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Digitales | 05.12.2019

Aus IZ49/2019, S. 16

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Deutsche Bahn
  • Organisationen:
    Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, buildingSmart, Bayerische Ingenieurekammer-Bau
  • Personen:
    Rasso Steinmann, Dieter Babiel, Mark Sawyer, Markus Hennecke

Die Bauindustrie verweilt im digitalen Dornröschenschlaf

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Über 6.500 BIM-Interessierte zog es vergangene Woche ins IFC auf dem Münchner Messegelände.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Die BIM World in München verzeichnet steigende Besucherzahlen. Doch die Bauwirtschaft hinkt in puncto Digitalisierung nach wie vor hinterher, wie eine Studie des ZEW zeigt. Während manche Unternehmen auf Softwarefunktionen hoffen, die es noch gar nicht gibt, wünschen sich Verbandsvertreter mehr begleitende Maßnahmen der Politik.

Building Information Modeling (BIM) gilt als das Wundermittel, um die Bauwirtschaft fit zu machen fürs 21. Jahrhundert. Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, nannte vergangene Woche auf der BIM World Munich eine ganze Reihe von Problemen, die damit alle gelöst werden könnten: das Einbinden von Immobilien in die Kreislaufwirtschaft, die Übertragung von gefährlichen oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten an Maschinen, die Erhöhung der Attraktivität der Bauwirtschaft als Arbeitgeber und nicht zuletzt eine Verbesserung ihrer Produktivität.

Dass es beim letztgenannten Punkt deutliches Nachholpotenzial gibt, geht aus der Studie Zukunft Bau des ZEW hervor, die am Montag dieser Woche in Berlin vorgestellt wurde. Demnach betrug der reale jährliche Zuwachs der Arbeitsproduktivität je geleisteter Erwerbstätigenstunde in der Baubranche zwischen 1998 und 2015 gerade mal 0,12%, in der Gesamtwirtschaft waren es 1,12%. Die schwache Produktivitätsentwicklung am Bau ist zwar durchaus ein internationales Phänomen, in anderen europäischen Ländern hat die Bauindustrie im gleichen Zeitraum sogar an Produktivität eingebüßt. Ein Grund zum Ausruhen sollte das allerdings nicht sein. Das Potenzial zur Verbesserung der Prozesse in Bau und Planung ist schließlich weithin bekannt.

"Auf einer Baustelle ändern sich die Dinge alle zwei bis drei Stunden", erläuterte auf der BIM World Mark Sawyer, Leiter der Industriestrategie für den Baubereich beim US-Messgerätespezialisten Trimble. "Um das aber in der Planung anzupassen, benötigen wir mit den heutigen Prozessen mindestens zwei bis drei Wochen, und das nur, wenn alle Beteiligten hart genug arbeiten. Damit besteht innerhalb des gesamten Bauprozesses eine kontinuierliche Abweichung zwischen Planung und Ausführung." Mit einer konsequenten Anwendung von BIM, so die Hoffnung vieler Kongressbesucher, ließe sich das ändern. Doch in der Praxis arbeitet jeder Projektbeteiligte mit seiner eigenen Software vor sich hin. "Wenn ich heute bereits in der Lage wäre, einen digitalen Plan weiterzugeben, wäre schon viel gewonnen", sagte Markus Hennecke, Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Theoretisch sollte der Datenaustausch über den Standard der Industry Foundation Classes (IFC) an sich möglich sein. Doch ganz so einfach ist das nicht. "Viele Leute denken, wenn sie in ihrer Software auf das Feld IFC-Export drücken, dann werden wie durch Zauberhand alle Informationen übertragen", erklärte Rasso Steinmann, Vorsitzender der Initiative buildingSmart Germany. "IFC kann das zwar prinzipiell, aber eben nicht automatisch. Außerdem gibt es keine Software, die das gesamte Datenmodell austauscht." Da beispielsweise Statiker andere Daten aus einem Gebäudemodell benötigen als Brandschutzexperten, muss für jede Rolle im Planungsprozess ein eigenes Teilmodell definiert werden. Ansätze dazu gibt es, aber noch ist viel Grundlagenarbeit erforderlich.

52% der deutschen Baufirmen sehen keinen Digitalisierungsbedarf

Dennoch sehen laut ZEW-Studie 52% der deutschen Bauwirtschaft inklusive der Planungsunternehmen immer noch keinen Bedarf, gezielt Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Zwar hat sich die Besucherzahl der BIM World Munich seit der Erstauflage 2016 mehr als verdreifacht. Bei rund 330.000 Bauunternehmen und etwa 50.000 freischaffenden Architekten in Deutschland wirken 6.500 Kongressteilnehmer aber nicht mehr ganz so beeindruckend. Gerade kleine Betriebe, von denen es in Deutschland bei Bauunternehmen und Architekten besonders viele gibt, finden laut ZEW-Studie einfach nicht die Zeit, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen.

Zudem werde Digitalisierung von vielen Bauunternehmen nicht notwendigerweise mit BIM gleichgesetzt. Stattdessen feiern die Firmen schon vergleichsweise kleinteilige Maßnahmen wie den Einsatz eines Kalkulationsprogramms oder eines digitalen Fahrtenschreibers als Innovationsschub. Als BIM-Vorreiter wurde auf der Münchner Fachmesse ausgerechnet der Staatskonzern Deutsche Bahn genannt. Dem hat das Verkehrsministerium eine BIM-Kur verordnet - und so müssen auch alle von der Bahn beauftragten Unternehmen mitziehen. Von der Politik verlangten die auf der BIM World versammelten Verbandsvertreter ansonsten mehr Standardisierung, vor allem hinsichtlich des föderal zersplitterten Baurechts. Doch diese Forderungen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es jeden Einzelnen angeht, sich zukunftsfit zu machen. Unternehmen, die ihre Prozesse digitalisieren, würden im Falle einer Krise wesentlich besser dastehen also solche, die das versäumen, lautet das Fazit der ZEW-Studie.

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