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Märkte | 07.11.2019

Aus IZ45/2019, S. 2

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Tchibo
  • Personen:
    Max Herz, Christoph von Schwanenflug, Carl Tchilling-Hiryan
  • Immobilienart:
    Einzelhandel

Wer wird der nächste Tchibo?

Viele Onlinehändler arbeiten daran, ihr Geschäft in den stationären Handel zu erweitern. Als Vorbild könnte ihnen Tchibo dienen, meint IZ-Redakteur Christoph von Schwanenflug. Tchibo begann 1949 als Kaffeeversender und betreibt heute rund 500 Geschäfte in Deutschland.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christof Mattes
Christoph von Schwanenflug.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christof Mattes

Tchibo, das ist eine Geschichte, die viel über die Erfolgsfaktoren im Einzelhandel erzählt. Vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten Max Herz und Carl Tchilling-Hiryan in Hamburg ein Unternehmen, das Kaffee über den Postweg zum Kunden brachte. Der Kaffee war, um den Menschen einen zusätzlichen Kaufanreiz zu bieten, in Klarsichtdosen, Servietten und Geschirrtücher verpackt. Das freute die Leute, denn viele Dinge des täglichen Lebens waren nach dem Krieg Mangelware.

1955 eröffnete Tchibo sein erstes Geschäft. Die Novität: Kaffee im Stehen. Das passte in die geschäftige Zeit des Wiederaufbaus, in der viele Leute sich nicht mehr die Zeit nahmen, lange in einem Café zu verweilen.

In den 1970er Jahren setzte dann die Entwicklung zu dem Handelskonzept ein, das wir heute kennen. Tchibo begann, im wöchentlichen Wechsel Gebrauchsartikel wie Uhren, Schmuck, Geschirr, Tennisschläger und Fahrräder zu verkaufen. Das Unternehmen wurde zu einem Wegbereiter des Non-Food, d.h. des Verkaufs eines ständig wechselnden Sortiments von Nichtlebensmitteln in einem Lebensmittelgeschäft. Wahrscheinlich besitzt fast jeder Erwachsene in Deutschland etwas, das er bei Tchibo gekauft hat, sei es eine Lederjacke oder eine Yogamatte.

Heute wollen viele Onlinehändler ihren Aktionsradius ins Stationäre erweitern. Hat einer davon das Zeug dazu, 500 Läden in Deutschland zu eröffnen und damit das Tchibo des Internetzeitalters zu werden?

Amazon arbeitet in den USA hart daran, ein filialisierungstaugliches Retail-Format zu entwickeln. Bis auf eine Handvoll Buchläden, ein Dutzend Convenience-Stores und dem Kauf einer Supermarktkette ist aber noch nicht viel dabei herausgekommen. Als potenzieller Vielmieter wird auch die Einkaufsplattform Zalando gehandelt, die etwa ein Dutzend Modeläden eröffnet hat. Fraglich ist, ob der Name Zalando allein als Konzept ausreicht, denn wo genau liegt der Mehrwert eines Ladens, in dem nur ein Bruchteil des Zalando-Sortiments zu sehen ist?

Was Firmen wie Amazon oder Zalando von Tchibo lernen können, ist hinzuhören und hinzuschauen. Menschen, die ein Geschäft betreten, wollen etwas anderes als Onlinekunden. Aber was? Den Stationär-Code zu entschlüsseln, dafür brauchte Tchibo sechs Jahre. Am Anfang lösten oft Klarsichtdosen, Servietten und Geschirrtücher den Bestellimpuls aus. Dann kam das Steh-Café, dann Non-Food. Dieses Steh-Café zu finden, darum geht es im übertragenen Sinne auch für Onlinehändler mit Lust auf Läden.

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