Sie verwenden
iz.de als
Gastnutzer
Alle Leistungen ansehen

{{vm.izPaket[vm.user.izPaket].title}}

Ihre Leistungen

Digitales | 31.10.2019

Aus IZ44/2019, S. 13

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Architrave
  • Personen:
    Maurice Grassau, Martin Rothenberger

"Wir wollen nicht einen kaputten Prozess digitalisieren"

Neben den Verbänden fördern auch Unternehmensinitiativen wie der Real Estate Data Summit die Einführung von Standards bei Immobilientransaktionen. Beim jüngsten Treffen im September stand das elektronische Exposé auf der Tagesordnung. Architrave-CEO Maurice Grassau, einer der Initiatoren, sieht darin eine Möglichkeit, Eingabefehler und Doppelarbeit im Ankaufsprozess zu vermeiden.

Urheber: Philipp Bögle
"Die Branche muss sich auf einen Standard fürs elektonische Exposé einigen." Maurice Grassau, CEO Architrave

Urheber: Philipp Bögle

Immobilien Zeitung: Herr Grassau, im September kamen über 30 Vertreter der Immobilienbranche zum Real Estate Data Summit (Reds) zusammen, der unter anderem von Ihrem Unternehmen Architrave initiiert wurde. Worum ging es dabei?

Maurice Grassau: Wir haben neben dem Bedürfnis nach allgemeinen Datenstandards in Europa das Konzept eines elektronischen Exposés diskutiert. Über dessen Nutzen wurde intensiv diskutiert, was einen wesentlichen ersten Schritt darstellt. Wir klären in den kommenden Wochen, wie sich die beteiligten Unternehmen die produktseitige Umsetzung vorstellen. Ein entsprechender Standard für ein elektronisches Ex-posé kann dann, so unser Ziel, auf dem nächsten Reds-Termin im ersten Halbjahr 2020 beschlossen werden.

IZ: Können Sie die Logik hinter dem elektronischen Exposé noch ein wenig genauer erläutern?

Grassau: Viele Teilnehmer am gewerblichen Immobilienmarkt bekommen laufend Angebote zum Immobilienankauf, häufig als Teaser in PDF-Form, die sie prüfen müssen. Bei großen Akteuren können das zwischen 6.000 und 10.000 im Jahr sein. Besonders die dabei auftretenden Routinetätigkeiten binden eine enorme Menge an Personalkapazität: Die PDFs werden heute zumeist abgetippt und in die hauseigenen Excel-Tabellen eingetragen. Diesen Prozess wollen wir mit dem elektronischen Exposé grundlegend überarbeiten und vereinfachen.

IZ: Wäre es nicht eine Möglichkeit, die eingehenden PDFs einfach mit einem Suchalgorithmus auszulesen und die extrahierten Daten automatisch in die von der jeweiligen Ankaufsprüfung verwendete Software zu überspielen?

Grassau: Das ginge natürlich. Aber damit würden wir nur einen kaputten Prozess digitalisieren. Die Ursprungsdaten liegen ja heute in den meisten Fällen bereits digital vor. Der Makler überträgt sie aber fast immer händisch in ein PDF. In dem von Ihnen geschilderten Fall müsste dieses Dokument dann eine Robotersoftware auslesen, um die analogen Daten beim Empfänger erneut zu digitalisieren. Es gibt tatsächlich Marktteilnehmer, die das für einen guten Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Immobilienwirtschaft halten. Aber dafür muss es doch bessere Wege geben!

IZ: Wie sieht die Lösung aus, die sich die Reds-Teilnehmer vorstellen?

Grassau: Unsere Idee ist es, alle für einen Deal relevanten Daten schon beim Absender in ein XML-Dokument zu übertragen, das dann in das PDF eingebettet wird. Am Versand ändert sich dabei gar nichts. Wer noch keinen digitalen Prozess nutzt, liest das PDF ganz normal wie bisher. Aber wer viele Tausende dieser Angebote prüfen will, der programmiert seine Software so, dass sie den XML-Anhang extrahiert und ins eigene System überspielt. Aber damit das funktioniert, muss sich die Branche auf einen Standard einigen.

IZ: Wäre das nicht eine Angelegenheit der Verbände?

Grassau: Reds arbeitet ja eng mit Verbänden wie gif und RICS zusammen, inklusive personellen Überschneidungen. Ich denke aber, wir müssen solche Standardisierungsprozesse parallel zur Verbandsarbeit vorantreiben, um schneller zu konkreten Lösungen zu kommen. Meine Sorge ist, dass sich irgendwann große Digitalplayer aus dem Ausland auf ein Thema wie Immobilientransaktionen stürzen könnten. Und denen wäre herzlich egal, was irgendwelche Verbandsgremien bis dahin beschlossen haben.

IZ: Architrave selbst ist ebenfalls schnell gewachsen. Ist Ihr Unternehmen auf dem Weg dazu, ein großer Player zu werden?

Grassau: Wir sind von 65 Mitarbeitern zum Jahresende 2018 auf jetzt rund 100 Kollegen gewachsen. Aber Größe ist für uns nicht alles. Die Struktur eines Unternehmens muss an das Wachstum angepasst werden. Für uns war es daher wichtig, mit z.B. Martin Rothenberger dieses Jahr einen neuen CTO zu berufen, der in früheren Tätigkeiten schon Teams von zehn Softwareentwicklern erfolgreich auf 300 Mitarbeiter aufgebaut hat. Bei der Größe, die wir erreicht haben, genügt es nicht mehr, Kollegen zu haben, die für die Start-up-Idee brennen. Wir brauchen mittlerweile Profis mit ganz speziellen Kenntnissen im Team-Management. Sonst liefe unser Unternehmen Gefahr, nur noch sehr langsam zu wachsen oder den Zusammenhalt zu verlieren.

IZ: Sie haben sowohl strategische Investoren wie Deka und Union Investment als auch Wagniskapitalgeber wie BitStone Capital oder Proptech1 Ventures an Bord. Sind weitere Finanzierungsrunden geplant, eventuell mit neuen Anlegern?

Grassau: Wir können uns vorstellen, in einer kommenden Finanzierungsrunde noch den einen oder anderen strategischen Investor im Rahmen einer Minderheitsbeteiligung aufzunehmen. Mehr Immobilienunternehmen im Anlegerkreis zu haben, bedeutet, einen detaillierteren Blick hinter die Kulissen zu bekommen. Ansonsten fühlen wir uns mit der Mischung unserer Investoren sehr wohl. Unser Plan ist es, noch einmal frisches Kapital von den Anlegern einzuwerben und dann richtig durchzustarten. Nach starken Investitionen haben wir 2018 auf Basis des Ebitda gerechnet die Gewinnschwelle überschritten. Da ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem es mit der Neuaufnahme von Kapital auch mal gut sein muss.

IZ: Herr Grassau, Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.

In Netzwerken weiterempfehlen

Kostenfrei für Abonnenten

Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland

Unser Service für IZ-Abonnenten:
Alle Zwangsversteigerungen in Deutschland - täglich aktuell, übersichtlich geordnet und kostenfrei!