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Märkte | 14.11.2019

Aus IZ46/2019, S. 24

Von Alexander Heintze

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Dorfen, Feldafing, Garching b.München, Gräfelfing, Neuried, Freising, Wörthsee
  • Unternehmen:
    Wogeno
  • Organisationen:
    Immobilienverband Deutschland IVD Süd, Wogeno, Stadt Garching, Landkreis Freising, Gemeinde Wörthsee, Gima München, Gemeinde Gräfelfing, Gemeinde Neuried, Gemeinde Feldafing, mitbauzentrale münchen, Stadt Dorfen
  • Personen:
    Barbara Schelle, Christian Stupka, Natalie Schaller, Christel Muggenthal
  • Immobilienart:
    Wohnen, Laden-/Geschäftsflächen, Hotel & Gastronomie, Infrastruktur

Genossen sollen jetzt die Wohnprobleme im Umland lösen

Quelle: Imago Images, Urheber: Sven Simon
Neubausiedlungen, wie hier in Freising, sollen im Münchner Umland künftig häufiger von Genossenschaften und Baugemeinschaften verwirklicht werden.

Quelle: Imago Images, Urheber: Sven Simon

Wörthsee/Freising. Die Kommunen rund um München setzen bei der Lösung der Wohnungsnot vermehrt auf Genossenschaften und andere alternative Wohnformen. Für klassische Bauträger und Projektentwickler dürfte es künftig noch schwieriger werden, an Baugrundstücke heranzukommen.

Immer mehr Menschen fliehen vor den hohen Mieten aus der Stadt in die umliegenden Landkreise und sorgen dort für steigende Preise. Zwar sind nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts des IVD Süd die Kauf- und Mietpreise zumeist noch unter dem Münchner Niveau. "Dennoch sehen sich die Umlandgemeinden einem immer größer werdenden Siedlungsdruck ausgesetzt - die hohe Nachfrage sowohl nach Kauf- als auch nach Mietobjekten kann nicht ansatzweise gedeckt werden, das Preisniveau steigt stetig an", schreibt das Institut in einer Analyse des Umlands aus dem Sommer. "Nicht zuletzt durch die Entstehung substanzieller Neubaugebiete erfuhren einige Kommunen in den vergangenen zehn Jahren einen enormen Bevölkerungszuwachs", heißt es weiter.

Dieser Trend scheint vorbei zu sein. Durch die Nachfrage werden im Umland die Grundstücke knapper und teurer. Gleichzeitig wächst der Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen. "Es setzt sich dort die Erkenntnis durch, dass die gängige Praxis, Einfamilienhausgebiete auszuweisen, nicht die Lösung sein kann", beobachtet Natalie Schaller von der Münchner Genossenschaftsberatung Mitbauzentrale ein Umdenken in den Gemeinden. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, Grünland mit teuren Wohnungen und Häusern für vermeintlich reiche Münchner zu betonieren, schwinde immer mehr.

Viele Kommunen verändern darum ihre Baulandpolitik und weisen kaum noch Bauland aus. Andere gehen dazu über, ihre Flächen nicht mehr zu verkaufen, sondern über Konzeptausschreibungen zu einem Festpreis oder in Erbbaurecht zu vergeben. Außerdem steige das Interesse an der Gründung von Genossenschaften und Baugemeinschaften.

"Die Grundstückspolitik der Stadt hat sich gedreht", bestätigt die Freisinger Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Die Stadt verkaufe schon seit längerem keinen Grund mehr, sondern versuche Grundstücke zu erwerben.

In der früheren General-von-Stein-Kaserne unweit des Freisinger Zentrums entstehen derzeit mehr als 550 Wohnungen sowie eine Schule, ein Hotel und ein Einkaufszentrum. Von den ehemals 16 ha ist ein kleines Restgrundstück noch unbebaut. Dieses will die Gemeinde nun an Genossenschaften vergeben. 80 Wohneinheiten können darauf gebaut werden.

Es fehlt das soziale Miteinander

Das Vorgehen sei auch eine Reaktion auf das Verhalten einiger Bauträger und Wohnungskäufer in dem Neubaugebiet, sagt Schelle. Bei städtischen Vergaben komme es immer häufiger zu Klagen der unterlegenen Bieter. Auch stimme die soziale Mischung in dem Gebiet nicht. Die Käufer der Eigentumswohnungen würden zwar die Schule in Laufweite begrüßen. Die aktuellen Pläne zur Vergrößerung bekämpfen sie allerdings. "Es fehlt das soziale Miteinander", so Schelle. Das erhofft sich die Gemeinde nun von der Vergabe an eine Genossenschaft. "Wo Grundstücke nur teuer verkauft werden, ist die soziale Mischung schwer umzusetzen", stellt sie fest. "Wir wollen jetzt lernen, wie das geht", gibt Schelle zu. Dann, so hofft sie, werden auch andere Gemeinden im Landkreis Freising dem Beispiel folgen.

Nicht nur in Freising sind die Genossen auf dem Vormarsch. Der Garchinger Stadtrat hatte im Sommer Pläne bekräftigt, Flächen an Wohnungsbaugenossenschaften zu vergeben. Derzeit sind Bürger dabei, eine Genossenschaft für die Bebauung ins Leben zu rufen. In Gräfelfing will die Gemeinde ein Grundstück von der Telekom erwerben, um dort genossenschaftliche Wohnungen zu bauen. In Neuried gibt es bereits konkrete Pläne, ebenso in Dorfen, wo der Gemeinderat ein Grundstück zur Verfügung stellen will. Die Gemeinde Feldafing am Starnberger See überlegt, einen Teil der frei werdenden Kasernenflächen für die Genossen zu reservieren.

Dort, wo keine eigenen Genossenschaften entstehen, könnten die etablierten Münchner Unternehmen einspringen. Laut Christian Stupka von der Genossenschaftlichen Immobilienagentur München hätten mindestens zehn Genossenschaften Interesse, sich im Umland zu engagieren.

Ein erstes Projekt setzt zum Beispiel die Münchner Genossenschaft Wogeno in Wörthsee um. In der 5.000-Einwohner-Gemeinde will ein Landwirt ein Grundstück zwischen Kuckuckstraße und Schluifelderstraße im Erbbaurecht an die Genossenschaft vergeben. 60 Wohneinheiten in Holzbauweise sind derzeit geplant. 80% der künftigen Bewohner müssen aus dem Ort kommen. Das dürfte kein Problem sein. Die Nachfrage sei groß, sagt die Erste Bürgermeisterin Christel Muggenthal. In Wörthsee sei es wie in vielen Gemeinden: Es gebe kaum Mietwohnungen, vor allem keine barrierefreien für ältere Menschen, denen nach dem Auszug der Kinder das Haus zu groß geworden ist, die aber den Ort nicht verlassen wollen. Zusätzlich hat sich die Gemeinde ein Belegungsrecht für 20% der Wohnungen gesichert und zwei angrenzende Grundstücke erworben. "Wir sind auf den Geschmack gekommen", sagt Muggenthal. Weitere Grundstücke würden derzeit gesucht.

München berät die Umland-Genossen

Um den Gemeinden, aber auch den Bürgern vor Ort, bei der Gründung von Genossenschaften und Baugemeinschaften zu helfen, hat die Stadt München kürzlich beschlossen, dass die Genossenschaftsberatung Mitbauzentrale auch außerhalb der Stadtgrenzen zum Thema gemeinschaftliches Wohnen beraten soll. Seit 2014 ist die Mitbauzentrale im Auftrag der Stadt München die zentrale Anlaufstelle für alle, die ein gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt gründen wollen. Alexander Heintze

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