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Unternehmen | 05.12.2019

Aus IZ49/2019, S. 6

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:

"Die Mietpreisbremse ist ein vernünftiges Tool"

Quelle: d.i.i. Deutsche Invest Immobilien GmbH
d.i.i.-Chef Frank Wojtalewicz, entspannt im Hier und Jetzt.

Quelle: d.i.i. Deutsche Invest Immobilien GmbH

Die meisten Bestandsentwickler haben gerade das Empfinden, alle Welt habe sich gegen sie verschworen. Mietpreisbremse, abgesenkte Mieterhöhung nach Modernisierung, der Deckel in Berlin und dann auch noch die vielen Anfeindungen durch die deutsche Mieterschaft. In den Chor der Beschwerdeführer reiht sich Frank Wojtalewicz nicht ein. Der Chef der d.i.i. (Deutsche Invest Immobilien)-Gruppe ist in ausgezeichneter Stimmung und findet sogar die Mietpreisbremse richtig.

Frank Wojtalewicz sitzt tief entspannt im großen Konferenzraum, auch wenn der Tag um 7 Uhr begann und vor 20 Uhr wohl nicht enden wird. Beifällig, beinahe liebevoll blickt er durchs Fenster auf die Baustelle schräg gegenüber dem Hauptsitz der d.i.i. am Beginn der Biebricher Allee in Wiesbaden. Das unaufhörliche Nachobenstreben des Bürohauses, in dem die d.i.i. bald zusätzlich 90 Arbeitsplätze belegen will, ist wie eine Metapher für die Entwicklung des 2006 gegründeten Wohnportfoliomanagers mit den Standbeinen Bestandsentwicklung und dem später hinzugekommenen Neubau. "Ja, es läuft schon ziemlich gut", sagt der geschäftsführende Gesellschafter, der für 2,3 Mrd. Euro Assets und für 1,3 Mrd. Euro Eigenkapital under Management hat und auch noch gut zweistellige Renditen vorweisen kann, ohne zu Letzterem allerdings Details zu nennen. Das alles "ausschließlich durch Wohnen in Deutschland", betont Wojtalewicz. Kein Ausland, kein Büro, obgleich dieses die Privatinvestoren, überwiegend vermögende Familien, sich hie und da schon einmal wünschten. Kurs und Balance halten, nicht zu laut Trommeln, stetig auch an den kleinen Verbesserungen arbeiten, das scheint das persönliche Programm von Wojtalewicz zu sein. Politik und Konjunkturprognosen können an diesem Fahrplan nichts ändern. "Wir machen kontinuierlich weiter, was wir ohnehin schon gut können und wo wir unser Know-how optimal einsetzen können."

Aktuell fordert das Unternehmen insbesondere der Neubau, der längst über die anfängliche Nachverdichtung hinausgewachsen ist. 155 Fertigstellungen hat d.i.i. im ablaufenden Jahr vorzuweisen. 30 zusätzliche Mitarbeiter sind 2019 eingestellt worden, sodass die Belegschaft auf 160 angeschwollen ist und - deshalb der Büroneubau - jährlich kontinuierlich um diese Menge weiter wachsen soll.

Für die Sparte Wohnungsneubau hatte die d.i.i.-Gruppe Anfang 2018 den Spezial-AIF d.i.i. 14 aufgelegt, "in diesen Tagen" wird der d.i.i. 15 folgen. Und dem Ende 2018 gestarteten d.i.i. 10 für Bestandswohnungen wird sich 2020 d.i.i. 11 anschließen. Die Schar der Interessenten ist groß, zunehmend drängen die Institutionellen mit ihrer Geldanlagenot herbei. "Wir nehmen da aber nicht alle. Wir sind mit unseren Privatinvestoren groß geworden und da halten wir auch die Balance." d.i.i. geht in den Neubau in der Rhein-Main-Region, im Ruhrgebiet, ebenso wie in Hamburg oder auch Berlin und hisst an insgesamt 28 deutschen Standorten seine Fahnen.

Ähnlich breit vertreten ist das Unternehmen als Bestandshalter- und -entwickler, der allerdings besonders die B-Städte liebt. Dabei immer im Auge: das Wertsteigerungspotenzial via Sanierung. Erwarten wird jetzt jeder, dass bei diesem Stichwort ein langes Lamento über die Regulierungen auf dem Mietmarkt kommt. Wojtalewicz seufzt zwar hie und da vernehmlich über politische Entscheidungen, wie etwa den Berliner Mietendeckel, der in seinen Augen absolut keinen Sinn macht und auch angesichts der rechtlichen Unsicherheiten regelrecht ruinös für Berlin werden könnte. "Das spaltet die Stadt." Und: "Ich bin froh, dass wir jetzt nur noch Neubau in Berlin haben."

Aber in der weiteren Analyse überrascht er dann doch wieder. Zum einen sagt Wojtalewicz: "Ich halte die Mietpreisbremse für ein seriöses Tool." Er sehe seit geraumer Zeit mit Sorge ein "Auseinanderdriften der Gesellschaft, das sich stark beim Thema Wohnen niederschlägt. Wir müssen da gemeinschaftlich dagegenhalten". Die Bremse könne Teil der Lösung sein, um den sozialen Ausgleich sicherzustellen, auch emotional.

Eine Sozialcharta begrenzt die Mieterhöhungen

Und er hat auch noch ein weiteres, eher überraschendes Statement parat: "Die Begrenzung der Modernisierungsumlage auf maximal 3 Euro/m² ist absolut ausreichend." Die d.i.i. habe da einen großen Erfahrungsschatz. Sie setze zur energetischen Optimierung auf ein strammes Nebenkostenmanagement. Alle Lieferverträge kämen auf den Prüfstand und würden nachverhandelt. Damit könne schon sehr viel bei der Kostensenkung erreicht werden - 20% bis 40%. Bei der energetischen Modernisierung prüfe man zudem sehr lange, welcher Aufwand zur optimalen Energieeinsparung führe. "Das muss nicht immer das komplette Wärmedämmungsverbundsystem sein." In einer Sozialcharta, auf sie sich alle Mitarbeiter verpflichtet haben, hat sich d.i.i selbst exakte Grenzen gesetzt. So darf die Mieterhöhung nach Modernisierumg maximal 1,80 Euro/m² betragen.

Zur Entspanntheit von Wojtalewicz trägt gewiss bei, dass sein Unternehmen, Chefs und Mitarbeiter, trotz der hitzigen Debatten auf dem Wohnungsmarkt und scharfen Vorwürfen gegen Immobilienunternehmen auf ihre Weise mit sich im Reinen sind. Neben dem Neubau des eigenen Büros, der fürs Weiterwachsen steht, tragen natürlich die guten Zahlen und Prognosen für die kommenden Jahre bei. 2019 hat d.i.i. 360 bis 370 Mio. Euro in neue Wohnimmobilien investiert, 2020 sollen die Investitionen dann auf 450 Mio. Euro anwachsen.

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