-Konsortiums für die SB-Warenhauskette real fußt wohl zu einem wichtigen Teil auf der Vorarbeit des Konkurrenten redos. Insbesondere profitiert x+bricks davon, dass die kartellrechtlichen Risiken der Transaktion durch die Vorarbeit von redos kalkulierbarer sind als vor einem halben Jahr. Das wurde bei der Bilanzpressekonferenz von Metro deutlich. Der real-Umsatz sackte im vergangenen Geschäftsjahr unter 7 Mrd. Euro.

Metro-Chef Olaf Koch hat auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 12. Dezember interessante Einblicke in den Verkaufsprozess der Tochtergesellschaft real gewährt. Insbesondere wurde klar, warum Metro die Verhandlungen mit dem Konsortium aus den Firmen redos, ECE und Morgan Stanley Real Estate beendet und stattdessen einem Bündnis von x+bricks und The SCP Group Exklusivität eingeräumt hat. Das Bündnis war im Mai dieses Jahres, als redos Exklusivität bekam, aus dem Rennen ausgeschieden.

Entscheidend aus Metro-Sicht sei gewesen, dass x+bricks und SCP bereit seien, das SB-Warenhaus "zu 100%" zu übernehmen, sagte Koch. Die sonstigen Kennzahlen des x+bricks-Angebots vom Mai hätten sich "im Wesentlichen nicht verändert". Die Entscheidung, den Verhandlungspartner beim real-Verkauf zu wechseln, hatte der Metro-Aufsichtsrat am 4. Dezember getroffen.

Metro-Chef Olaf Koch: "x+bricks übernimmt das kartellrechtliche Risiko"

Durch die Komplettübernahme von real durch die von x+bricks/SCP angebotene Form könnte Metro sämtliche kartellrechtlichen Risiken der Transaktion auf einen Schlag abstreifen. "x+bricks übernimmt das kartellrechtliche Risiko der Weitergabe der Standorte", stellte Koch klar. Koch räumte ein: "Der Prozess dauert deutlich länger, als wir uns es vorgenommen haben, ist aber jetzt auf einem sehr, sehr guten Weg. Wir sehen die Ziellinie in Reichweite." Leider sei es nicht möglich gewesen, den gesamten real-Verkauf "vertraulich abzuwickeln", wie er es eigentlich gerne gehabt hätte.

Und weiter: "Der Dialog mit x+bricks und die Professionalität der Zusammenarbeit ist hervorragend." Koch zeigte sich sehr zuversichtlich, dass Metro und das x+bricks-Konsortium wie angekündigt bis spätestens zum 31. Januar 2020 einen Kaufvertrag für real unterschrieben haben werden. Metro werde aber nur einen Kaufvertrag abschließen, bei dem die "Wahrscheinlichkeit, dass uns das Kartellamt einen Strich durch die Rechnung macht, gleich null ist". Das Kartellamt begleite den real-Verkauf mit "extrem hoher Aufmerksamkeit".

Auf die Frage eines Journalisten, warum x+bricks in sechs Wochen das schaffen solle, was redos in sechs Monaten nicht geschafft habe, antwortete Koch: "Die kartellrechtliche Seite der Transaktion ist heute deutlich transparenter als im Mai." Was Koch damit zum Ausdruck bringt, ist folgendes: Metro und redos haben in den seit Mai laufenden Gesprächen mit dem Bundeskartellamt offenbar ein sehr klares Bild darüber erhalten, welche LEH-Unternehmen - Kaufland, Edeka, Rewe, Globus etc. - aus kartellrechtlicher Sicht welchen der rund 280 real-Standorte übernehmen dürfen - und welche eben nicht. Dieses Wissen steht dem x+bricks-Konsortium als exklusiver Verhandlungspartner von Metro jetzt unmittelbar zur Verfügung.

Anders ausgedrückt: Während redos-Chef Oliver Herrmann und Metro mit dem Kartellamt im vergangenen halben Jahr Standort für Standort auf ihre Übernahmefähigkeit durch ein anderes LEH-Unternehmen abgeklopft haben, können Stefan Zimmermann und Sascha Wilhelm von x+bricks jetzt mit einer vom Kartellamt mehr oder weniger abgenickten Standortliste in die Vermarktung der real-Standorte gehen.

Koch behauptete gegenüber den Journalisten auch, Metro sei wegen real "sehr früh auf das Kartellamt zugegangen". An dieser Darstellung sind Zweifel angebracht. redos hatte sich im April 2019 aus dem Bieterprozess zurückgezogen, gerade weil Metro nicht bereit war, mit dem Kartellamt vorab die Übernahmefähigkeit von real-Märkten zu klären. "Metro wollte die kartellrechtlichen Risiken des Verkaufs komplett auf den Käufer abwälzen", hieß es damals aus dem redos-Lager gegenüber der IZ (siehe "redos-Konsortium zieht sich aus real-Verkaufsprozess zurück", IZ 16/19). Erst der Rückzug von redos zwang Metro, sich mit dem Kartellamt ins Benehmen zu setzen.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, hat The SCP Group bei seiner ersten real-Offerte im Mai mit dem ehemaligen Kaufland-Chef Frank Lehmann zusammengearbeitet. Lehmann war für Kaufland auch viele Jahre in Osteuropa tätig. Derzeit ist der ehemalige Handelsmanager dem Vernehmen nach nicht Teil des Teams, das x+bricks und SCP für die real-Übernahme formieren. Lehmann hat sich nach seinem Ausscheiden bei Kaufland als Berater selbstständig gemacht und betreibt den Blog www.supermarkt-inside.de. Darin bespricht er z.B. die Eröffnung neuer Lebensmittelmärkte.

real erzielte 2018/2019 einen Umsatz von rund 6,9 Mrd. Euro. Das sind 1,6% weniger als im Geschäftsjahr 2017/2018 (rund 7 Mrd. Euro). Das Vorsteuerergebnis (Ebitda) sackte um 308 Mio. Euro auf -154 Mio. Euro ab. Die Zahl der Filialen von real ging von 279 auf 276 zurück.

real drückt Metro in die roten Zahlen

Der Metro-Konzern hat im Geschäftsjahr 2018/2019 seinen Umsatz um 1,5% auf 29,928 Mrd. Euro gesteigert (2017/2018: 29,476 Mrd. Euro). Das Vorsteuerergebnis (Ebitda) sank um 4,2% auf 1,173 Mrd. Euro (1,242 Mrd. Euro). Nach Abzug aller Kosten, Steuern und sonstigen Aufwendungen kommt ein negatives Periodenergebnis heraus (-115 Mio. Euro). Das liegt vor allem an real, das mit einem negativen Finanzergebnis (Ebit) von -555 Mio. Euro bilanziert wird. Höher als erwartet (250 Mio. bis 300 Mio. Euro) fielen die Einnahmen aus Immobilienverkäufen aus. Sie summierten sich auf 388 Mio. Euro. Dazu trugen insbesondere zwei große Transaktionen in China bei, eine in Indien sowie Sale-and-Lease-Back-Verkäufe von Metro-Märkten in Spanien, Ungarn, Tschechien und Polen. Rund 20 Mio. Euro spülte der Verkauf des Edu Einkaufsparks Duckwitz in Bremen an einen Corestate-Fonds in die Kassen von Metro.

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