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Märkte | 14.11.2019

Aus IZ46/2019, S. 11

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:

Wichtige Rolle der Finanzierer beim Erreichen der Klimaziele

Quelle: Berlin Hyp AG, Urheberin: Jessica Schäfer
Immobilienfachleute und Finanzierer diskutierten mit Umweltschützern.

Quelle: Berlin Hyp AG, Urheberin: Jessica Schäfer

Finanzierer müssen in Zukunft stärker ihren Einfluss auf die Nachhaltigkeit der finanzierten Immobilien geltend machen. Das zeigte ein Roundtable, zu dem Berlin Hyp neben Projektentwicklern und Asset-Managern Umweltschützer eingeladen hatte.

Green Bonds seien der richtige Anfang, aber eine nachhaltige Finanzierung dürfe nicht nur auf die bestehenden grünen Marktsegmente ausgerichtet werden, sondern müsse den Immobilienmarkt in seiner gesamten Breite durchdringen: Das schrieb Matthias Kopp, Head of Sustainable Finance, den beim Roundtable anwesenden Bankern auf ihre To-do-Liste. "Gerade bei Gebäuden kommt in Deutschland den Finanzinstituten des gemeinwohlorientierten Sektors und den Genossenschaften eine besondere Bedeutung zu, da sie in der Fläche verwurzelt sind", betonte Kopp.

Zuvor hatte Gero Bergmann, Vorstandsmitglied bei Berlin Hyp, über die hohe Nachfrage nach grünen Pfandbriefen berichtet. Der Finanzierer hatte 2015 als erstes Unternehmen einen grünen Pfandbrief emittiert und seitdem drei weitere sowie vier grüne Senior-Unsecured-Anleihen folgen lassen. Zuletzt gab Berlin Hyp Ende Oktober einen Green Bond mit einem Volumen von 500 Mio. Euro heraus, der einen Zinskupon von 0,5% trägt. "Der Kapitalmarkt wird künftig eine noch wichtigere Rolle für das Erreichen der Klimaziele einnehmen", glaubt Bergmann. Viele Anleger seien inzwischen bereit, für nachhaltige Produkte geringere Renditen zu akzeptieren.

Um die Ziele zu erreichen, müsse aber die jährliche Sanierungsquote in Deutschland, die derzeit nur bei 0,5% bis 1% liegt, deutlich gesteigert werden, betonte Manuel Adamini, Head of Investor Engagement bei der Climate Bonds Initiative. "Wir dürfen in der Zukunft nur noch Immobilien mit sehr hoher Energieeffizienz bauen und finanzieren", forderte Adamini vor dem Hintergrund, dass sich der weltweite Gebäudebestand bis 2060 voraussichtlich verdoppeln werde. "Es ist äußerst deprimierend, dass die Dringlichkeit noch nicht im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist." Finanzierer müssten deshalb ihren Einfluss geltend machen. "In Schweden lassen sich Hypotheken viel günstiger refinanzieren, die auf Energieeffizienzmaßnahmen abzielen", nannte Adamini ein Beispiel.

Credit Suisse sieht sich bei der Bekämpfung des Klimawandels bereits auf dem richtigen Weg. "Seit 2010 verfolgen wir eine aktive CO2-Reduktionsstrategie für unser Immobilienportfolio und konnten die klimaschädlichen Treibhausgase um 17,5% reduzieren", berichtete Christoph Schumacher, Leiter Global Real Estate, Credit Suisse Asset Management.

Markus Wiedenmann, geschäftsführender Gesellschafter von Art-Invest Real Estate, hofft zudem auf einen wachsenden Einfluss der Immobiliennutzer, die bei der Standortwahl immer mehr die Nachhaltigkeit einer Immobilie berücksichtigen würden. "Immobilien werden zur Projektion der Unternehmenskultur und der Attraktivität für Mitarbeiter", sagte Wiedenmann. Diese Möglichkeit biete sonst allenfalls noch eine Firmenwagenflotte. Er verspürt aber eine Unsicherheit, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Klimaziele für 2050 zu erreichen. Die Immobilienbranche habe zunächst gedacht, durch die Zertifizierung von Projekten bereits die Antwort gegeben zu haben. "Aber es geht jetzt erst ans Eingemachte." Aus Wiedenmanns Sicht fehlen neue Steuerungsgrößen. "Mehr als zertifizieren können wir derzeit nicht."

Objektive Bewertung der Nachhaltigkeit gefordert

Ins gleiche Horn stieß auch Andreas Muschter, Vorstandsvorsitzender der Fondsgesellschaft Commerz Real. Er forderte ein objektives Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von Immobilien. Bei den bestehenden Zertifikaten wählten die Entwickler oft das Label aus, von dem sie sich am ehesten erhoffen, dass ihr Projekt es erreicht. "Es geht nicht darum, nach außen zu erzählen, dass man etwas Gutes tut", sagte Muschter. Deshalb hat sich Commerz Real am Start-up Arabesque S-Ray beteiligt. Das Datenanalysehaus arbeitet an einer Lösung, die in Echtzeit überprüft, welche Nachhaltigkeitskriterien eine Immobilie erfüllt. Muschter sieht zudem viel brachliegendes Effizienzpotenzial in Immobilien. "Büroräume sind 30% des Tages ungenutzt." In dieser Zeit könnten sie für andere Zwecke verwendet werden. Unterstützung bieten könne dabei die Digitalisierung, z.B. mittels Sensorik.

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