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Unternehmen | 12.12.2019

Aus IZ50/2019, S. 15

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Metro wechselt mitten im Strom die Pferde

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug
real-Markt im Rathaus-Center in Essen.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Metro will das SB-Warenhaus real nicht an redos, sondern an ein Konsortium von x+bricks verkaufen. Bis zum 31. Januar 2020 soll ein Verkaufsvertrag geschlossen sein. Marktteilnehmer fragen sich, ob x+bricks die real-Immobilien für einen Börsengang haben will.

Seit Mai dieses Jahres hat Metro exklusiv mit einem Konsortium aus redos, Morgan Stanley und ECE über den Verkauf des SB-Warenhauses real verhandelt. Die Verhandlungen waren weit gediehen. Anfang Oktober meldete Metro den Verkauf beim Bundeskartellamt zur Genehmigung an. Danach machten u.a. Edeka und Tegut ihr Interesse an real-Märkten bei der Wettbewerbsbehörde aktenkundig. All das ist vorerst Makulatur, denn der Aufsichtsrat von Metro hat am 4. Dezember entschieden, die Verhandlungen mit redos zu beenden. Stattdessen wird nun einem Bündnis aus den Investmentfirmen x+bricks und The SCP Group Exklusivität eingeräumt. Beide Seiten haben eine Absichtserklärung unterzeichnet mit dem Ziel, "Verhandlungen zum Verkauf des SB-Warenhauses Real" zu führen. Bis zum 31. Januar 2020 soll ein unterschriebener Kaufvertrag vorliegen.

"Die Absichtserklärung sieht vor, das operative Geschäft von real, den Online-Marktplatz real.de sowie die 80 im Eigentum befindlichen Immobilien zu 100% an das Konsortium zu veräußern", teilt Metro mit. Das bedeutet: Anders als bei der redos-Offerte, bei der Metro mindesten drei Jahre am Betrieb von real-Märkten beteiligt geblieben wäre, ermöglicht die x+bricks-Offerte eine sofortige Trennung von real. x+bricks verpflichtet sich, seine exklusive Kooperationsvereinbarung mit Kaufland zu lösen, wodurch die kartellrechtlichen Risiken der Übernahme reduziert werden. Ansonsten scheinen die Angebote in ihrer Struktur ähnlich. "Die Absichtserklärung sieht den Weiterbetrieb eines Kerns von real-Märkten vor. Der Großteil der Standorte soll an andere Händler abgegeben werden. Ziel ist es, die Händler vertraglich zur Übernahme der real-Mitarbeiter zu verpflichten", verlautbart Metro.

Ein Sprecher von redos sagt auf Anfrage: "Wir sind enttäuscht, drehen jetzt aber nicht auf dem Absatz um. Wir beobachten die Situation sehr genau. Solange die dicke Dame singt, ist die Oper noch nicht vorbei." Metro erklärt: "Trotz erheblicher Anstrengungen beider Parteien über die vergangenen Wochen und Monate haben Metro und redos letztlich keine Einigung über die Gesamtparameter der Transaktion und die Risikoverteilung erzielen können. Unabhängig davon sind beide Parteien überzeugt, dass das gemeinsam entwickelte Konzept, an dem über einen langen Zeitraum intensiv gearbeitet wurde, tragfähig gewesen wäre."

The SCP Group ist eine Investmentfirma mit Büros in London und Luxemburg, die mit dem Kapital des russischen Konzerns Sistema Immobilien kauft. Chairman of the Board ist Felix Jewtuschenkow, der ebenfalls dem Board of Directors von Sistema angehört. Felix ist der Sohn von Wladimir Jewtuschenkow, der Sistema gründete und 2005 an die Börse brachte. Sascha Wilhelm, der CEO von x+bricks, kennt Sistema noch aus seiner Zeit bei Corestate Capital. 2016 gründeten Corestate und SCP ein Joint Venture zum Kauf deutscher Handelsimmobilien.

Im Markt wird die Tatsache, dass x+bricks zurück im Rennen ist, registriert. "Da werden Volumen für einen Börsengang gesammelt", tippt ein Makler. Die Firma sei "sehr aggressiv unterwegs, was die Kaufpreise betrifft". Ein Mitarbeiter eines Unternehmens, das wie x+bricks Lebensmittelmärkte kauft, sagt: "Das Stichwort Reit hatte ich schon vor einiger Zeit vernommen." Für einen Börsengang spräche, dass sowohl Wilhelm als auch der x+bricks-CFO Jorgen Verink - Stichwort Corestate - Erfahrungen mit dem Börsengang einer Immobilienfirma haben. Aber auch x+bricks-Mitinhaber Stefan Zimmermann liebäugelte mit seiner früheren Firma Acrest und dem Partner Cerberus mit dem Parkett. Gegen einen IPO spräche ein ungünstiges Börsenklima für Aktien, die mit Einzelhandel zu tun haben. x+bricks hüllt sich auf Anfrage in Schweigen.

Kommentar zu "Metro wechselt mitten im Strom die Pferde"

Das Theater um den real-Verkauf verstellt den Blick auf die Frage: Wie geht es eigentlich mit der Großfläche im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) weiter? Oder anders ausgedrückt: Mit welchen Konzepten gehen die SB-Warenhäuser in die Zukunft?

Im Moment geht die Modernisierung von SB-Warenhäusern in der Regel mit einer Verkleinerung der Verkaufsflächen einher. Das Lebensmittelangebot wird neu inszeniert und mit Gastronomie abgeschmeckt. Das Non-Food-Angebot schrumpft. Fachmärkte übernehmen die durch die Verkleinerung des SB-Warenhauses frei gewordene Verkaufsfläche und sichern so die Funktion des Einkaufsorts als One-Stop-Shopping-Destination.

Vereinfacht ausgedrückt ist das die Ideengeschichte des SB-Warenhauses der vergangenen zehn Jahre. Aber wird es auch noch die Geschichte der kommenden zehn Jahre sein? Zweifel sind angebracht. Immer nur die Verkaufsfläche zu verkleinern und die Sicherung der Standort-Kompetenz an die Nachbarmieter zu delegieren, ist irgendwann auch keine Lösung mehr. Das SB-Warenhaus wäre gut beraten, wieder eigene Impulse zu setzen.

Das in dieser Hinsicht interessanteste Konzept verfolgt ausgerechnet real mit seinen vier Markthallen (Krefeld, Braunschweig, Balingen, Aschaffenburg). Seit Jahren werden für das Unternehmen die Sterbeglöckchen geläutet, aber auf seine alten tage wird real noch einmal richtig innovativ. Die Markthallen machen aus großen Lebensmittelmärkten wieder ein Erlebnis. Das ist der Plan. Als Vorbilder werden u.a. die Frankfurter Kleinmarkthalle, die Markthalle IX in Berlin-Kreuzberg, der Mercado da Ribeira in Lissabon oder der Mercato Centrale in Florenz genannt. "Unser Markthallenkonzept ist eine Symbiose aus Freiluftmarkt und Halle", sagt real-CEO Patrick Müller-Sarmiento. Er hält die Markthalle grundsätzlich überall dort für eine Option, wo es keine attraktiven Wochenmärkte gibt.

Die Markthalle weist die Richtung. Sie kann Menschen dazu bringen, in einem Lebensmittelmarkt wieder ein Ziel zu sehen. Das bringt Umsatzimpulse. Für Markthallen braucht es allerdings Platz. So gesehen ist die Markthalle ein Konzept, das den SB-Warenhäusern die Möglichkeit bietet, Flächen zu behalten und nicht immer nur abzugeben. Christoph von Schwanenflug

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