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Projekte | 24.10.2019

Aus IZ43/2019, S. 14

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Der Wettbewerb für ein KaDeWe in Wien

Quelle: Hadi Teherani Architetcs
Zurückhaltend, elegant und eindrucksvoll visualisiert: der Entwurf des Büros Hadi Teherani Architects aus Hamburg.

Quelle: Hadi Teherani Architetcs

Signa hat vier Architekturbüros eingeladen, Vorschläge für den Bau eines Warenhauses in Wien zu machen. Der Wettbewerb ist ein Signal. Er zeigt, dass es Unternehmen gibt, die an die Zukunft des Warenhauses und damit des mehrgeschossigen Einkaufens glauben. Er zeigt, wie wichtig öffentliche Räume für den stationären Einzelhandel sind. Und er zeigt die großen Ambitionen der thailändischen Central Group für ihre Warenhäuser in Europa.

Den Wunsch der Signa-Gruppe, das im Zweiten Weltkrieg zerstörte monumentale Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Berlin in den einstigen Dimensionen neu zu erbauen, hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg jüngst abgelehnt. Baustadtrat Florian Schmidt von den Grünen attestierte dem Vorschlag zwar "Faszination", lehnte die Einleitung eines B-Planverfahrens aber ab. "Aufgrund von Dimension, Wirkung und geplanter Nutzung des Gebäudes würde es im umgebenden Stadtgefüge wie ein Fremdkörper wirken", erklärt Schmidt. Geplant waren laut Schmidt ein Mix aus Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Fitness, Markthalle, öffentlicher Dachterrasse, Kultur und "gemeinwohlorientierten Nutzungen".

Quelle: Snøhetta
Snøhetta aus Norwegen zitiert mit einer "kristallinen" Fassade nach eigenem Bekunden den für Wien wichtigen Jugendstil.

Quelle: Snøhetta

Die bestmögliche Antwort auf die Absage in Berlin hat Signa in Wien gegeben. Am 2. Oktober stellte das Unternehmen von René Benko die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs für den Neubau eines Warenhauses an der Mariahilfer Straße vor. Es soll auf dem Grundstück des jetzigen Kaufhauses Leiner entstehen, das seit 2018 zu Signa gehört. Der komplette Bestand mit 58.000 m² Gesamtnutzfläche soll laut Plan bis auf eine denkmalgeschützte Fassade zur Mariahilfer Straße hin abgerissen und durch ein sechsgeschossiges Warenhaus sowie ein Hotel mit 150 bis 165 Zimmern ersetzt werden. Über 300 Mio. Euro will Signa auf dem eigenen Grundstück investieren. Als Generalmieter und Betreiber des Warenhauses ist die KaDeWe Group vorgesehen, an der Signa 49,9% der Anteile hält. KaDeWe werde das Haus in einer Mischung aus "Untermiete und eigenem Betrieb" führen, sagte Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber der Immobilien Zeitung (IZ).

Zum Sieger des Wettbewerbs kürte die von der Architektin Elke Delugan-Meissl geleitete Jury einstimmig den Vorschlag von OMA - Office for Metropolitan Architecture, das auch für den laufenden Umbau des KaDeWe in Berlin verantwortlich ist. Delugan-Meissl lobte die Arbeit der Kollegen als "einmalige Chance für das Quartier" und als "große Möglichkeit, die Mariahilfer Straße als Einkaufsstraße neu zu definieren". Die verantwortlichen Architekten Ippolito Pestellini Laparelli und Ellen van Loon sagten zu dem für OMA-Verhältnisse recht zurückhaltenden Bebauungsvorschlag: "Das Gebäude ist keine Ikone, sondern ein Weg, neue städtische Verbindungen und öffentliche Räume zu schaffen." Vittorio Radice, Executive Chairman der La Rinascente und KaDeWe Group, sprach von einem "Statement für die Zukunft und die Weiterentwicklung des stationären Einzelhandels".

Quelle: Hadi Teherani Architects
Ein zweiter Himmel über Wien: das Restaurant auf der Dachterrasse im Entwurf von Hadi Teherani.

Quelle: Hadi Teherani Architects

Die Grundidee des Entwurfs besteht darin, die Nutzungen des Gebäudes - Hotel und Warenhaus - mit einem passagenartigen Durchgang ("The Link") zu verknüpfen. In dieser Passage liegt auch der Lift zur gemeinsamen Dachterrasse von Hotel und Warenhaus. Über den Dächern von Wien sind ein Restaurant und ein rund 1.000 m² großer Dachgarten vorgesehen. Dieser Dachgarten ist als "konsumfreie Zone" geplant und soll auch außerhalb der Geschäftszeiten zugänglich sein. "Mit dem Dachpark haben wir die Grünen bekommen", scherzt Stadlhuber. Gemeint ist die Zustimmung der im 7. Wiener Bezirk tonangebenden Partei.

