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Unternehmen | 12.12.2019

Aus IZ50/2019, S. 2

Von Peter Dietz

In diesem Artikel:

Mut zum "Nein" zu Amazon

Amazon ist ein Riese. Aber auch Riesen können machtlos sein. Auf dem Immobilienmarkt etwa. Denn da funktioniert der Wettbewerb um das knappe Gut Gewerbeflächen noch wie jetzt in Schwäbisch Gmünd. IZ-Redakteur Peter Dietz sieht darin ein gutes Zeichen.

Quelle: Immobilien Zeitung
Peter Dietz.

Quelle: Immobilien Zeitung

Es gibt sie noch: Die, die „Nein“ sagen zu Amazon. Acht davon sitzen im Verwaltungsausschuss der Stadt Schwäbisch Gmünd. 50 Kilometer östlich von Stuttgart wollte der Versandriese aus den USA ein weiteres Verteilzentrum bauen, sein Netz damit weiter und noch dichter spannen. Doch acht Lokalpolitiker waren dagegen und vereitelten die Pläne. Und das, obwohl Amazon bis zu 100 neue Jobs versprochen hatte. Und das, obwohl der Automobilzulieferer Bosch am Standort Gmünd massiv Stellen streichen will. In einer solchen Situation ist es schon mutig, einem namhaften, ansiedlungswilligen Konzern eine Abfuhr zu erteilen.

Es gibt aber gute Gründe, „Nein“ zu Amazon zu sagen. So bringt der Konzern im Verhältnis zum Flächenverbrauch relativ wenige Arbeitsplätze. Der meiste Raum wird fürs Lagern oder Umpacken der Waren sowie fürs Rangieren der Laster gebraucht. Hinzu kommt die fortschreitende Automatisierung im Onlinehandel und damit auch in den Logistikzentren von Amazon. Roboter, die eigenständig Waren picken und transportieren können, sind bei Zalando etwa schon lange im Einsatz. Sie sind billiger, dürfen rund um die Uhr schuften und melden sich nicht krank. Solche Roboter werden also schon bald viele der menschlichen Kollegen in den Lagern überflüssig machen. Für die, die bleiben, gilt Amazon nicht eben als Vorzeigearbeitgeber. Der Konzern will sich nicht an Tarife binden, Beschäftigte fühlen sich kontrolliert und schlecht bezahlt, die Arbeit in den grauen Hallen ist hart und eintönig. Schon mit Blick auf den zu erwartenden Anteil aus der Einkommensteuer gibt es für Kommunen, die knappe und damit wertvolle Gewerbeflächen im Angebot haben, sicher bessere Ansiedlungsalternativen. Hinzu kommt: Amazon & Co. bringen viel Lärm, viel Dreck und viel Verkehr. In Schwäbisch Gmünd wären täglich 50 Laster und 500 Sprinter zu der rund 30.000 m2 großen Halle hin und wieder weg gefahren. Den acht Räten im Verwaltungsausschuss der Stadt war das wohl zu viel - nicht einmal vorbereitenden Planungen wollten sie zustimmen.

Das zeigt: Die Macht von Amazon ist begrenzt - zumindest auf dem Immobilienmarkt. Gewerbegrundstücke sind knapp, der Wettbewerb ist groß und Logistiker haben kein gutes Image. Da ist es selbst für einen global agierenden Riesen wie Amazon schwierig, in der Provinz Fuß zu fassen. Grundstückseigentümern sollte das Mut machen. Mut, hohe ökologische und soziale Anforderungen an die Käufer und Nutzer zu formulieren - oder: „Nein“ zu Amazon & Co. zu sagen.

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