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| 16.11.2000

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Aus IZ24/2000, S. 5

Von IZ

In diesem Artikel:

"Pulch versus Zitelmann"

Die Publikation "Immobilien vertraulich" wirft dem ehemaligen "Welt"-Ressortleiter Immobilien Dr. Rainer Zitelmann rechtsradikale Umtriebe vor.

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Kommentar

"Pulch und Zitelmann"

Besser hätte das Timing nicht sein können: Mitten in die Diskussion um ein Verbot der NPD und kurz vor dem Jahrestag des Reichstagsbrandes platzt der Publizist Bernd M. Pulch mit einer Meldung heraus, die schockieren soll: Der ehemalige Ressortleiter "Immobilien" der Tageszeitung "Die Welt" und jetzige Berater zahlreicher Immobilienunternehmen Rainer Zitelmann sei quasi ein "Neonazi" und "unterwandere" gleich die gesamte Branche! Der Text wimmelt in klassischer Pulch-Manier von Aussagen sogenannter "Insider",von Übertreibungen und Verfälschungen. Kein Wunder, daß kurz nach der Veröffentlichung die juristische Gegenreaktion folgen mußte.

In jüngsten Stellungnahmen zum Vorgang wird jetzt gerne auf die - unbestrittene - Zwielichtigkeit der Quelle verwiesen. Aber dies sagt nichts aus über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe. Um diesen zu überprüfen, ist man allerdings auch nicht auf die "Informationen" des Herrn Pulch angewiesen. Das Internet hält über die Suchbegriffe "Zitelmann" und "Neue Rechte" ausreichend Datenmaterial parat. Auch zur Einschätzung von Ignaz Bubis, der im Zusammenhang mit Veröffentlichungen Zitelmanns von "geistiger Brandstiftung" sprach.

Die Brisanz der ganzen Geschichte steckt jedoch ohnehin ganz woanders - nämlich in der Tatsache, daß viele "Branchenkenner" sich offenbar hinsichtlich einer solchen Überprüfung allzuwenig Mühe machen wollten.

Beispiel Pulch: Verwundert melden sich diejenigen zu Wort, die bisher glaubten, es hier mit einem seriös arbeitenden Journalisten zu tun zu haben. "Warum tut er das?", heißt es. Das müsse doch sicher persönliche Gründe haben, in einem "Fachblatt" habe so etwas doch sonst nichts zu suchen. Fehlanzeige - journalistische Sorgfalt und Seriosität sind in dessen Publikationen ohnehin Mangelware.

Beispiel Zitelmann: Ebenfalls Verwunderung. Zitelmann ein Rechter? Das hätte man doch merken müssen, man kennt sich doch seit Jahren. Politisch sei er doch nie aktiv gewesen. Ebenfalls Fehlanzeige: Er war sogar äußerst aktiv - nur die Immobilienbranche weiß das nicht. So drohte 1995 im Vorfeld des Bundesparteitags der FDP Bubis mit dem Austritt aus der Partei, falls der Parteitag den politischen Thesen einer Gruppe um Alexander von Stahl und Rainer Zitelmann folgen würde.

Alle diese Informationen sind leicht zugänglich. Sie sind auch nicht neu. Der Vorgang zeigt aber deutlich, daß es anscheinend viele Unternehmen nicht für notwendig hielten, sich ihre Geschäftspartner genauer anzusehen. Welchen Pressekontakt oder PR-Berater man für die Außendarstellung seines Unternehmens wählt, ist selbstverständlich eine individuelle Entscheidung. Doch es gehört zu den Qualitäten eines guten Kaufmannes, sich vorab über den Ruf derjenigen zu informieren, die über Medienbeiträge oder aber "Positionierungsberatung" für das positive Image des Unternehmens in der Öffentlichkeit sorgen sollen. Das erspart einem zumindest die peinliche Situation, sich im Fall der Fälle verwundert die Augen reiben zu müssen. (tp)