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Unternehmen | 28.11.2019

Aus IZ48/2019, S. 3

Von Nicolas Katzung

In diesem Artikel:

BrickVest rutscht in die Insolvenz

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Daniel Rohrig
BrickVest-Mitgründer Thomas Schneider stattete vor einem Jahr der Redaktion der Immobilien Zeitung einen Besuch ab. Da war die Welt für BrickVest noch in Ordnung.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Daniel Rohrig

Das deutsch-britische Proptech BrickVest ist zahlungsunfähig. Für die Hauptgesellschaft wurde in Großbritannien Insolvenz angemeldet. Mitgründer Thomas Schneider ist aus der Geschäftsführung ausgeschieden.

Paukenschlag in der Proptech-Szene: Der Investmentmanager BrickVest ist zahlungsunfähig. Für vier von sechs Konzerngesellschaften, darunter die Muttergesellschaft BrickVest Limited, wurde in Großbritannien Insolvenz angemeldet. Das geht aus Dokumenten des britischen Handelsregisters hervor. Zum Administrator, das Pendant zum deutschen Insolvenzverwalter, wurde das britische Unternehmen ReSolve bestimmt.

BrickVest wurde 2014 von Thomas Schneider und Emmanuel Lumineau gegründet und hat seitdem einen recht steilen Aufstieg hingelegt. Bis heute wurden nach Angaben des Insolvenzverwalters in mehreren Finanzierungsrunden rund 12 Mio. GBP eingesammelt. Mehr als 20 Mitarbeiter sind für das Proptech an den Standorten in London, Berlin und Nizza tätig. An BrickVest haben sich etwa 50 Investoren beteiligt, darunter private Finanziers, Business Angels, Venturekapitalgeber und zwei deutsche Pfandbriefbanken: die Berlin Hyp und die Aareal Bank.

Die Plattform von BrickVest bringt Investoren, Eigentümer, Finanzierer und Asset-Manager zusammen. Von Beginn an verstand sich BrickVest nicht als Crowdinvestingplattform, die sich an Kleinanleger mit Beträgen von wenigen Hundert Euro richtet. Im Visier hatten die Macher den professionellen Anleger, der Beträge ab 1.000 Euro aufwärts investieren möchte. "Normalerweise liegen die Tickets bei uns im Bereich von 15.000 und 150.000 Euro", sagte Chief Investment Officer Schneider vor etwas mehr als einem Jahr im Gespräch mit der Immobilien Zeitung. Damals betonte er außerdem, dass BrickVest die "einzige vollregulierte Online-Real-Estate-Plattform in Europa" ist.

Während Schneiders Kompagnon Lumineau anscheinend weiterhin die Fäden bei BrickVest zieht, hat Schneider Ende Oktober den Chefsessel verlassen. Weder gibt es Informationen darüber, ob Schneider aus eigenen Stücken seinen Posten als Director von BrickVest Limited geräumt hat, noch dazu, ob er noch in anderer Funktion für BrickVest tätig ist. Zum Sachverhalt wollte er sich gegenüber der Immobilien Zeitung nicht äußern und verwies auf den Insolvenzverwalter. Bereits ein paar Wochen vor Schneider verließ Matthias Arnheiter das Board of Directors. Arnheiter war vom Mitgesellschafter Berlin Hyp als Interessenvertreter Anfang 2019 in das Direktorium berufen worden.

Offenbar falsche Angaben im Jahresabschluss

Im britischen Handelsregister findet sich auch eine gerichtliche Anordnung, datierend vom 26. September dieses Jahres, den Jahresabschluss 2018 wegen unsachgemäßen Inhalten zurückzunehmen. Das tat BrickVest zwar, hat aber bis Redaktionsschluss keine Korrektur des Jahresabschlusses vorgenommen. Obwohl das Gremium, in dem die BrickVest-Gesellschafter vertreten sind, die Freigabe des Jahresabschlusses verweigert hatte, hatte das Unternehmen den Bericht Mitte August veröffentlicht.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte die Zusammenarbeit mit den Kapitalgebern, zu denen laut Gesellschafterliste vom 4. November 2019 die Berlin Hyp als drittgrößer und die Aareal Bank als viertgrößter Anteilseigner gehören, unmöglich geworden sein. Wenig überraschend zeigten die Altgesellschafter wenig Interesse daran, sich an einer geplanten weiteren Kapitalrunde zu beteiligen. "Die Berlin Hyp hat nicht weiter in BrickVest investiert, da es unterschiedliche Auffassungen über die vereinbarten Mitbestimmungsrechte - insbesondere bei wesentlichen strategischen Fragestellungen, die die Gesellschaft betreffen - gab", teilt eine Sprecherin mit.

Abgesehen von diesem Statement hüllt sich die Berlin Hyp über Details in Schweigen. Die Aareal Bank lässt die Fragen zu den Vorgängen gänzlich unkommentiert und verweist auf das laufende Insolvenzverfahren.

Der britische Insolvenzverwalter ReSolve lässt ausrichten, dass er es bedaure, einen der führenden Player im Fintech-Markt in einer solchen Situation vorfinden zu müssen. Für die Gläubiger werde er nun versuchen, das Bestmögliche über einen Verkauf des Unternehmens und seiner Vermögensgegenstände herauszuholen. Die Plattform von BrickVest ist laut ReSolve weiterhin live und aktiv. Das Geschäft dort betreiben BrickVest IM und BrickVest Markets, die nicht von der Insolvenz betroffen seien.

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