Anders als in Berlin, wo Signa mit seinen Ideen zuletzt abgeblitzt ist (außer Karstadt Hermannplatz wurde auch der Bebauungsvorschlag für das Karstadt-Grundstück am Kurfürstendamm abgewiesen), fallen Benkos Visionen in Wien offenbar auf fruchtbaren Boden. "Jeder Politiker in Wien weiß, was das für eine Aufwertung für die Mariahilfer Straße bedeutet. Selbst unsere Nachbarn, die zweieinhalb Jahre im Baulärm leben müssen, begrüßen das Projekt", sagt Stadlhuber. "Wir gehen davon aus, dass wir in sechs Quartalen Baustart haben." Die Stadt Wien ist für das KaDeWe-Projekt, wenn man so will, sogar in Vorleistung getreten, indem sie die Mariahilfer Straße vor einigen Jahren verkehrsberuhigt hat. Solch eine Aufwertung des öffentlichen Raums um das Gebäude erhofft sich Signa auch in Düsseldorf von der Stadt im Rahmen des geplanten Umbaus des Carsch-Hauses.

Quelle: BIG
Die Lust am Konsum wird uns noch alle verschlingen: der KaDeWe-Vorschlag von BIG Bjarke Ingels Group aus Kopenhagen.

Quelle: BIG

Stadlhuber ist der Ansicht, dass das Warenhaus die einzige Vertriebsform im Handel ist, die mehrgeschossiges Einkaufen noch erfolgreich lösen kann. "Zwei Faktoren sind dafür wichtig: Sie brauchen, wenn Sie das Warenhaus betreten, einen Attraktivator, der Sie nach oben zieht", sagt Stadlhuber. "Und Sie brauchen im obersten Geschoss Gastronomie." Wie sich in Wien die Sortimente auf die einzelnen Verkaufsebenen verteilen, könne er noch nicht sagen. "Um über die Schichtung zu sprechen, ist es noch zu früh." Mit 25.000 m² Verkaufsfläche wird das KaDeWe Wien deutlich kleiner als das KaDeWe in Berlin (über 60.000 m²). Und eine Luxuslage ist die Mariahilfer Straße auch nicht. Die Ladenmieten liegt weit unter Kohlmarkt, Graben und Kärntner Straße. Signa kündigt aber auch keine Luxusdestination an, sondern die "moderne Version eines Traditionswarenhauses".

Der Betreiber der Immobilie, die KaDeWe Group, sieht ihre Zukunft allerdings klar im Luxussegment. Das Unternehmen gehört zu 50,1% der thailändischen Central Group, die ihre Retailsparte gerade in Bangkok an die Börse bringt. Central-Chef Tos Chirathivat sagte 2017 dem Berliner Tagesspiegel: "Wir sind in Deutschland, weil wir eine Sammlung aus traditionsreichen Luxuskaufhäusern zusammenstellen." Über die KaDeWe Group kontrolliert Central nicht nur das KaDeWe in Berlin, sondern auch das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg. Zum Portfolio zählen ferner das Illum in Kopenhagen und La Rinascente in Italien mit Filialen u.a. in Mailand und Rom. Das Haus in Rom wurde erst vor zwei Jahren eröffnet, die Filiale in Turin gerade von drei auf sechs Etagen aufgestockt, um den Umsatz zu verdoppeln. Der Umsatz des KaDeWe in Berlin, so ist zu hören, soll durch den Umbau sogar vervierfacht werden - nicht durch den Verkauf von mehr, sondern von teureren Produkten.

Quelle: OMA - Office for Metropolitan Architecture
Der Sieger - In der Visualisierung des Siegerentwurfs von OMA wird das Grün des Dachgartens betont.

Quelle: OMA - Office for Metropolitan Architecture

Ein Vorbild für die Strategie von Central könnte Printemps aus Frankreich sein. Unter der Führung von Paolo de Cesare hat das legendäre Warenhaus in Paris seinen Umsatz verdoppelt. Cesare erzählte unlängst in einem Interview mit dem Magazin TextilWirtschaft, dass die Restaurierung der acht Goldkuppeln auf dem Printemps-Gebäude eine seiner ersten Amtshandlungen gewesen sei. "Drei Jahre lang stieg ich alle zwei, drei Wochen aufs Dach, um nachzuschauen, wie die Arbeiten vorangingen." Die Manager der Deutschen Bank, denen Printemps damals gehörte, zweifelten an der Notwendigkeit dieser Maßnahme und fragten, wie sich das Gold auf dem Dach auf den wirtschaftlichen Erfolg des Warenhauses auswirke. "Sie warten heute noch auf eine Antwort." Konkrete Zahlen bekamen sie nicht: Für den Erfolg eines Warenhauses, erklärt Cesare, seien "Flächen und Architektur entscheidend".

KaDe Wien - Fakten zum Projekt

- Adresse: Mariahilfer Straße 10-18

- Verkaufsfläche: 25.000 m²

- Handelsgeschosse: sechs (inkl. Dachgarten)

- Hotel: 150 bis 165 Zimmer

- Hauptmieter: KaDeWe Group

- Entwurf: O.M.A.

- Baubeginn: 1. Halbjahr 2021 (geplant)

- Eröffnung: Herbst 2023 (geplant)

- Typologie: Neubau

- Investition: über 300 Mio. Euro

Ein 3D-Durchgang durch die Wettbewerbsausstellung unter www.mahi10-18.at

Legende:

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